„Aufbruch zu den Sternen“ (Teil 1) – Michael Vogt und der Mark-Brandis-Comic

(ez) – Mit weit aufgerissenen Augen starrt ein Teenager mit zerzausten schwarzen Haaren in das Gesicht der Raumschiff-Navigatorin Galina Suchowa. „Hab‘ ich dich!“ faucht sie mit bösem Blick und packt den Jungen am Kragen. Der 14-Jährige ist ein junger Mann, der unbedingt zur Venus will, um dort auf dem Expeditionskreuzer „Safari“ anzuheuern. Und weil er die Passage nicht bezahlen kann, hat er sich an Bord des Weltraumfrachters „Barbarossa“ geschmuggelt. Der Name des Jungen ist Mark Brandis. Der Berliner Illustrator, Szenarist, Autor und leidenschaftliche Comic-Zeichner Michael Vogt hat Nikolai von Michalewskys Kurzgeschichte „Aufbruch zu den Sternen“ als 14-seitigen Comic zu Papier gebracht. In zwei Teilen erscheint die Geschichte in der Juni- und in der Juli-Ausgabe des Comic-Magazins „ZACK“.

 

Mark Brandis‘ Wiederentdeckung

Michael Vogt nahm sich schon als Teenager vor, einen Mark-Branis-Comic zu zeichnen.

Michael Vogt nahm sich schon als Teenager vor, einen Mark-Branis-Comic zu zeichnen.

„Als ich mit 14 oder 15 Jahren die Mark-Brandis-Romane für mich entdeckt habe, wusste ich, dass ich daraus mal einen Comic zeichnen wollte“, erzählt der heute 45-jährige Michael Vogt. „Damals war ich allerdings noch nicht so weit, das wirklich tun zu können, und später verlor ich Mark Brandis dann etwas aus den Augen.“
Als von Weymarn und Redeker dann 2007 ihre Mark-Brandis-Hörspielreihe starteten, kehrte der Testpilot der „Venus-Erde-Gesellschaft für Astronautik“ (VEGA) auch wieder in Vogts Leben zurück.
Mit dem Manuskript-Autor nahm er über das Internet-Forum „Andromeda Bar“ Kontakt auf. „Dort postete ich auch mal ein paar Zeichnungen. Zum Beispiel hatte ich auch schon zwei Comics aus ,Perry Rhodan‘-Kurzgeschichten gemacht.“ Daraufhin habe sich von Weymarn bei ihm mit der Frage gemeldet, ob er denn nicht auch mal was für Mark Brandis zeichnen wolle. „Dem Ganzen kam noch entgegen, dass Balthasar und ich quasi um die Ecke wohnen, und so haben wir uns mal in einem Café zusammengesetzt.“

Den Vorschlag, es mit der Kurzgeschichte aus dem Sonderband „Aufbruch zu den Sternen“ – erschienen 1983 – zu versuchen, habe von Weymarn gemacht. Michael Vogt: „Daraufhin habe ich mich erst mal hingesetzt, Skizzen gemacht und verschiedene Charaktere gezeichnet.“

Damit habe er sich mit der Witwe des Mark-Brandis-Erfinders, Reinhild von Michalewsky, zusammengesetzt. „Ich habe ihr die Zeichnungen und auch die Bilder der Charaktere gezeigt, weil ich wissen wollte, ob sie mit dem Stil einverstanden ist.“ Zudem musste Vogt auch noch die grundsätzliche Frage klären, ob er überhaupt einen Mark-Brandis-Comic würde zeichnen dürfen, denn Nikolai von Michalewsky selbst war laut Vogt kein Comic-Freund. Reinhild von Michalewsky segnete das Projekt ab, und so konnte sich Michael Vogt ans Werk machen.

 

Vom Manuskript bis zur Farbe
Der erste Schritt war, aus der Kurzgeschichte ein Comic-taugliches Manuskript zu verfassen. „Hier gibt es eine Grobeinteilung, was in den Comic rein muss und was ich weglassen kann“, erklärt Vogt. Dabei entschied er sich beispielsweise, die komplette Rahmenhandlung von Mark Brandis‘ Jugendabenteuer zu streichen. Diese beschreibt laut Vogt, wie sich der Journalist Martin Seebeck mit dem erwachsenen Mark Brandis in einer Bar trifft, und dieser erzählt ihm das „Barbarossa“-Abenteuer. „Zum Schluss kommt dann auch noch Stroganow dazu, und zusammen trinken sie einen.“ Michael Vogts Comic steigt direkt in das Abenteuer ein. „In das Manuskript schreibe ich auch, was alles auf eine Seite drauf muss.“

Als das fest stand, fertigte Vogt mit Bleistift erste Skizzen von den Seiten an, um diese grob einzuteilen. Er verfeinerte das Layout immer weiter und scannte die Blätter dann in den Computer ein. Vogt: „Ich habe einen Tablett-Computer, auf dessen Bildschirm ich direkt arbeiten kann. –Das Ganze digital zu machen, hat den Vorteil, dass ich mehr experimentieren kann und keine Angst haben muss, das Papier abzunutzen. Jeder Schritt lässt sich ja wieder rückgängig machen.“

Eine Testseite des Comics - schon sehr detailliert gezeichnet, aber noch komplett ohne Farbe und Text.

Eine Testseite des Comics - schon sehr detailliert gezeichnet, aber noch komplett ohne Farbe und Text.

Schritt für Schritt wurden die Zeichnungen dann immer feiner und genauer. Schließlich bekamen die Umrisse einen Tusche-Anstrich, und dann ging Vogt an die Kolorierung der Geschichte.

 

Frachtschiff-Design
Beim Design des Raumfrachters „Barbarossa“ orientierte sich Vogt – ganz im Stil Nikolai von Michalewskys – weniger an utopischen „Star Trek“-Innenräumen, als am Inneren ganz realer Frachtschiffe. Vogt: „Michalewsky hat die Zeit, in der die Geschichte spielt, die ,Windjammerzeit der Raumfahrt‘ bezeichnet, da hätte ein zu modernes Design gar nicht gepasst.“ Zur Inspiration sah sich Vogt die Brücken und das Innere mehrerer Schiffe an. „Dort sah ich, dass sogar die Brücken richtig vollgekramt sind. Da liegen Sachen rum oder hängen an den Wänden.“

Genauso sieht nun die Brücke der „Barbarossa“ aus. „Natürlich orientiere ich mich an moderneren Schiffsbrücken – es gibt zum Beispiel für die Navigation ein 3D-Panel – aber das Science-Fiction-Element ist vor allem das, was auf den Bildschirmen passiert.“

Der Frachter "Barbarossa" sieht in Michael Vogts Comic von außen aus wie ein riesiger Wal.

Der Frachter "Barbarossa" sieht in Michael Vogts Comic von außen aus wie ein riesiger Wal.

Auch die anderen Räume der „Barbarossa“ sind sehr nautisch gehalten. Es gibt einen spartanische Krankenstation mit hängenden Medizin-Schränken, und die Schotten haben Schließmechanismen mit Drehrädern und sind eindeutig aus Eisen.
Die Form der „Barbarossa“ selbst orientiert sich an der Form eines Wals. „Hier muss vor allem viel Platz für Fracht sein, auf das Aussehen des Schiffes kam es den Erbauern gar nicht an“, so Vogt.

Später in der Geschichte hat auch das Hochsicherheits-Gefängnis „Thora“ – hier muss die „Barbarossa“ nach einen Sonnensturm und Asteroidentreffern landen – nur die nötigsten SF-Elemente. Vogt: „Die Station ist sehr primitiv: Nur ein paar Betonklötze und eine Landebahn.“

 

Die Charaktere
Bei den Charakteren nahm Michael Vogt – ähnlich wie die Hörspiele – Modernisierungen vor und machte beispielsweise aus dem Navigator Suchow eine Frau namens Galina Suchowa. Wichtig war ihm zudem, sowohl das Szenario als auch die handelnden Personen realistisch darzustellen.

So sieht der 14-jährige Mark Brandis in Michael Vogts Comic-Adaption von "Aufbruch zu den Sternen" aus.

So sieht der 14-jährige Mark Brandis in Michael Vogts Comic-Adaption von "Aufbruch zu den Sternen" aus.

Besonders lang habe er am Aussehen des jungen Mark Brandis gefeilt. Vogt: Er durfte weder zu kindlich, noch zu erwachsen wirken. Zudem brauchte er etwas Wildes, denn Mark Brandis ist jemand mit seinen eigenen Wertvorstellungen.“ Diesen Charakterzug macht Vogt durch die etwas lockige und leicht zerzauste Frisur des Jungen deutlich. „Auch einen erwachsenen Mark Branids stelle ich mir kaum als jemanden mit einer glatten Frisur vor.“

Ein weiterer Charakter, der für Vogt eine Herausforderung war, ist der Bösewicht Thorben Wallis, der als Vorgänger von General Smith für die „Reinigende Flamme“ das „Thora“-Gefängnis in seine Gewalt bringt. „Wallis wurde schließlich sehr schlank und elegant. Immerhin führt er eine Gefängnis-Revolte an.“

Der Bösewicht Thorben Wallis - in Michael Vogts Zeichnung rechts zu sehen - bringt ein Hochsicherheits-Gefängnis in seine Gewalt.

Der Bösewicht Thorben Wallis - in Michael Vogts Zeichnung rechts zu sehen - bringt ein Hochsicherheits-Gefängnis in seine Gewalt.

 

Einen ersten Eindruck von Mark Brandis bekommen die Leser des „ZACK“-Magazins in der nächsten Ausgabe bereits auf den ersten Blick. „Aufbruch zu den Sternen“ ist nämlich die Titelgeschichte, und so ziert auch das Mark-Brandis-Cover das Titelblatt.

In einem weiteren Beitrag stellen wir den Zeichner und Autoren Michael Vogt genauer vor und verraten seine weiteren Pläne mit Mark Brandis. Der Beitrag geht am Mittwoch, 23. Mai, abends online.

Kategorie(n): Alles, Comic, Interviews, Making Of

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