OT: Ost-West-Konflikte gestern und morgen (1) – Die Welt im Kalten Krieg

(ez) –Während die Union mit den Folgen der Kilimandscharo-Katastrophe kämpft, ergreifen in den Vereinigten Orientalischen Republiken die Hardliner die Initiative und dehnen mit militärischer Gewalt den Einflussbereich der Republiken aus. Der Konflikt der beiden Machtblöcke heizt sich gefährlich auf. Dies ist die politische Ausgangssituation beim Start der „Sirius-Patrouille“ im kommenden Mark-Brandis-Zweiteiler. Bei der Beschreibung der bipolaren Welt der Mark-Brandis-Romane orientierte sich Autor Nikolai von Michalewsky sehr dicht an einem realen Konflikt, der die Welt in 40 Jahren mehrfach an den Rand des Dritten Weltkrieges brachte: am Ost-West-Konflikt und am Kalten Krieg zwischen der westlichen Welt und dem von der Sowjetunion dominierten Ostblock.

Der Ost-West-Konflikt im Mark-Brandis-Universum
„Unabhängig voneinander entwickelten beide Blöcke Alternativen zur Globalfinanz, die als geschlossenes System funktionieren, sich aber als zueinander inkompatibel herausstellten. Ab 2080 kühlten sich die Beziehungen zwischen der Union und den Republiken im Rennen um Ressourcen und Territorien im Weltraum zunehmend ab.“ Mit diesen Worten wird das Verhältnis zwischen Ost und West im Booklet des Mark-Brandis-Hörspiels „Unternehmen Delphin“ beschrieben.

Als Autor Nikolai von Michalewsky Anfang der 1970er Jahre zum ersten Mal das Mark-Brandis-Universum in EAAU (Europäisch-Afrikanisch-Amerikanische Union) und VOR (Vereinigte Orientalische Republiken) teilte, war auch die wirkliche Welt bereits seit rund 20 Jahren in zwei Machtblöcke geteilt, die sich unversöhnlich gegenüberstanden. Bei mehreren Gelegenheiten war es schon fast zu einem Atomkrieg gekommen.

 

Der Ausbruch des Kalten Krieges
Erste Vorboten des Ost-West-Konflikts waren bereits 1945 auf der Konferenz von Jalta zu spüren. Hier ließ der amerikanische Präsident Roosevelt Stalin ganz bewusst wissen, dass die amerikanische Armee bereits über die Atombombe verfüge. (Weltgeschichte – Eine Chronik, Würzburg 1991). Nach der deutschen Kapitulation reduzierten die Westmächte bald ihre Truppenstärke in Europa, während die sowjetischen Truppen entgegen aller Zusagen in den Ländern Ost-Europas blieben und den Kommunisten durch ihre Präsenz Rückhalt verschafften. (Was heißt hier Feindbild? – Fakten und Argumente zum Ost-West-Konflikt, Bonn 1987). 1947 verkündete der US-Präsident die „Truman-Doktrin“, nach der „die USA allen Staaten helfen“ wollten, „die durch den Kommunismus oder die Sowjetunion bedroht“ würden. (Weltgeschichte – Eine Chronik). Damit waren die Fronten endgültig klar.

Eine neue Art Waffe: Seit 1945 gibt es die Atombombe.

Eine neue Art Waffe: Seit 1945 gibt es die Atombombe.

 

1948 versuchte die Sowjetunion durch eine Blockade Berlins, die sich anbahnende deutsche „Westzonenrepublik zu verhindern“. (Illustrierte Deutsche Geschichte – Vom Werden einer Nation, München 1991). Es gelang nicht. Dafür zündete der Osten 1949 seine erste Atombombe, wodurch das Monopol der USA auf derartige Waffen gebrochen war. Die USA entwickelten daraufhin taktische Nuklearwaffen für das Gefechtsfeld und bauten die Wasserstoffbombe. Zudem gründete der Westen den Nordatlantischen Verteidigungspakt NATO.

 

Vom Korea-Krieg bis zur Kuba-Krise
1950 wurde in Asien der Konflikt der Machtblöcke erstmals zu einem Krieg, als in Korea „von den Sowjets unterstützte Nordkoreaner (…) eine Invasion nach Süden (begannen)“.Unter der Führung der USA griff eine Armee in den Konflikt ein. Kurze Zeit wurde sogar der Einsatz von Nuklearwaffen erwogen. Schließlich trat am 26. Juni 1953 wieder „ein Waffenstillstand in Kraft. Nachdem fast eine Million Menschen (…) umgekommen waren. (Weltgeschichte – Eine Chronik).

Es folgten weitere Konfrontationen, in denen beide Seiten massiv mit dem Einsatz von Atomwaffen drohten. US-Präsident Eisenhower bekräftigte den entschiedenen Willen der USA, jede Bedrohung mit einem atomaren Angriff zu beantworten. (Der imaginäre Krieg – Eine Geschichte des Ost-West-Konflikts, Hamburg, Berlin 1992).
Der Start des sowjetischen Satteliten „Sputnik“ führte den Amerikanern 1957 dann siedendheiß vor Augen, dass die Sowjetunion von nun an in der Lage sein würde, sie mit Raketen zu erreichen.

Anfang der 1960er Jahre eskalierte der Konflikt um Berlin. Der sowjetische Staatschef Chruschtschow forderte die Westmächte ultimativ auf, Berlin zu verlassen. Als am 13. August 1961 der Bau der Berliner Mauer begann, zeigten „die Amerikaner demonstrativ ihre Präsenz (…) und ließen (…) Panzer am Checkpoint Charlie auffahren“. (Illustrierte Deutsche Geschichte).

Als 1961 in Berlin die Mauer gebaut wurde, fuhren die Amerikaner mit Panzern auf.

Als 1961 in Berlin die Mauer gebaut wurde, fuhren die Amerikaner mit Panzern auf.

 

Ganz kurz vor einem Atomkrieg stand die Welt während der Kuba-Krise. Nachdem die Sowjetunion begonnen hatte, Kuba in eine Raketenbasis gegen die USA zu verwandeln, entschied sich Präsident Kennedy für eine See- und Luftblockade Kubas. Bis Chruschtschow am 28. Oktober 1962 schließlich einwilligte, seine Truppen und Waffen abzuziehen, „war ein amerikanisch-sowjetischer Atomkrieg in den Bereich des Möglichen gerückt“. (Weltgeschichte – Eine Chronik).

Ein Schreckens-Szenario. Atomwaffen in Kuba bedrohen die USA.

Ein Schreckens-Szenario. Atomwaffen in Kuba bedrohen die USA.

 

Stellvertreter-Kriege um Vietnam und Israel
Die Kuba-Krise führte den Großmächten vor Augen, dass sie die ganze Welt in den Untergang reißen konnten, wenn sie zu keiner Verständigung in der Lage sein würden. Mit der Einführung einer direkten Fernschreib-Verbindung zwischen Washington und Moskau, dem „Heißen Draht“, entspannte sich das Verhältnis zwischen Ost und West vorübergehend auf manchen Feldern. USA und Sowjetunion versuchten, das atomare Wettrüsten zumindest zu bremsen.

Gleichzeitig tobten aber Stellvertreter-Kriege zwischen den Machtblöcken. In Vietnam weitete sich der Krieg bis in die 1970er Jahre immer weiter aus. Im vierten arabisch-israelischen Krieg 1973 kamen „die USA (…) Israel mit einer Waffen-Luftbrücke zur Hilfe“, während „Syrien (…) laufend von der Sowjetunion nachgerüstet“ wurde. (Weltgeschichte- Eine Chronik).

 

Vom Einmarsch in Afghanistan bis SDI
Ab Mitte der 1970er Jahre kühlte sich das direkte Verhältnis zwischen den USA und der Sowjetunion wieder ab, zumal die Machtblöcke auch bei der atomaren Rüstungskontrolle nicht weiter kamen. Obwohl sie seit Jahren verhandelten, war die Zahl der Sprengköpfe stetig größer geworden. Der Einmarsch der Roten Armee in Afghanistan 1979 war für die Hardliner der USA schließlich „ein Geschenk des Himmels“, um endgültig wieder das alte Feindbild aufzubauen. (Der imaginäre Krieg). „Das grundlegende Argument war, dass die Entspannung ein Zeichen von Schwäche und Ausdruck mangelnder amerikanischer Entschlossenheit sei.“ (Der imaginäre Krieg).

Der neue US-Präsident Ronald Reagan schlug schärfste Töne an und stilisierte den Ostblock zum „Reich des Bösen“ hoch. Die USA entwickelten die Neutronenbombe, in Europa standen sich die Machtblöcke mit Pershing II und SS 20-Mittelstreckenraketen gegenüber, und Reagan entwickelte die Idee eines Raketen-Schutzschilds: das SDI-Programm. Den „Freiheitskämpfern“ in Nicaragua, Kambodscha, Angola und Afghanistan ließen die USA offene und verdeckte Unterstützung zukommen. US-Streitkräfte landeten auf Grenada und griffen Libyen aus der Luft an. (Der imaginäre Krieg).

Anfang der 1980er Jahre: Die Sowjetunion stationierte SS-20-Raketen im Osten (Foto) und die USA Pershing-II-Raketen im Westen.

Anfang der 1980er Jahre: Die Sowjetunion stationierte SS-20-Raketen im Osten (Foto) und die USA Pershing-II-Raketen im Westen.

 

Das Ende des Ost-West-Konflikts
Das Ende des Ost-West-Konflikts war schließlich den Bemühungen des besonnenen sowjetischen Staatschefs Michael Gorbatschow zu verdanken. „Anfang 1987 sagte Gorbatschow dem Kalten Krieg den Kampf an und machte sich die alte NATO-Forderung nach einer ,Null-Lösung‘ bei den Mittelstreckenraketen zu eigen“. (Weltgeschichte – Eine Chronik).

Nur zwei Jahre später begann der gesamte Ostblock zu bröckeln. In Ungarn mussten die Kommunisten abdanken. „Noch vor der CSSR befreite sich Polen von den kommunistischen Fesseln“. (Weltgeschichte – Eine Chronik). In Rumänien wurde der Diktator Ceaucescu gestürzt, und in Berlin fiel im November 1989 die Mauer. Mit der Auflösung des Warschauer Pakts 1991 und dem Zusammenbruch der Sowjetunion war der Kalte Krieg endgültig beendet.

Ein Symbol für das Ende des Kalten Krieges: Der Fall der Berliner Mauer.

Ein Symbol für das Ende des Kalten Krieges: Der Fall der Berliner Mauer.

 

Die 40 Jahre des Ost-West-Konflikts sind nicht nur im Mark-Brandis-Universum wiederzufinden, sondern prägten einen bedeutenden Teil der Science-Fiction-Geschichte. Um diese Ost-West-Konflikte in der Welt von Morgen geht es in unserem Beitrag, der am Mittwoch, 18. Januar, abends online geht.

Kategorie(n): Alle Artikel, OT

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