OT: Waffen und Konflikte in der Welt von morgen (Teil 1) – Szenarien aus den 1970er und 80er Jahren
(ez) – „Der General plant, gegen die Republiken mit Luftlandetruppen vorzugehen. Um überhaupt eine Chance zu haben, wird er einen künstlichen Wirbelsturm auslösen, der mit superschwerem Stickstoff angereichert ist. Wie Sie wissen, führt dieser zu Kampfunfähigkeit mit Todesfolge nach zwei Stunden.“ Mit diesen Worten beschreibt John Harris (Gerhart Hinze) im Mark-Brandis-Hörspiel „Unternehmen Delphin“ einen Plan des reaktionären Generals Smith. Mit dem Szenario eines künstlichen Wirbelsturms greift die Geschichte eine Idee auf, die schon Anfang der 1970er Jahre beschrieben wurde. In der Entwicklung neuer Ideen für zukünftige Waffentechnologien war der Mensch schon immer sehr erfinderisch. Weitere Visionen der 1970er und 80er Jahre reichen von Infanterie-Robotern bis zu Partikel-Kanonen zur Raketen-Abwehr.
Die „Weltuntergangsmaschine“
In dem Buch „Zukunft – Das Bild der Welt von morgen“ aus dem Jahr 1972 taucht sogar die Idee einer „Weltuntergangsmaschine“ auf, die schon in Stanley Kubricks Atom-Satire „Dr. Seltsam, oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben“ das Ende der Menschheit einläutet. „Im New Yorker Hudson Institute konstruierte der Futurologe und gelernte Physiker Hermann Kahn theoretisch eine Weltuntergangsmaschine. Sie müsste, wie er zeigte, 600 Meter tief in der Erde versenkt werden. Geschätzte Bauzeit: zehn Jahre. Wenn die atomare Höllenmaschine losgehe, versichert er, werde mit einem Schlag der Planet der Menschen in Stücke gerissen.“

Wissenschaftler haben in den 1970er Jahren in der Theorie tatsächlich so etwas wie eine Weltuntergangsmaschine entwickelt.
Flugzeuge mit Laserkanonen
Eine weitere Zukunfts-Waffe, die Anfang der 1970er Jahre beschrieben wird, sind Flugzeuge mit Laserkanonen. „Die neue Science-Fiction-Waffe wurde 1968 mit der Entwicklung des gasdynamischen Lasers machbar. Die Großmächte begannen sofort mit geheimen Schnellprogrammen. Durchgesickert ist, dass die USA inzwischen eine Strahlenkanone besitzen, die mit einem Strahlenschuss von nur 3,3 Sekunden Dauer in drei Kilometer Entfernung Holz zum Aufflammen bringen und Flugzeuge abschießen kann. (…) Da ihr Lichtgeschoss sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegt, gibt es kein Ausweichen.” (Zukunft – Das Bild der Welt von morgen, Ulrich Schippke, Bertelsmann 1972). Und das war vor 40 Jahren.
Bakterien, Gase und künstliche Stürme
Ein Schreckens-Szenario, das damals entstand, ist der Einsatz von bakteriologischen Waffen.„Eine einzige Bombenladung Krankheitskeime, so errechneten UNO-Experten, könnte ganz Südengland entvölkern.“ Der britische Abrüstungsminister Fred Mulley wird 1972 zudem mit den Worten zitiert: „Es ist kein so kostspieliges Hobby, wie die Atombombe.“ (Zukunft – Das Bild der Welt von morgen).
Und die Angst von Bio-Kampfstoffen ist so präsent wie eh und je. Noch in Erinnerung ist vielen Menschen die Furcht vor Anschlägen mit Milzbrand-Erregern vor rund zehn Jahren. Auch zu Beginn des letzten Irak-Krieges suchten US-Soldaten nach chemischen und bakteriologischen Waffen (ohne allerdings welche zu finden).
„Neu in der Entwicklung sind so genannte binäre Kampfstoffe. Das sind Nervengase, die aus zwei chemischen Substanzen bestehen. Jede für sich ist völlig harmlos. Erst wenn man sie vermischt, entsteht innerhalb von Sekunden ein Nervengift.“ (Zukunft – Das Bild der Welt von morgen). Etwas ähnliches taucht in dem Mark-Brandis-Hörspiel „Unternehmen Delphin“ mit dem „superschweren Stickstoff“ auf, der zusammen mit einem Katalysator zur tödlichen Waffe wird.
Weiter heißt es in „Zukunft – Das Bild der Welt von morgen“: „Durch die zunehmende Beherrschung des Wetters wird es möglich, Feinde mit künstlichen Naturkatastrophen zu treffen. Der amerikanische Geophysiker Gordon McDonald hält gelenkte Hurrikans für wahrscheinlich. Die Küste eines Gegners könnte in einer künstlichen Flutwelle ertränkt werden. Erdbeben werden sich gezielt auslösen lassen.“
Die Roboter-Infanterie
Der britische Roboterexperte Meredith Thring beschrieb in den 1970er Jahren die Idee von Infanterie-Robotern. „Denkbar, so meint der Wissenschaftler, wäre auch eine ,gehende‘ Bombe. Die ganz allein in feindliches Gebiet losgeschickte Höllenmaschine würde vor den Kreml oder das Weiße Haus wandern und sich dann automatisch zünden. Sie würde so gebaut sein, dass nur eine Atombombe ihren Vormarsch stoppen könnte.“ (Zukunft – Das Bild der Welt von morgen).
Kampfunfähig
Damals (wie heute) forschte man auch an Waffen, die den Gegner nur kampfunfähig machen sollen. „Die amerikanische Armee besitzt eine Art synthetisches Haschisch. Es kann als Gas verwendet werden und gegnerische Truppen außer Kontrolle bringen. Auch LSD ist für solche Zwecke erprobt worden.“ (Zukunft – Das Bild der Welt von morgen). In der Entwicklung befand sich in den 1970er Jahren beispielsweise der so genannte Taser, eine Waffe, die „einen Klumpen elektrifizierter Kletten abschießt. Sie haken sich in den Kleidern des Angreifers fest und lähmen ihn, bis der Strom abgeschaltet wird“. In der „Abenteuer Forschung“-Sendung „Planet der Waffen“ von 2011 ist zu erfahren, dass solche Taser heute in den USA längst eingesetzt werden. Auch SEK-Einheiten der deutschen Polizei besitzen sie.
Das „Star Wars“-Programm der 1980er Jahre
Anfang der 1980er Jahre regte vor allem ein Programm die Fantasie der Waffenforscher an: der von den USA geplante Raketen-Schutzschild mit der Bezeichnung SDI oder „Star Wars-Programm“. Dabei ging es darum, die USA vor anfliegenden Atomraketen zu schützen. Die Ideen der Forscher werden unter anderem in dem Buch „Verdeckte Operationen“ der Ufo-Verschwörungs-begeisterten Autoren Dr. Helmut Lammer und Marion Lammer beschrieben. Beispielsweise entwickelten SDI-Strategen Theorien, wie sie Raketen schon während des Starts zerstören könnten. Genannt werden „chemische Laser, Partikelstrahlen, elektromagnetische Railguns und Röntgen-Laser“. (Verdeckte Operationen, Helmut Lammer, Marion Lammer, Herbig, München 1997).
Chemische Laser verwenden ihre bei chemischen Reaktionen entwickelten Energien, um sie fokussiert auf ein Ziel zu lenken. SDI-Wissenschaftler errechneten, dass eine solche Waffe – untergebracht in einem Satelliten – eine Energie von etwa 25 Megawatt benötigt. (Verdeckte Operationen).
„Partikelstrahlenwaffen beruhen auf der Tatsache, dass subatomare Partikel durch ihre hohen Energien die elektrischen Stromkreise in den Steuersystemen der Raketen (…) vernichten.“ (Verdeckte Operationen).
Elektromagnetische Railguns feuern Projektile, beschleunigt durch ein Magnetfeld, auf ihre Ziele. Angeblich wollte man hier Projektil-Geschwindigkeiten von 72 000 km/h erreichen. Das sind 20 Kilometer in der Sekunde.

Auch die Funktion so genannter "Railguns" - sie feuern Geschosse durch ein starkes elektromagnetisches Feld ab - erforschten die SDI-Wissenschaftler.
Ein Röntgen-Laser wird als schwebende Atombombe beschrieben. „Ein Satellit registriert das anfliegende Objekt und löst danach eine thermonukleare Reaktion aus, bei der die freiwerdenden Röntgenstrahlen auf das anfliegende Objekt fokussiert werden und es zerstören.“ (Verdeckte Operationen).
Helmut und Marion Lammer schildern zudem die Idee eines Dr. Lowell Wood von den Livermore National Laboratorien: „Brillant Bebbels“. Darunter versteht Wood „etwa 1000 bis 4000 in rund 400 Kilometern Höhe (…) kreisende autonome Satelliten, die angreifende Raketen blitzschnell orten, dann in die Angriffsbahn der Atomsprengköpfe manövrieren und die angepeilten Ziele durch bloße Kollision vernichten“. (Verdeckte Operationen).
Die Zukunfts-Szenarien von heute beschäftigen sich mit starken und fast unverwundbaren Soldaten und Drohnen-Flotten, die ganze Regionen kontrollieren können. Um diese Szenarien geht es in unserem Beitrag, der am Mittwoch, 1. Februar, abends online geht.


