Mark Brandis‘ Hörspiel-Anfänge – Regina Schleheck und die Entwicklung von „Bordbuch Delta VII“

(ez) – Von der MEGA zurück zur VEGA, von den „Fundamentalen Scientisten“ wieder zur „Reinigenden Flamme“: Bis Mark Brandis in seinem ersten Hörspiel „Bordbuch Delta VII“ in den Weltraum abheben durfte, erlebten Geschichte und Manuskript einen langen Wandel. Dabei machten sich Autorin Regina Schleheck und Produzent Balthasar von Weymarn keine der Entscheidungen leicht.

Die Autorin Regina Schleheck schrieb das erste Mark-Brandis-Hörspielmanuskript "Bordbuch Delta VII".Zum Mark-Brandis-Team stieß Regina Schleheck 2005 durch eine Empfehlung des WDR-Redakteurs i.R. Klaus Woller. Als Reinhild von Michalewsky, die Witwe des verstorbenen Mark-Brandis-Erfinders, sich bei ihm nach Autoren erkundigt hatte, die ein Brandis-Buch in ein Hörspiel-Manuskript umwandeln könnten, nannte Woller Schlehecks Namen. Schleheck: „Als ich dann hörte, dass es sich um eine Science-Fiction-Geschichte handelt, war ich zunächst sehr reserviert. Ich dachte an Aliens und Technobabble, und meine Begeisterung hielt sich in Grenzen.“ Dann habe ihr Reinhild von Michalewsky das erste Buch geschickt, und Schleheck war infiziert. „Das sind gute Geschichten, in denen nicht mit Aliens und Supertechnologien gezaubert wird. Sie behandeln die Grundprobleme der Menschen.“

Zusammen mit von Weymarn habe Schleheck dann ihre ersten Vorstellungen des Mark-Brandis-Universums entwickelt. „Es war für mich zunächst noch unklar, was das für Menschen in der Geschichte sind und wie die Geschichte wohl aussieht.“ Unter anderem habe ihr von Weymarn dann aufgezeichnet, wie Mark Brandis‘ Raumschiff „Delta VII“ aussehen könnte und wie man sich darin bewegt. „Ich brauchte ja eine Vorstellung der Räume, in denen die Handlung spielt“, so Schleheck. Einigkeit herrschte sehr schnell darüber, dass die Geschichte szenisch aufgebaut sein sollte und keinen allwissenden Erzähler haben dürfe. Von Weymarn und Mit-Produzent Jochim C. Redeker hatten ein achtseitiges Konzept, eine sogenannte „Bibel“, konzipiert, die wesentliche Parameter festlegte, von den Motivationen der Charaktere über die Aussage der Serie bis zum Bordcomputer CORA. Davon abgesehen war es ganz Schleheck überlassen, wie sie die Geschichte schreiben würde.
„Um das ganze erste Buch in ein Hörspiel mit rund 60 Minuten Länge zu bekommen, musste ich die Zahl der Personen und die Handlung zunächst ziemlich zusammenstreichen“, erinnert sich Regina Schleheck. „Im Grunde habe ich am Ende nur ein paar zentrale Sätze wörtlich übernommen, und natürlich die Geschichte sowie ihre Grundidee.“ Die Rohfassung des ersten Manuskripts sei schon nach zwei Wochen fertig gewesen.

In ständigem Austausch mit von Weymarn ging Schleheck dann an den Feinschliff. Dabei starb beispielsweise die ursprüngliche Idee, aus der Venus-Erde-Gesellschaft für Astronautik VEGA die Mars-Erde-Gesellschaft für Astronautik MEGA zu machen. Im Grunde ergäbe nach heutigem Wissensstand eine Besiedlung des Mars tatsächlich mehr Sinn als eine Besiedlung der 500 Grad heißen Schwefelhölle der Venus. Von Weymarn plädierte aber trotzdem für eine größere Nähe zum Buch und zur VEGA, allerdings unter neuen Vorzeichen. „Wir gehen hier davon aus, dass es mit bisher noch unbekannten technischen Mitteln möglich und wünschenswert geworden ist, die Venus zu besiedeln – nur begrenzt am Nordpol allerdings“, schrieb von Weymarn damals an Schleheck.

Einen Wandel machte im Laufe der verschiedenen Manuskript-Entwürfe auch die radikale Organisation des putschenden Generals Gordon B. Smith durch. Regina Schleheck benannte Smiths Reinigende Flamme in ihrem ersten Entwurf in „Fundamentale Scientisten“ um. Schleheck: „Das Kennzeichen der Smith‘schen Ideologie ist (…): Macht um jeden Preis und unter Einsatz aller technischen und wissenschaftlichen Möglichkeiten (…). Insofern sollte so etwas wie Stärke oder Kraft deutlich werden, aber auch die Unbedingtheit, die Radikalität, das Fundamentale und eben nicht zuletzt und im Unterschied zu allen bisherigen Diktaturen: das wissenschaftlich-technisch Machbare soll zur Spitze getrieben werden.“ Der Name „Reinigende Flamme“ klinge ihr persönlich „zu sehr nach Reichskristallnacht“, argumentierte sie. Weil „das mitschwingende Phoenix-Element“ im Namen „Reinigende Flamme“ für die Mitglieder von Smiths Bewegung aber einen positiven Ton habe, den die Bezeichnung für die Bewegung des Generals auch haben solle, so von Weymarn, entschied er, die Gruppe doch wieder so zu benennen wie in der Buchvorlage.

CORA
Meine Herren, ich wünsche Ihnen einen angenehmen und störungsfreien Testflug! Insbesondere begrüße ich unsere Gäste an Bord: Herrn Professor Segovia und seine Begleiter!
SEGOVIA
(brummelt)
Auf solchen Computerschnickschnack kann die MEGA in Zukunft gut verzichten!
CORA
Verstanden, Sir! Ich werde mich aller Kommentare enthalten, solange Sie Anspruch auf das Kommando erheben.
HARRIS
(mit einem kaum unterdrückten Lachen)
Der Computer will uns lediglich mitteilen, dass ab sofort der gemütliche Teil der Reise beginnt. Üblicherweise kann ein Teil der Crew sich jetzt erst einmal in der Messe mit einem Kaffee stärken!

Aus heutiger Sicht sehr ungewöhnlich erscheint Schlehecks damalige Idee, über den Bordcomputer CORA in die Geschichte mehr Humor im Stil der Roboter aus STAR WARS einfließen zu lassen. Von Weymarn war dagegen: „Der Humor muss eine Kombination von Charakter und Situation sein. Wenn wir ihn brauchen, ist er bei Stroganow (ein erfahrener alter Hase) und Ibaka (jung und impulsiv) und einem zwischen den beiden fortwährend laufenden Geplänkel gut aufgehoben.“ Er verglich die Art des Humors mit dem aus „Raumschiff Enterprise“ bekannten Dauer-Gezanke zwischen „Logiker“ Mr. Spock und „Landarzt“ McCoy.

Lange feilten die beiden auch an der allerersten Szene des Hörspiels. Diese ist in der ursprünglichen Fassung des Manuskripts noch sehr viel gemächlicher als im Hörspiel. Im ersten Manuskript-Entwurf befindet sich die „Delta VII“ lediglich auf dem Heimflug, und Mark Brandis und Commander Harris beginnen – nachdem sie die Steuerung des Schiffes CORA übertragen haben – gleich mit ihrem Gespräch in der Messe.
Die endgültige Fassung beginnt nun gleich mit einer Action-Sequenz. Von Weymarn: „Ich persönlich bin mit der ersten Szene immer extrem pingelig, da hier entschieden wird, ob der Hörer richtig Lust auf die Story bekommt, oder ihr lediglich noch eine Chance gibt.“ Der spannende und actionreiche Auftakt zu Beginn (noch vor dem Vorspann) entwickelte sich ab hier zu einem Markenzeichen der Serie. Vorläufiger Höhepunkt dieser Entwicklung ist das große Erdbeben in der Vortitel-Sequenz von „Operation Sonnenfracht“.
Das erste Mark-Brandis Hörspiel "Bordbuch Delta VII" erschien im Mai 2007.
Im Frühjahr 2006 stand dann mit der dritten Fassung das Hörspielbuch, das dann die Grundlage für das Hörspiel wurde. Verschwunden waren hier nun auch die Abkürzungs-Monster der Romanvorlagen, EAAU für Europäisch-Amerikanisch-Afrikanische Union und VOR für Vereinigte Orientalische Republiken. Die Sprachaufnahmen folgten im Sommer 2006 im TonSynchron-Studio in Hamburg. Im Mai 2007 war die erste Mark-Brandis-Folge mit „Bordbuch Delta VII“ dann auf dem Markt. Die Kritiken fielen sehr gut aus, und die Erstauflage war schon nach drei Monaten ausverkauft.
Und auch Regina Schleheck war mit dem Ergebnis zufrieden. „Ich finde das Hörspiel deutlich besser als noch beim Schreiben. Allein diese Musik und das Sounddesign…“ Und die Abenteuer von Mark Brandis gehen weiter…

Ein Artikel über den Sprecher Martin Wehrmann und seine Figur Iwan Stroganow geht am Mittwoch, 17. August, abends online.

Kategorie(n): Alles, Making Of

Eine Antwort auf Mark Brandis‘ Hörspiel-Anfänge – Regina Schleheck und die Entwicklung von „Bordbuch Delta VII“

    Stefan Kraft sagt:

    Ich hatte vor einiger Zeit vorgeschlagen, dass ein Artikel veröffentlicht wird, der die Zusammenarbeit mit Frau Schleheck zum Thema hat. Ob es nun an der Anfrage lag oder nicht – auf jeden Fall „Danke“ für diesen Artikel. Interessant, wie sich alles entwickelt hat. Smilie: :-)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Anti-Spammer Quiz: