Making of „Alarm für die Erde“ – Das Manuskript

(ez) – Mit dem Zweiteiler „Alarm für die Erde“ geht das große Drama nach der gescheiterten „Operation Sonnenfracht“ rund um den radioaktiv verseuchten Kilimandscharo nahtlos weiter. Für die Protagonisten sind seit dem Ende der letzten Mark-Brandis-Episode vom Juli diesen Jahres nur wenige Stunden vergangen, und auch Manuskript-Autor Balthasar von Weymarn gönnt den Hörern kein Atemholen. „Ich werfe die Hörer sofort ins kalte Wasser und befördere sie mitten ins Geschehen“, erklärt von Weymarn im Gespräch. Er verzichtet erneut auf das klassische Serien-Mittel „Was bisher geschah“ und baut in den ersten Szenen der Geschichte die wichtigsten Informationen zur Lage dezent mit ein. Insgesamt vergrößert sich das persönliche Drama der Charaktere gegenüber der Vorgängergeschichte „Operation Sonnenfracht“ noch, denn die Katastrophe fordert schreckliche Opfer…

 

Globale Ereignisse und persönliche Dramen
„Der Druck auf die Charaktere hat seit ,Operation Sonnenfracht‘ kein bisschen nachgelassen“, verrät Balthasar von Weymarn. Im Gegenteil. Nachdem die Katastrophe mit dem Ausbruch des Kilimandscharo passiert ist, ist die Situation überhaupt nicht mehr planbar. „Die Truppe ist müde, und dann wird sie auch noch mit den ,Fliegenden Löwen‘ konfrontiert.“ Bei diesen „Fliegenden Löwen“ handelt es sich – wie in der Romanvorlage – um radikalisierte Einheimische, die die Nachrichten von der radioaktiven Gefahr für einen gewaltigen Schwindel halten, um sie von ihrem Land zu vertreiben. Erste Anzeichen auf die „Löwen“ hatte von Weymarn bereits in „Operation Sonnenfracht“ platziert. Einer der Frachterpiloten stirbt durch einen vergifteten Pfeil.

Bei "Alarm für die Erde" steigt der Druck auf die handelnden Personen weiter an.

Bei "Alarm für die Erde" steigt der Druck auf die handelnden Personen weiter an.

„Mark Brandis stößt in der Geschichte an seine Grenzen“, beschreibt der Autor die Auswirkungen der Geschehnisse auf den Hauptcharakter. Auch Brandis-Erfinder Nikolai von Michalewsky war in der Romanvorlage mit seinem Helden nicht zimperlich gewesen. Von Weymarn: „Er lässt ihn mal richtig zusammenbrechen, und Brandis ringt mit seinen inneren Dämonen.“ Das habe ihn beim Schreiben des Hörspiel-Manuskripts sehr gereizt. „Es gibt nicht das übliche heldenhafte ,Yes-Sir-und-los-geht’s‘. Das Ganze ist viel persönlicher.“

Der Kampf gegen die Kilimandscharo-Katastrophe übersteigt während der Geschichte auch über eine lange Zeit die menschlichen Möglichkeiten. „Bis auf das letzte Viertel erzählt die Geschichte von einem großen Rückzug“, so von Weymarn.

„Das Hörspiel beschreibt viele Schicksale“, ergänzt Mark-Brandis-Sounddesigner Jochim C. Redeker. „Es gibt mehrere Ebenen: Da gibt es zum einen große gesellschaftliche Veränderungen, in Afrika gibt es große Evakuierungen, was wiederum die Ureinwohner falsch verstehen. Zum anderen gibt es die Einzelschicksale unserer Helden.“ Mit ironischem Verweis auf ein bekanntes „Raumschiff Enterprise“-Klischee – Opfer sind stets die unbekannten Begleiter der Außenteams – meint Redeker: „Bei Mark Brandis trifft es nicht nur die Typen in den roten Uniformen.“

Die kleinen und großen Ereignisse rund um die Kilimandscharo-Katastrophe werden im Mark-Brandis-Universum bleibende Spuren hinterlassen. Balthasar von Weymarn: „Wir können nach diesen Ereignissen nicht so tun, als wäre nichts gewesen.“ Das betrifft auch die Person von Mark Brandis, der weitere innere Narben davontragen wird.

 

Die Arbeit am Manuskript
Zwischen den Manuskript-Arbeiten an „Operation Sonnenfracht“ und der zweiteiligen Fortsetzung „Alarm für die Erde“ gönnte sich Autor Balthasar von Weymarn nur eine Woche Pause. „Im Grunde entstand die komplette Geschichte in einem großen Arbeitsschritt.“ Dabei teilte er die Ereignisse von „Operation Sonnenfracht“ und „Alarm für die Erde“ etwas anders auf als die Romanvorlagen. Der Grund: „Nach zwei Dritteln des Romans ,Operation Sonnenfracht‘ hatte Nikolai von Michalewsky eigentlich einen perfekten Cliffhanger, den er leider verschenkt hat.“

 Die Hörspielfassung von „Operation Sonnenfracht“ endet nun genau an diesem Punkt, was bei der Adaption zu der Entscheidung führte, die Geschichte nicht in den üblichen zwei CDs, sondern nur auf einer zu erzählen.

Die Herausforderung, der sich Balthasar von Weymarn aber damit stellen musste, war der Umstand, dass er in dem  „Alarm für die Erde“-Zweiteiler nun auch noch das letzte Drittel von „Operation Sonnenfracht“ würde erzählen müssen. Damit war in der Geschichte erneut ein hohes Tempo programmiert. „Mir war schon klar, dass ich manches würde kürzen müssen“, erklärt von Weymarn.

Unter anderem fiel der komplette Handlungsstrang um William Xuma und seine komplizierte Liebe zu Jane, Tochter des „Fliegende Löwen“-Anführers John Malembo, aus der Geschichte raus. Xuma ist schon in „Operation Sonnenfracht“ gar nicht Teil des Ensembles und kommt auch in „Alarm für die Erde“ nicht vor. „Damit war das Pensum nun zu leisten“, so von Weymarn.

Bei der Adaption des Romans "Alarm für die Erde" musste Manuskript-Autor Balthasar von Weymarn die Geschichte straffen.

Bei der Adaption des Romans "Alarm für die Erde" musste Manuskript-Autor Balthasar von Weymarn die Geschichte straffen.

Keinen Einfluss auf den Fortgang der Geschichte hatten verschiedene kritische Stimmen, die das Szenario um Atommüll in einem scheinbar erloschenen Vulkan als „absurd“ bezeichneten. Auch Nikolai von Michalewsky war nach Erscheinen seines Romans „Operation Sonnenfracht“ in den 1970er Jahren für diese Idee als Grundlage der Geschichte kritisiert worden.

Dass Menschen aber tatsächlich auf die Idee kommen, Atommüll irgendwo im Nirgendwo zu entsorgen, zeigt ein Beispiel aus den 1960er Jahren. Wie der ZDF-Dokumentation „Strahlende Aussichten – Die Kraft des Atoms“ zu entnehmen ist, versenkten die Briten damals einen Teil ihres strahlenden Abfalls in Fässern einfach im Ärmelkanal. Balthasar von Waymarn dazu: „Und das Gruselige daran ist, dass kein Mensch daran denkt, sie wieder rauszuholen“, obwohl Salzwasser mit der Zeit „alles Metall, außer Gold, verätzt und oxydiert“. Vor diesem Hintergrund traf Nikolai von Michalewsky mit dem Kilimandscharo-Szenario tatsächlich den Kern des menschlichen Irrsinns, und auch das Hörspiel-Szenario ist dichter an der Realität, als es wünschenswert wäre.

Ein Beitrag über die Sprachaufnahmen und Sprecher von „Alarm für die Erde“ geht am Mittwoch, 2. November, abends online. Ein Beitrag über die Manuskript-Arbeiten an der Vorgängergeschichte „Operation Sonnenfracht“ ist in unserem Blog am 22. Juni erschienen. Das Hörspiel „Alarm für die Erde“ wird am Freitag, 4. November, veröffentlicht.

Kategorie(n): Alles, Making Of

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