Im Gespräch mit CORA – Mira Christine Mühlenhof und der sympathischste Bordcomputer der Welt

(ez) – Irgendwie ist Bordcomputer CORA ein wenig heiser. Vermutlich ist der Sprachprozessor bei der Flucht von der „PILGRIM 2000“ beschädigt worden. „Ich glaube, ich habe nur drei Stunden geschlafen“, fährt die Stimme im Telefonhörer fort – trotz des Schlafmangels klingt sie ganz fröhlich – und wird damit endgültig zur Stimme von Mira Christine Mühlenhof. Am Abend zuvor hat die Journalistin, PR-Frau und Sprecherin eine große Gala moderiert, und es ist verdammt spät geworden. Für das CORA-Interview nimmt sie sich jetzt trotzdem die Zeit.

„Als Jochim und Balthasar das erste Hörspiel aufnahmen, kam Jochim auf einmal zu mir und sagte: Du bist meine CORA!“ erinnert sich Mühlenhof. Dabei habe sie die Vorstellung, einen Bordcomputer zu sprechen, zunächst nicht sehr begeistert. „Meine erste Reaktion war: Oooooh?!“ Jochim Redeker sei aber sehr hartnäckig geblieben und sei auch sehr begeisterungsfähig. Er habe sie überzeugt, dass ihre Stimme absolut die richtige für die Rolle sei. „Er sagte: Es gibt kaum Stimmen, die neutral und doch persönlich sein können. – Dabei habe ich gar nicht so ein großes Gefühl für meine Stimme.“

So sieht CORA in Wirklichkeit aus: Mira Christine Mühlenhof.

So sieht CORA in Wirklichkeit aus: Mira Christine Mühlenhof.

Die typische CORA-Sprechweise, mit der Mühlenhof in der Hörspielgemeinde inzwischen berühmt und beliebt ist, habe sie dann zusammen mit Jochim Redeker entwickelt. „Das hat eine ganze Weile gedauert, und Jochim hat mich immer wieder daran erinnert, in der Stimmlage neutral zu bleiben.“ Diese Neutralität zu treffen – das heißt, die Stimme voll klingen zu lassen ohne emotionale Schwankungen und trotzdem eine gewisse Wärme auszustrahlen – sei ungemein schwer. „Inzwischen komme ich da aber relativ schnell hin.“ In der Nachbearbeitung versieht Redeker Mühlenhofs Stimme dann mit dem typischen Lautsprecher-Klang und schneidet auch ihre Atmer weg, denn ein Bordsystem muss keine Luft holen.

Mira Christine Mühlenhof kennt Jochim Redeker bereits seit 1996. Damals arbeitete sie für „Antenne Niedersachsen“, den Stammsender von Redeker. „Ich habe zunächst als Reporterin gearbeitet, dann moderiert. Später habe ich dann auch als Sprecherin für Werbespots gearbeitet und als Synchronsprecherin.“ Den Kontakt zu Jochim Redeker habe sie über all die Jahre immer gehalten.

Ihren CORA-Text spricht Mühlenhof seit dem Start der Mark Brandis-Reihe stets direkt bei Redeker ein. „Das ist immer eine sehr nette Atmosphäre, aber eigentlich möchte ich auch mal mit ins Studio, um mal die anderen Sprecher kennen zu lernen.“ So ist sie beispielsweise Mark Brandis-Sprecher Michael Lott noch nie persönlich begegnet. „In diesem Jahr werde ich auf jeden Fall zur Ohrkanus-Verleihung gehen, um auch mal die anderen zu sehen. Da freue ich mich total drauf.“

Wie Balthasar v. Weymarn (Autor der Mark Brandis-Hörspielskripte) erklärt, war die Einführung des sprechenden Bordcomputers in der ersten Folge „Bordbuch Delta VII“ zunächst nur ein dramaturgisches Mittel. „Warum sollen wir Besatzungsmitglieder Befehle eintippen lassen, wenn das fehlende visuelle Element uns dann doch dazu zwingen würde, jemanden wiederholen zu lassen, was da passiert ist?“ Darüber hinaus bekam CORA für die Hörspiele die Aufgabe, den Hörern zu vermitteln, was sich außerhalb des Schiffes abspielt. Weymarn: „Da wir es ja nicht sehen können, müssten es uns die Besatzungsmitglieder sagen. Aber warum sollten sie sich das gegenseitig erzählen, wenn sie doch einfach nur aus dem Fenster schauen müssen?“

Mira Christine Mühlenhof ganz lässig. Eigentlich sollte es CORA nur in den ersten vier Folgen geben.Für Mira Christine Mühlenhof sollten die vier Folgen des Bürgerkriegs-Zyklus ursprünglich trotzdem die einzigen bleiben, denn genau genommen ist CORA nur das Bordsystem der DELTA VII. Mühlenhof: „Balthasar und Jochim freundeten sich mit CORA aber sehr schnell an, und es stellte sich auch heraus, dass sich bei den Hörern ein CORA-Kult entwickelt hatte.“ Auch CORA-Klingeltöne gab es zwischenzeitlich, und „ich wurde sogar auf Messen auf meine Rolle angesprochen“. Und da auch Mühlenhof die Mark Brandis-Arbeit sehr viel Spaß machte und macht, erfand Balthasar von Weymarn in dem Zweiteiler „Vorstoß zum Uranus“ dann eine Möglichkeit, den innovativen „Central Oral Response Avatar“ auch auf die HERMES zu übertragen.

Mira Christine Mühlenhofs Lieblingsstelle ist übrigens die Szene in „Verrat auf der Venus“, in der CORA dem müden und frustrierten Mark Brandis eine Geschichte vorliest, bis dieser einschläft. Dabei endet CORA mit den Worten: „Gute Nacht…Commander!“
Mira Christine Mühlenhof: „Da ist CORA zum ersten Mal richtig sanft, da meint man zu ahnen, dass dieser Computer doch Gefühle hat.“

Szene anhören:

Kategorie(n): Alles, Interviews, Making Of, Presse

8 Antworten auf Im Gespräch mit CORA – Mira Christine Mühlenhof und der sympathischste Bordcomputer der Welt

  1. ICH LIEBE CORA!!! MÖGE SIE UNS LANGE ERHALTEN BLEIBEN !!!

    Andy Simon sagt:

    CORA ist Kult! Schade, dass sie im neuen Hörspiel nur einen Kurzauftritt hat, daran habe ich echt gemerkt, dass sie fehlt!

  2. Cora ist nicht mehr weg zu denken!
    Mein Navi heisst seit der ersten gehörten Folge: CORA!!!

    Andy Simon sagt:

    Guter Gedanke — wie wärs mit einem echten Navi-Programm mit CORA (sowas gibt’s ja als Programm)? *Ich* würde mir gerne von ihr den Weg weisen lassen.

  3. Ein Cora Navi hätt ich auch gerne Smilie: :-)

  4. Ein genialer Einfall der Hörspielmacher. Vllt. der genialste, wobei so viel an den Hörspielen schlichtweg genial ist. Ich kann mir die Höspiele ohne Cora gar nicht mehr vorstellen.

  5. CORA ist einfach super. Mich hat CORA so sehr fasziniert das ich seit einiger Zeit eine Heimautomatisierung entwickle die unter anderem über Sprachsteuerung funktioniert und diese natürlich CORA getauft. Leider werde ich wohl zu einem solchen Wohlstand gelangen das ich irgendwann Mira Christine Mühlenhof als Sprecherin dafür gewinnen kann, aber die Ton Ausschnitte aus dem Hörspiel zu nutzen, wie z.b. die Akustischen Bestätigungssignalisierung wenn Mark CORA ruft (kann mann das Klingeln nennen?). Der CORA Klingelton ist schon lange fester Bestandteil meines Handys und ich hoffe immer noch, auch jetzt nach dem Ende der Offiziellen MB Reihe, das man noch viel von CORA hören darf, ob in Raumkadett oder als kleine Gimmicks wie den CORA Klingelton.

    INTERPLANAR sagt:

    Vielleicht stellen wir mal ein paar CORA-Clips für die Bastler da draußen zur Verfügung.