Making of „Sirius-Patrouille“ – Charakter Martin Seebeck

(ez) – In dem neuen Mark-Brandis-Hörspiel „Sirius-Patrouille“, das am Freitag, 2. März, veröffentlicht wird, erleben die Hörer einen ungewöhnlichen Perspektiv-Wechsel. Statt die Ereignisse aus der Sicht von Mark Brandis erzählt zu bekommen, wird die Geschichte aus der Sicht des jungen Journalisten Martin Seebeck geschildert, der die Patrouille des schweren Kreuzers „SK Invictus“ als Berichterstatter begleitet. Der Grund: Brandis fällt während der Mission aus und ringt schwer verletzt  auf der Krankenstation um sein Leben, während die „Invictus“ der Spur geheimnisvoller Angreifer folgt. Gesprochen wird Martin Seebeck von dem 25-jährigen Schauspieler und „GZSZ“-Star Felix Isenbügel.

 

Neue Perspektive
Mit dem Perspektiv-Wechsel folgt Manuskript-Autor von Weymarn konsequent der Romanvorlage von 1979.
Auch in dem Roman von 1979 werden die Ereignisse aus der Sicht von Martin Seebeck geschildert.„Nikolai von Michalewsky hat das in seinen Büchern ja öfter gemacht und beispielsweise auch mal Ruth O‘Hara oder Robert Monnier erzählen lassen.“ In anderen Fällen, wie in „Raumsonde Epsilon“ von 1974, fügt Erzähler Mark Brandis „Protokolle aus geheimen Archiven“ hinzu, um dem Leser auch Ereignisse in der geheimen Unterwasserstation „Marina V“ und in einem Mount Everest-Stützpunkt der Republiken vermitteln zu können. „Bei ,Sirius-Patrouille‘ verzichtete v. Michalewsky vermutlich auf die Ich-Perspektive von Mark Brandis, weil er nicht so viele Szenen in der Krankenstation spielen lassen wollte, in der die anderen Besatzungsmitglieder dann Mark Brandis hätten erzählen müssen, was passiert“, so von Weymarn.

 

Die Hörspielserie hat im ersten Teil von „Vorstoß zum Uranus“ (Folge 7) schon einmal auf Mark Brandis‘ Erzählperspektive verzichtet. Auf diese Weise erleben die Hörer die Geschehnisse  an Bord von  Ernest D. Scotts „Delta IX“ und werden Zeugen eines geheimen Gesprächs in Peking. Einen so konsequenten Perspektiv-Wechsel wie in „Sirius-Patrouille“ gab es in den Hörspielen aber noch nie.

 

Martin Seebeck – kein zupackender Held
Obwohl die Geschichte von ihm erzählt wird, ist der Journalist Martin Seebeck kein klassischer Held, der die Ereignisse aktiv vorantreibt. Von Weymarn: „Wir führen mit ihm eine Hauptfigur ein, die noch nicht viel weiß von der Welt. Er stellt viele Fragen und ist eher wie ein Tourist auf dem Schiff. Er wirkt eine ganze Zeit lang recht unbeholfen.“ Das werde noch dadurch unterstrichen, dass Martin Seebeck das Privileg, von Bord eines neuen Raumschiffes zu berichten, eigentlich nur bekommt, weil er schon sehr früh in seinem Leben den Pulitzerpreis bekommen hatte und als Berühmtheit gilt. „Er wirkt von der Situation überfordert.“ Seebeck habe ein sehr tastendes und vorsichtiges Wesen und wirke fast ängstlich. „Es dauert eigentlich die ganze erste CD, bis er wirklich an Bord angekommen ist.“ Erst in der zweiten Hälfte der Geschichte habe Seebeck dann etwas Sicherheit gewonnen und könne auch in Notsituationen adäquat handeln.
SPOILERWARNUNG ▼

 

Dank des Perspektiv-Wechsels lernen die Hörer von einigen vertrauten Charakteren wie Pablo Torrente, Grischa Romen oder Dr. Rebecca Levy neue Facetten kennen, und auch die Außenperspektive auf Mark Brandis ermöglicht es, einen eigentlich schon bekannten Charakter einmal anders zu zeigen. Balthasar von Weymarn: „Auch Karl May hat das ja ein paar mal gemacht: seine Alter-Egos Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi, die sonst die Ich-Erzähler sind, hat er ab und zu von außen aus der Dritten Person beschrieben. Das hat sie teilweise noch etwas stärker überhöht.“

Nun sind Torrente, Romen und Levy zum ersten Mal auch in Situationen zu hören, in denen ihr Vorgesetzter Mark Brandis nicht zugegen ist, „und wir erleben auf einmal, dass sie untereinander viel lockerer miteinander umgehen als in Anwesenheit ihres Commanders“, so von Weymarn, „und wenn Mark Brandis nicht bei ihnen ist, reden sie auch mal über ihn“.

Der Sprecher Felix Isenbügel
Martin Seebecks Sprecher Felix Isenbügel wird durch die gleiche Sprecheragentur vertreten, bei der auch David Nathan registriert ist, der Grischa-Romen-Sprecher und bekannte Synchronstimme von Johnny Depp, Christian Bale und Paul Walker. „Ich traf mich dann mit Felix auf einen Kaffee, weil ich wissen sollte, wie er als Sprecher reagiert und wie seine Stimme funktioniert“, erzählt von Weymarn.

„Bei den Aufnahmen hatte ich Felix dann sehr lange im Studio, weil Martin Seebeck sehr viel Text hat. Wir haben bestimmt sechs Stunden gearbeitet.“ Dabei habe er ihn weiter an die Rolle herangeführt. Da Felix Isenbügel als Schauspieler sehr viel auf Theaterbühnen spielt und dort mit lauter Stimme und großen Gesten arbeiten muss, „musste ich ihn am Mikrofon im Ausdruck ab und zu etwas zurückhalten“, erinnert sich von Weymarn an die Aufnahmen mit dem 25-Jährigen.

Die inneren Monologe, die inzwischen ein festes Stilmittel der Mark-Brandis-Reihe geworden sind, habe er für Isenbügel etwas anders geschrieben als für Brandis-Sprecher Michael Lott. „Sie sind nicht so episch und philosophisch, denn Martin Seebeck hat nicht die Lebenserfahrung eines Mark Brandis.“

„Vermutlich werden manche sagen, Seebecks Auftreten passe nicht in die Geschichte, weil er zu jung und zu wenig ausdrucksstark sei“, so von Weymarn. „Aber genau diese Wirkung ist beabsichtigt. Er ist quasi ein zu junger Mann, der plötzlich bei einer Sturmfahrt mit auf dem Meer unterwegs ist. Und da ist er natürlich nicht so sattelfest wie die alten Hasen an Bord.“ Sounddesigner Jochim-C. Redeker ist begeistert von Felix Isenbügels Wirkung als Martin Seebeck: „Als ich seinen ersten inneren Monolog zum ersten Mal mit Musik unterlegt habe, hatten wir sofort eine ganz tolle Stimmung.“

 

Felix Isenbügel wurde laut Internetlexikon „Wikipedia“ am 5. Mai 1986 in Berlin-Zehlendorf geboren und wuchs in Fischerhude bei Bremen auf. Als Schauspieler nahm ihn zunächst Erik Rossbander von der „Bremer Shakespeare Company“ unter seine Fittiche, später studierte Isenbügel Schauspiel an der Charlottenburger Theaterwerkstatt in Berlin. Bekannt wurde er einem breiten Publikum in der Rolle des Carsten Reimann in der RTL-Soap „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“. Ab Herbst 2008 war dies zunächst eine Nebenrolle, ab August 2009 gehörte er dann zum Hauptcast. Als Carsten Reimann verliebt er sich in Lenny Köster und stieg im September 2010 wieder aus der Serie aus.

Auf der Bühne stand Felix Isenbügel unter anderem im „Theater des Ostens“ in der Rolle des Fenton in Shakespeares „Die lustigen Weiber von Windsor“ und als Ismael in der Theaterfassung von „Moby Dick“. In dem von ihm produzierten Hörspiel „Faust-Rausch“ ist er in der Rolle des Mephisto zu hören.

 

Am 20. Februar 2012 jährt sich der Weltraumflug des Mercury-Astronauten John Glenn zum 50. Mal. Dies nehmen wir zum Anlass, in unserer Reihe „Mark Brandis‘ reale Vorfahren“ über Glenns Erdumkreisung am 20. Februar 1962 zu berichten. Der Beitrag geht am Montag, 20. Februar, nachmittags online.

Kategorie(n): Alles, Making Of

7 Antworten auf Making of „Sirius-Patrouille“ – Charakter Martin Seebeck

  1. Hallo,

    habe schon die ersten Auszüge auf dieser Website aus der Sirius-Patrouille gehört und dabei auch Martin Seebeck. Ich muss sagen ich war etwas erschrocken. MS repräsentiert in den Büchern den Typ Investigativ-Journalist, der guten alten Schule. Er ist dabei zwar mit der Situation im Weltraum und mit der Enge der Verhältnisse an Bord überfordert, stellt aber ganz klar eine moralische Instanz dar. Zwar lässt er sich im Buch vom Jagdfieber auf den Rochen zuerst anstecken, ist dann aber aufgrund seines Gewissens und seiner Erfahrungen derjenige, der es auf sich nimmt sich gegen den kommandierenden Major zu stellen. Letztendlich gibt er den anstoß dazu, dass die überlebenden Crew-Mitglieder gerettet werden.

    Auf mich hat Seebeck immer den Eindruck eines Menschen im gleichen Alter wie Mark Brandis gemacht. Im Hörspiel aber scheint es ein Jungspund zu sein, der noch nicht viel Lebenserfahrung besitzt. Vom Gefühl her für mich eine glatte Fehlbesetzung. Allerdings habe ich bisher nur die offen zugänglichen Ausschnitte gehört. Vielleicht ändert sich meine Meinung ja nach dem Höhren der Kompletten Geschichte. Diese schein ja, wenn man die Besetzungsliste und die Track-List anschaut, wesentlich vom Original-Buch abzuweichen.

    Mal Schauen, ob die U-Boot gleiche Enge, der Abriss der Kommunikation mit dem Oberkommando und die Frage wie weit muss und darf ich Befehlen folgen ebeso grandios herausgearbeitet werden wie im Buch.

    Gruß

  2. Was passiert mit dem Charakter Walter Hildebrand?
    Ich weiß, dass Martin Seebeck in den MB Romanen öfters vorkommt und ich glaube, beide werden dort auch Freunde, würde aber Walter Hildebrand vermissen.

    INTERPLANAR sagt:

    Keine Sorge, der gute Walter wird nochmal auftauchen … die Arbeit mit Oliver macht viel zu viel Spaß!

    INTERPLANAR sagt:

    Auf mich hat Seebeck immer den Eindruck eines Menschen im gleichen Alter wie Mark Brandis gemacht. Im Hörspiel aber scheint es ein Jungspund zu sein, der noch nicht viel Lebenserfahrung besitzt. Vom Gefühl her für mich eine glatte Fehlbesetzung.

    Nicht vergessen: wir machen ein Hörspiel. Im Buch sind ALLE Charaktere an Bord Männer mittleren Alters: Brandis, Stroganow, Degenhardt, Tuomi, Wilberforce, Demnitz, Koslowski, Jackson. Ruckzuck würde man in Krisensituationen als Hörer den Überblick verlieren, wenn wir genau so besetzten. Wir mussten eine größere Varianz anstreben, sowohl bei den Geschlechtern, als auch im Lebensalter. Und bei Seebeck ist der Konflikt am Größten, wenn er auch noch für zu jung gehalten wird.

    Ja, wir weichen in einigen wichtigen Punkten vom Buch ab. Hoffentlich gefällt es Ihnen trotzdem.

  3. Hallo,

    so habe ich das noch garnicht gesehen, was die Varianz angeht.

    Was die Verteilung der Geschlechter angeht, so hatte ich dies immer dem Zeitgeist zugeschrieben. In den 70ern hatte man halt noch ein anderes Frauenbild. Als ich als jugendlicher die Bücher in den 70ern und 80ern verschlungen habe, ist mir das fehlen weiblicher Besatzungsmitglieder auch nie aufgefallen (soviel zur Zielgruppe).

    Das Ihr die Bücher in die aktuelle Zeit holt, halte ich für absolut positiv! Bisher ist das auch im großen und ganzen gelungen. Bin halt wegen Seebeck etwas skeptisch, auch in hinblick auf Vargo Faktor und Astronautensonne.

    Ich hatte ohnehin erwartet, dass Ihr Seebeck durch Hildebrandt ersetzt. Oliver hat halt eine unvergleichliche Stimme (ich sehe da immer Justtus von den ??? vor meinem geistigen Auge).

    Gruß

    INTERPLANAR sagt:

    Als ich als jugendlicher die Bücher in den 70ern und 80ern verschlungen habe, ist mir das fehlen weiblicher Besatzungsmitglieder auch nie aufgefallen (soviel zur Zielgruppe).

    Stimmt. Damals ging mir das auch so, das ganze Männerbündische wirkte ganz selbstverständlich. Tempi passati …

  4. Habs gehört und muss zugeben, so wie Ihr die Story aufgezogen habt, passt die Positionierung von Martin Seebeck.

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