Im Frühjahr 2012 startet die „Sirius-Patrouille“

Am Ende der ersten Mark-Brandis-Folge „Bordbuch Delta VII“ führten die Hörspiel-Macher Balthasar von Weymarn und Jochim C. Redeker etwas ein, was seit diesen Anfängen ein festes Ritual geworden ist: am Ende des Abspanns erfährt der Hörer, mit welcher Folge die Serie weitergehen wird. So erfuhren jetzt die Hörer des aktuellen Zweiteilers „Alarm für die Erde“ den Titel der nächsten vertonten Geschichte: „Sirius-Patrouille“. Eric Zerm hat sich mit Manuskript-Autor von Weymarn über den weiteren Fortgang der Serie unterhalten.

 

Die Manuskript-Arbeiten zur Folge "Sirius-Patrouille" (Foto) sind zwischenzeitlich abgeschlossen.

Die Manuskript-Arbeiten zur Folge "Sirius-Patrouille" (Foto) sind zwischenzeitlich abgeschlossen.

 

Seit dem Erscheinen des Zweiteilers „Alarm für die Erde“ ist auch das Geheimnis gelüftet, wie es in der Mark-Brandis-Hörspielreihe weiter geht: mit „Sirius-Patrouille“. Warum fiel die Entscheidung nach dem Kilimandscharo-Dreiteiler gerade auf diesen Band?

Eine zwingende Chronologie gibt es im Brandis-Universum nur in groben Zügen. Deswegen können wir etwas großzügig aussuchen gehen, wenn es um das jeweils nächste Abenteuer geht. Die „Sirius-Patrouille“ ist, ganz anders als die Kilimandscharo-Geschichte (die fast ausschließlich auf der Erde spielt), wieder „da draußen“, in der Weite des Weltraums. Das bedeutet, wieder anderes Sounddesign und inhaltlich andere Themen. Aber nicht nur dieser Wunsch nach Abwechslung hat uns dazu bewogen; an diesem Buch reizt Jochim und mich das, was ich mal als „U-Boot-Thriller im Weltall“ bezeichnet habe: die Klaustrophobie eines Schiffes in einer jederzeit tödlichen Umgebung.

 

In der Roman-Reihe von Nikolai von Michalewsky schließt sich an „Alarm für die Erde“ ja „Countdown für die Erde“ an, eine Art Light-Version des Asteroiden-Krachers „Armageddon“. Werden wir diese Geschichte später noch zu hören bekommen?

In Auszügen. Dass das Team Bruckheimer/Bay eine praktisch identische Geschichte schon für die große Leinwand erzählt hat, verringert doch den Reiz für mich, sie nochmal als Hörspiel zu strukturieren, zumal die Bedrohung eines heranrasenden Asteroiden doch im Film greifbarer ist im Vergleich zu „nur Ton“. Wenn die Zukunft der Serie es erlaubt, werde ich jedoch Elemente dieser Geschichte in den zweiten Asteroidenband einbauen, der das aus heutiger Sicht eigenständigere Thema hat („Ikarus, Ikarus …“). Mal sehen!

 

Wird es „Kurier zum Mars“ als Hörspiel geben?

Wahrscheinlich nein. Allein die titelgebende Situation wirkt im Zeitalter welt- und allumspannender Informationsübermittlung etwas anachronistisch. Ein Beispiel, das mir gerade einfällt: nach wie vor hält die NASA den Kontakt zu den beiden Voyager-Sonden, die 1977 zu Jupiter und Saturn aufgebrochen waren. Sie sind jetzt über 15 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt. Trotzdem können wir die Signale des kleinen 30Watt-Bordsenders noch empfangen. Das ist Technik der 70er und 80er Jahre. Und dann soll es in 100 Jahren ein Problem sein, Nachricht vom Mars zu bekommen?

 

Ihr habt vor Monaten geschrieben, dass ihr auch die Geschichte „Salomon 76“ in der Hörspiel-Reihe aussparen werdet. Was ist für einen Roman denn besonders wichtig, damit er sich für eine Hörspiel-Adaption eignet und was führt dazu, dass ihr euch gegen ein Buch entscheidet?

Zunächst einmal muss uns die Geschichte reizen. Dann stellt sich die Frage, ob sie sich akustisch umsetzen lässt. Manche Bände, die zum Beispiel sehr visuell erzählen, haben es da schwerer als andere. Zuletzt, jedoch genauso wichtig, ist der Einfluss zu werten, der etwas mit der Aktualität zu tun hat: sagt uns die Geschichte heute noch (oder wieder) etwas? Durchläuft ein Held der Geschichte hier einen besonderen Entwicklungsschritt? Kurz: würden wir dieses Hörspiel gerne selbst hören wollen? Ich denke, diese letzte Frage trifft’s am besten.

 

Hättest Du theoretisch die Möglichkeit, zu einem existierenden Mark-Brandis-Titel eine ganz neue Geschichte zu entwickeln? So etwas passiert zum Beispiel bei der James-Bond-Filmreihe ja seit Jahrzehnten.

Bisher nein. Wir dürfen nur adaptieren, nicht frei entwickeln.

 

Wie groß sind Deine Freiheiten bei der Bearbeitung eines Buches?

Im Rahmen der Adaptionen habe ich mich schon ein paar Mal weit aus dem Fenster gelehnt – am Deutlichsten (von den bisher veröffentlichten Folgen) bei den „Vollstreckern“. Aber auch eins der nächsten Hörspiele wird sich nur sehr frei am Buch orientieren. Das führt dann zu intensiven, aber stets konstruktiv-fruchtbaren Diskussionen mit Frau von Michalewsky, die dem Ergebnis immer sehr gut getan haben. Kurz: wenn die Seele der Geschichte, ihre Aussage, intakt bleibt, kann ich abweichen, um intensiver zu erzählen. Auch Änderungen im Personal gehen in Ordnung – so waren zum Beispiel Burowski und Vidal im Buch „Testakte Kolibri“ auf der Liste der Todesopfer. Während Burowski im Hörspiel es bis zu „Alarm für die Erde“ schaffte, ist Henri Vidal, die ja bei uns zudem weiblichen Geschlechts ist, immer noch gesund und munter und folgt ihrer ewigen Glückssträhne. Und CORA gibt es ja überhaupt nicht in den Büchern.

 

Wie lange sitzt Du in der Regel an einem Hörspiel-Manuskript?

Ich arbeite nicht nonstop daran, aber ich tippe mal auf drei bis vier Wochen konzentrierter Arbeit an einer Doppelfolge.

 

Wie weit reichen die aktuellen Planungen für die Mark-Brandis-Reihe?

Es existieren Vorschlagslisten für die Titel, die wir bis zum Ende der Serie gerne noch machen würden. Konkret geschrieben und bereits in Produktion sind die Folgen 19 bis 22. Für das erste Halbjahr 2012 haben wir ein paar nette Überraschungen in Vorbereitung. Wie es danach weitergeht, werden wir 2012 mit Folgenreich besprechen. Gute Verkäufe sind dabei auf jeden Fall nicht hinderlich, deswegen auch hier ein unverhohlener Appell an die Leser: wenn Euch die Serie gefällt, sagt es weiter!


Ein Beitrag über einen prominenten Schauplatz von „Operation Sonnenfracht“ und „Alarm für die Erde“, den Ngorongoro-Krater, geht am Mittwoch, 30. November abends online.

Kategorie(n): Alles, Making Of

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