OT: Mark Brandis‘ reale Vorfahren – John Glenn und sein Flug um die Erde

(ez) – Sein Weltraumflug machte ihn zum nationalen Helden, zum gern gesehenen TV-Gast und zum häufigen Besucher von US-Präsident John F. Kennedy. John Herschel Glenn, damals 40 Jahre alt, umkreiste genau heute vor 50 Jahren, am 20. Februar 1962, als erster Amerikaner die Erde. Die Suborbitalflüge seiner Vorgänger Alan Shepard (5. Mai 1961) und Gus Grissom (21. Juli 1961) stellte er damit weit in den Schatten. Für die Bodenstation war sein Flug aber eine Zitterpartie, weil die  Mercury-Kapsel „Friendship 7“ beschädigt schien. Glenns Triumph war nach seiner erfolgreichen Rückkehr umso größer.

 

Konflikte imTeam der Mercury-Astronauten
In der siebenköpfigen Gruppe der Mercury-Astronauten hatte John Glenn zunächst keinen leichten Stand. So brachte ihn damals eine harsche Moralpredigt um den Ruhm, als erster Amerikaner in Richtung All zu starten. „1961 hatte Glenn seine sechs lebenslustigen Astronautenkollegen wütend angebrüllt, sie sollten endlich aufhören, hinter jeder Frau herzurennen, weil sie damit den Ruf des gesamten Raumfahrtprogramms gefährdeten. Kurz darauf votierten seine Kollegen bei einer Abstimmung fast einstimmig dagegen, dass Glenn als erster fliegen sollte.“ (Schwäbische Zeitung, 18. Juli 2001).

John Glenn (hier auf einem Wikipedia-Foto) war der erste Amerikaner, der die Erde umkreiste. (Foto: wikipedia.org)

John Glenn (hier auf einem Wikipedia-Foto) war der erste Amerikaner, der die Erde umkreiste. (Foto: Wikipedia.org)

 

Nach den jeweils 15-minütigen Flügen von Alan Shepard und Gus Grissom bekam dann auch das amerikanische Raumfahrtprogramm noch einen Dämpfer. Während man es in den USA nämlich immer noch nicht geschafft hatte, die erste Erdumkreisung von Juri Gagarin vom 12. April 1961 aufzuholen, startete der sowjetische Kosmonaut German Titow am 6. August 1961 schon „zu einem erstaunlichen 25 Stunden und 18 Minuten langen Flug“ ins All, „bei der er die Erde 17 Mal umrundete“. (Life – Im Weltraum, Time-Life, 1984).

 

Start ins Reich der Sterne
Am Vormittag des 20. Februar 1962 wartete John Glenn dann, eingepfercht in die winzige Mercury-Kapsel „Friendship 7“, auf einer zehn Stockwerke hohen Atlas-Rakete auf den Start. Eine Nervenprobe für ihn. Wie in dem Buch „Der Flug zum Mond“ von 1969 nachzulesen ist, hatte er immer wieder aussteigen müssen, weil beim Countdown Schwierigkeiten aufgetreten waren. Die Atlas-Rakete, die ihn in den Orbit tragen sollte, war die erste Interkontinental-Rakete der Amerikaner und diente eigentlich dem Zweck, Nuklear-Sprengköpfe über eine Distanz von mehr als 10 000 Kilometern ins Ziel zu tragen. (Vorstoß ins All, Werner Buedeler, Stuttgart, 1982).

Um 9.47 Uhr hob Glenn ab. Fünf Minuten später „notierte das diensthabende Team in der Kontrollzentrale voller Stolz: ,Das ist der Durchbruch.‘ Der erste amerikanische Astronaut befand sich in einer Erdumlaufbahn (…) Nach einer Viertelstunde Flugzeit sah Glenn die Kanarischen Inseln, die afrikanische Küste und das Atlas-Gebirge auftauchen. Ein prachtvoller Sonnenuntergang empfing ihn über dem Indischen Ozean, und er flog durch eine (..) von tief unter ihm wütenden Gewittern erhellte Nacht weiter. Nur eine Dreiviertelstunde später erlebte er über dem Pazifik den Tagesanbruch.“ (Life – Im Weltraum).

 

Probleme
Beim zweiten Erdumlauf kündigten sich aber Probleme an. „Ein Sensor an der Raumkapsel meldete der Bodenkontrolle, dass sich der Hitzeschild der ,Friendship‘ gelockert hatte.“ (Vorstoß ins All, Time-Life, 1990). Den Hitzeschild brauchte die Kapsel aber für den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Sollte sich „der Hitzeschild zu früh lösen, würde das Raumschiff (…) verglühen“.

Die Bodenstation entschloss sich, Glenn darüber nicht zu informieren. „Vom Boden erhielt er – ohne Angabe der genauen Gründe – Anweisungen, den Auslöseschalter des aufblasbaren Luftrings an der Kapsel zu prüfen.“ (Life – Im Weltraum). Das Landekissen befand sich unter dem Hitzeschild. „Schließlich kam die Order, den Bremsraketensatz nicht abzuwerfen.“ Die Kontrollzentrale hoffte,  „dass die Metallbänder des Bremsraketensatzes den Schild lange genug an Ort und Stelle halten würden, um ein Verglühen der Raumkapsel beim Wiedereintritt zu verhindern“. (Life – Im Weltraum).

Der Hitzeschild hielt. Trotzdem verlangte der Rücksturz durch die Atmosphäre John Glenn sein ganzes fliegerisches Können ab. Kurz vor dem Flug in die Atmosphäre fiel nämlich das automatische Steuersystem für den Wiedereintritt aus. Damit hatte Glenn plötzlich „alle Hände voll zu tun, um die Kapsel in einem perfekten Winkel nach unten zu steuern, so dass die ungeschützten Flanken des Raumfahrzeugs nicht in der Reibungshitze schmolzen. Als ,Friendship 7‘ in die Atmosphäre eindrang, begann das Bremsraketenteil zu brennen. Flammende Trümmer flogen an Glenns Sichtluke vorbei. ,Diese wenigen Augenblicke‘, schrieb er später, ,krochen im Inneren der Kapsel dahin wie Tage auf einem Kalender‘“. (Vorstoß ins All, 1990).

 

John Glenns Kapsel wasserte nach vier Stunden und 55 Minuten 64 Kilometer von den Bergungsschiffen entfernt im Atlantik. (Vorstoß ins All, 1990). Ein Hubschrauber brachte ihn später auf den Flugzeugträger „Randoph“, wo NASA-Mitarbeiter und Ärzte schon darauf warteten, ihn zu untersuchen und sich mit ihm zur Flugbesprechung zu treffen. (Life – Im Weltraum).

Wie sich am Boden herausstellte, „hatte der Hitzeschild der Kapsel während des Wiedereintritts einwandfrei funktioniert, defekt war lediglich ein Sensor gewesen, der das Notsignal gefunkt hatte.“

In Cape Canaveral empfing Präsident John F. Kennedy John Glenn persönlich (Vorstoß ins All, 1990). Zusammen mit Glenn fuhr Kennedy Tage später „im offenen Wagen durch die Straßen von New York“, während die Menschen ihren Astronauten mit einer Konfettiparade feierten. (Der Flug zum Mond).

 

Triumph und späte Rückkehr ins All
Ganz besonders herzlich begrüßte sich das Ehepaar John und Annie Glenn, als es nach dem Raumflug wieder vereint war. „John und Annie Glenn begrüßten sich mit einem Kuss. (…) Danach überreichte der Astronaut seiner Frau eine rubinbesetzte goldene Anstecknadel, die er bei seiner Erdumkreisung mit in den Weltraum genommen hatte.“ (Life – Im Weltraum).

John Glenns Beliebtheit war schon nach kurzer Zeit so groß, dass Kennedy anordnete, „dass Glenn nicht mehr ins All fliegen sollte, um das Leben des Volkshelden nicht zu gefährden“. So verließ Glenn schon 1965 die NASA „und ging in die Privatwirtschaft“. Zwischen 1974 und 1998 vertrat er später als Senator seinen Heimatstaat Ohio. Sein Versuch, Präsidentschaftskandidat der Demokraten zu werden, scheiterte 1984.

„Dafür erfüllte sich 1998 ein anderer Traum: 36 Jahre nach seinem ersten Flug durfte er im stolzen Alter von 77 Jahren als bisher ältester Mensch ins All zurückkehren. Neun Tage lang umrundete er an Bord“ des Space Shuttles „,Discovery‘ die Erde und ließ sich von Wissenschaftlern untersuchen, die die Folgen der Schwerelosigkeit bei älteren Menschen untersuchen wollten.“ (Schwäbische Zeitung, 18. Juli 2001).

 

Beiträge über die Flüge von Alan Shepard und Juri Gagarin sind in unserem Blog am 5. Mai 2011 und am 12. April 2011 zu finden.

 

Am Dienstag, 28. Februar, beschäftigt sich ein Artikel mit den Manuskript-Arbeiten für das neueste Mark-Brandis-Hörspiel „Sirius-Patrouille“. Der Beitrag geht abends online.

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