OT: Endzeit – „Alarm für die Erde“ und das Leben mit der Apokalypse

(ez) – Nach dem Ausbruch des Kilimandscharo, der gewaltige Mengen Atommüll in die Atmosphäre  schleudert, wird Nikolai von Michalewskys Held Mark Brandis in der Geschichte „Alarm für die Erde“ mit einer Katastrophe von apokalyptischen Ausmaßen konfrontiert. Ihr effektiv zu begegnen, übersteigt die menschlichen Möglichkeiten, und so geht es nur noch um Schadensbegrenzung und ums nackte Überleben. Mit der Schilderung dieses Weltuntergangs-Szenarios griff der Mark-Brandis-Erfinder erneut ein beliebtes Science-Fiction-Motiv auf: Die Endzeit-Geschichte, in der die Menschen eine Welt erleben, die eine Katastrophe in den Abgrund gestürzt hat.

Hiroshima und die Folgen
Zwei einschneidende Ereignisse, die sich auf viele Science-Fiction-Geschichten auswirken sollten, waren die Atombomben-Abwürfe von Hiroshima und Nagasaki 1945. „Hiroshima hatte eine Flut von Apokalypse-Stories zur Folge, in denen die Zivilisation zerstört wurde und die Überlebenden eines Atomkriegs ihr Dasein in einer radioaktiv verseuchten Welt fristen müssen.“ Die atomare Bedrohung „ist seit über 50 Jahren eine der größten Menschheitsängste, die sich in Geschichten wie ,Memorial‘ (1946) von Theodor Sturgeon, ,Shadow of the Hearth‘(1952) von Wilson Tucker, ,Lot‘ ((1953) von Ward Moore, ,False Night‘ (1954) von Algis Budrys (oder) ,On the Beach‘ (1957) von Nevil Shute (…) niederschlugen.“ (Das ultimative Science-Fiction-Lexikon, David Pringle, Battenberg, 1997).

 

Leben nach dem Atomkrieg im Film
Der Roman „On the Beach“ wurde 1959 als „Das letzte Ufer“ verfilmt. Die Geschichte spielt in einer Welt, die ein Atomkrieg im Jahr 1964 fast völlig verseucht hat. Radioaktive Wolken ziehen nach Süden. Man erwartet das Ende der Welt in einem halben Jahr.“ (Das Heyne-Lexikon des Science-Fiction-Films, München 1993). Das titelgebende letzte Ufer ist Australien, wo sich schließlich die letzten Menschen versammeln, um zu sterben.

Der BBC-Film „The War Game“ von 1966 ist dem Film „Das letzte Ufer“ sehr ähnlich. Nüchtern wie eine Reportage schildert Regisseur Peter Watkins die Zeit nach dem großen Knall. „Die Bevölkerung, soweit sie nicht apathisch geworden ist, greift Lebensmittellager an und schreckt vor Mord an Polizisten nicht zurück. (…) Am Ende des Films versuchen die übriggebliebenen Menschen, in einer radioaktiv verseuchten Welt Weihnachten zu feiern.“ (Kino des Utopischen, Georg Seeslen, Hamburg 1980).

Zu den Grundmotiven der fünfteiligen „Planet der Affen“-Kinoreihe von 1968 bis 1973 gehört der Umstand, dass auf der Erde ein Atomkrieg ausgebrochen ist. Für die Menschen bedeutet er als herrschende Rasse auf dem Planeten das Ende. Die letzten Reste der menschlichen Zivilisation findet der von Charlton Heston gespielte Astronaut George Taylor in Form der fast zerstörten Freiheitsstatue.

 

In eine post-apokalyptischen Welt führt der Film „Straße der Verdammnis“ aus dem Jahr 1977. Ein Atomkrieg hat die Erde verwüstet und verseucht. „Die einheimische Fauna ist – soweit noch vorhanden – mutiert.“ (Das Heyne-Lexikon des Science-Fiction-Films). Auf der Spur eines geheimnisvollen Funksignals werden die Protagonisten mit riesigen Skorpionen und Killer-Kakerlaken konfrontiert.

Einer der bekanntesten Atomkriegs-Filme ist die riesige TV-Produktion „The Day After – Der Tag danach“ von „Star Trek“-Regisseur Nicholas Meyer. 1983 schockierte er mit seinem krassen Realismus allein in den USA 100 Millionen TV-Zuschauer. Der Film schildert das Schicksal mehrerer Familien bei Kansas City. Nachdem Atombomben die Stadt und das umliegende Land völlig zerstört haben, bricht trotz vieler Überlebender die öffentliche Ordnung zusammen. Am Ende wirkt die im Radio übertragene Durchhalte-und-Hoffnungs-Rede des Präsidenten wie ein Hohn im Angesicht der körperlich und psychisch zerbrochenen Menschen und der verwüsteten Städte.

 

Im gleichen Jahr wie „The Day After“ entstand auch „Das letzte Testament“. Nach einer kurzen Warnung an die Bevölkerung ist plötzlich „überall ein gleißendes Licht, das sofort wieder erlischt. Der Kontakt zur Außenwelt ist abgebrochen.“ Nachdem die Explosionsherde zunächst in dem kleinen kalifornischen Ort Hamlin keine Schäden verursacht zu haben scheinen, geht bald das leise Sterben los. „Bald darauf ist allen klar, dass keine ärztliche Kunst helfen kann. Strahlenverseuchter Staub bringt den Tod mit sich. Die Zahl der Todesfälle steigt sprunghaft an, viele verlassen panikartig den Ort, das äußere Bild verwahrlost zusehends. Der Friedhof kann die Toten nicht mehr fassen, auf großen Scheiterhaufen werden die Leichen verbrannt.“ (Das Heyne-Lexikon des Science-Fiction-Films)

In der berühmten australischen Endzeit-Kinoserie „Mad Max“ von 1979 bis 1985 ist die Zivilisation im ersten Film schon aus den Fugen geraten und ab dem zweiten Film „Mad Max 2 – Der Vollstrecker“ (1981) nach einem verheerenden Krieg völlig zusammengebrochen. Es herrscht Anarchie. Ein Menschenleben ist inzwischen weniger wert als ein Tropfen Benzin, und marodierende Straßenbanden kennen keine Gnade. Noch bizarrer wird die Welt im dritten Film „Mad Max – Jenseits der Donnerkuppel“ (1985). Konflikte werden in der dreckigen Wüstenstadt Bartertown in Form von brutalen Gladiatoren-Kämpfen ausgetragen, und es zählt nur noch das Gesetz der Despotin Aunty Entity.

In den 1990er Jahren griffen die Filme „Waterworld“ (1995) und „The Postman“ (1997) verschiedene Elemente aus den „Mad Max“-Filmen erneut auf. Hier ist die Welt einmal in den Ozeanen versunken und einmal verwüstet.

 

Viren-Katastrophen zwischen „The Stand“ und „I Am Legend“
Eine der populärsten literarischen Endzeit-Geschichten ist das über 1000 Seiten starke Stephen-King-Epos „The Stand – Das letzte Gefecht“. Hier rottet eine weltweite Pandemie fast die gesamte Menschheit aus – ausgelöst durch ein mutiertes Grippevirus, das aus einem geheimen Militärlabor ausbricht. Die letzten Überlebenden spalten sich im Laufe der Zeit in zwei Gesellschaften auf: Die eine baut die Zivilisation wieder auf, die andere begründet eine schlagkräftige Militärmacht. Die Konfrontation – das titelgebende „letzte Gefecht“ ist unausweichlich. (Wikipedia).

Inzwischen schon mehrfach verfilmt ist der 1954 erschienene Endzeit-Roman „Ich bin Legende“ von Richard Matheson. „Durch eine von Moskitos übertragene Seuche scheinen alle Menschen der Welt gestorben zu sein. Nur Robert Neville hat überlebt und ist gegen die Seuche immun.“ (Wikipedia).
Nach der ersten Verfilmung „The Last Man on Earth“ 1964 durchstreifte 1971 Charten Heston als Robert Neville in „Der Omega-Mann“ das ausgestorbene Los Angeles. Hier hat ein bakteriologischer Krieg zwischen UdSSR und China die Katastrophe ausgelöst. 2008 war es schließlich Will Smith als Robert Neville in dem Film „I am Legend“, der sich nachts vor furchterregenden Vampir-Menschen verkriechen musste. Hier hat sich ein modifiziertes Masern-Virus, das eigentlich als Heilmittel gegen Krebs gedacht war, gegen die Menschen gewandt.

Aus der Idee „Ein-Virus-lässt-Menschen-zu-Bestien-werden“  hat sich inzwischen ein ganz eigenes Sub-Genre des Endzeit-Films entwickelt, repräsentiert durch die „Resistent Evil“-Reihe sowie die beiden Schocker „28 Days Later“ (2002) und „28 Weeks Later“ (2007).

 

Der deutsche Katastrophenfilm-Meister Roland Emmerich konfrontiert die menschliche Zivilisation wiederum mit verheerenden Naturkatastrophen. In „The Day After Tomorrow“ (2004) wird die Welt zunächst von nie dagewesenen Unwettern verwüstet, und danach erstarrt die Nordhalbkugel in einer neuen Eiszeit. In „2012“ (2009) kehren kosmische Kräfte auf der Erde das Oberste zu unterst. Die letzte Rettung ist eine Art Arche Noah, die in den Gipfeln des Himalaya-Gebirges gebaut wurde.

 

Alarm für die Erde
In der Mark-Brandis-Geschichte „Alarm für die Erde“ müssen die Protagonisten nun mit einer Endzeit-ähnlichen Katastrophe in Afrika fertig werden. Dabei erlebt der titelgebende Held auch seine ganz persönliche Hölle, denn die Verluste, die er erleidet, gehen über alles hinaus, was er bislang erlebt hat. Der Hörspiel-Zweiteiler „Alarm für die Erde“ erscheint am Freitag, 4. November 2011.

Unser erster „Making Of“-Artikel zu „Alarm für die Erde“ über die Arbeiten am Manuskript geht am Mittwoch, 26. Oktober, abends online.

Kategorie(n): Alles, Hintergrund, OT

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.