„Aufbruch zu den Sternen“ (Teil 2) – Der Comic-Zeichner Michael Vogt und seine Mark-Brandis-Pläne

(ez) – „Ich zeichne Comics, seit ich einen Stift halten kann”, verrät der heute 45-jährige Michael Vogt. Heute verdient er sein Geld als Illustrator, Szenarist und Autor und lebt und arbeitet mit seiner Frau in Berlin. In der Juni- und der Juli-Ausgabe des Comic-Magazins „ZACK” erscheint in zwei Teilen sein Mark-Brandis-Comic „Aufbruch zu den Sternen” nach einer Kurzgeschichte von Nikolai von Michalewsky. Vogts Mark-Brandis-Pläne reichen aber viel weiter, wie er im Telefon-Interview verraten hat.

 

Der Bürgerkriegs-Zyklus
„Die Kurzgeschichte ,Aufbruch zu den Sternen‘ ist eine tolle Sache, weil sie als Origin-Story von Mark Brandis viele Elemente enthält, die man aus dem Brandis-Universum kennt“, erklärt Michael Vogt. „Man erlebt einen Sonnensturm, die Mannschaft wird von einem Asteroidenfeld bedroht, und auch die Organisation der ,Reinigenden Flamme‘ ist schon da, 20 Jahre vor General Smiths erfolgreicher Machtergreifung.“

Genau diese Geschichte rund um den Putschisten General Smith und die „Reinigende Flamme“ hat es Michael Vogt besonders angetan, und bereits in seiner Jugend hatte er den Traum, aus dem vierbändigen Bürgerkriegs-Zyklus einmal eine Comic-Adaption zu machen. Gemeint sind die ersten vier unmittelbar zusammenhängenden Mark-Brandis-Romane „Bordbuch Delta VII“, „Verrat auf der Venus“, „Unternehmen Delphin“ und „Aufstand der Roboter“, mit denen auch die Hörspielreihe begonnen hat.

 „Inzwischen hat das Projekt das ,Ich-denke-das-wird-was“-Stadium erreicht“, freut sich der professionelle Grafiker und Comic-Fan. Vor Weihnachten habe er mit Reinhild von Michalewsky, der Witwe des Mark-Brandis-Erfinders, über das Projekt gesprochen, und nach mehreren Wochen Bedenkzeit habe Michalewsky grünes Licht gegeben.

Seit seinen Teenagertagen ist Michael Vogt besonders angetan vom vierteiligen Bürgerkriegs-Zyklus, zu dem auch "Unternehmen Delphin" gehört. Hier ein Foto des Buches von der Seite buchfreund.de.

Seit seinen Teenagertagen ist Michael Vogt besonders angetan vom vierteiligen Bürgerkriegs-Zyklus, zu dem auch "Unternehmen Delphin" gehört. Hier ein Foto des Buches von der Seite buchfreund.de.

 

Erste Skizzen
Im Vergleich zur jetzt erscheinenden Kurzgeschichte sind die Dimensionen des neuen Mark-Brandis-Projektes gewaltig. Vogt: „Ich schätze, das sind vier Jahre Arbeit.“ Inzwischen habe er eine ungefähre Vorstellung von der benötigten Seitenzahl. „Das werden zwischen 56 und 64 Seiten pro Band. Das bietet mir auch den Platz für den einen oder anderen Augenschmaus.“

Damit meint Vogt große Panoramen, die schon mal über eine ganze Seite gehen können. Auch in dem 14-seitigen Comic „Aufbruch zu den Sternen“ gibt es ein ganzseitiges Bild und zudem noch ein paar andere Motive, die den üblichen Panel-Rahmen sprengen.

Erste Skizzen, beispielsweise vom superschnellen Raumschiff-Prototyp „Delta VII“ und von den „Taurus“-Zerstörern gibt es schon und auch Ideen, wie manche der Charaktere aussehen könnten. „Wenn ich Alben male, nehme ich mir manchmal reale Schauspieler für Figuren zum Vorbild und übernehme von ihnen einzelne Charakteristika. Für Antoine Ibaka habe ich schon eine Idee.“

 

Wie sieht Mark Brandis aus?
Sehr schwer werde es, den Haupthelden Mark Brandis zu malen. Vogt: „In den Büchern werden viele Charaktere ja optisch beschrieben, beispielsweise Stroganow als ,breitschultriger Sibiriak‘, aber da das meiste aus Mark Brandis Perspektive erzählt wird, wird er selbst nur innerlich beschrieben. Man weiß nicht, wie er aussieht.“

Einen gewissen Einfluss auf die Vorstellung von Mark Brandis Erscheinung hat bei manchen Lesern immerhin das Gesicht auf der runden Vignette, die der Herder-Verlag in den 1970er Jahren für die Romane hat entwerfen lassen. Das Bild zeigt einen Mann mittleren Alters mit gescheitelter schwarzer 1970er-Jahre-Frisur, Kotletten und Schnauzbart. Für heutige Sehgewohnheiten wäre ein solches Brandis-Bild aber extrem „retro“, und laut Hörspielmanuskript-Autor Balthasar von Weymarn mochte selbst Nikolai von Michalewsky diese Vignette nicht.

Für den 14-jährigen Mark Brandis übernahm Michael Vogt von diesem Bild immerhin die schwarzen Haare. „Theoretisch könnte Brandis aber auch blond sein.“

Extrem "retro": So stellte sich der Herder-Verlag Mark Brandis in den 1970er Jahren vor.

Extrem "retro": So stellte sich der Herder-Verlag Mark Brandis in den 1970er Jahren vor.

 

Dicht an den Romanen
Bei der Umsetzung der Geschichte selbst möchte sich Michael Vogt grundsätzlich an den Romanen und weniger an den Hörspielen orientieren, wo es ja zu Gunsten der akustischen Umsetzbarkeit von Anfang an Änderungen gegeben hat. Die berühmteste Neuerung in den Hörspielen ist die Einführung des sprechenden Bordcomputers CORA, den es in der Romanvorlage nicht gibt.

Im Gegensatz zu den Hörspielen sei Vogt beim Comic auch nicht so stark an die persönliche Sichtweise von Brandis gebunden, „und so kann ich auch Dinge zeigen, die Mark Brandis selber nicht sieht und erlebt“.

„Trotzdem werde ich das Ganze etwas modernisieren, verkürzen, und auch bei mir werden manche ursprünglich männliche Charaktere weiblich sein“, verrät Vogt; so geschehen bereits im Comic „Aufbruch zu den Sternen“ bei Navigator Suchow, der zu Galina Suchowa wurde.

 

Michael Vogt, Comic- und Science-Fiction-Fan
Zum Science-Fiction-Fan wurde Michael Vogt, als er als damals Elfjähriger „Krieg der Sterne“ (heute auf Neudeutsch „Star Wars“) im Kino sah. „Von da an fand ich alles, was mit Science Fiction zu tun hat, toll, und so stieß ich mit 14 oder 15 auch auf die Mark-Brandis-Romane.“

Eine andere Passion von Vogt ist das Zeichnen von Comics. Bei der Arbeit für Werbeagenturen nutzte er später seine kreative Ader für seinen Broterwerb. Zusammen mit seiner Frau betreibt Michael Vogt inzwischen seit 1996 ein Grafikbüro.

„Comics zeichne ich eher nebenbei, denn da fließt nicht sehr viel Geld. Bei manchen Kleinstverlagen bekommt man sogar gar nichts, da ist der Lohn nur der Umstand, dass die Geschichte eben gedruckt wird“, verrät Vogt.

In der Comic-Branche hat sich Vogt trotzdem längst einen Namen gemacht. 2008 erschien beispielsweise ein Comic-Album über „Schalke 04“ von ihm. Zusammen mit einem Kollegen hat er auch die Comic-Adaption von Wolfgang Hohlbeins Roman zum Film „Das Blut der Templer“ umgesetzt. „Da habe ich das Szenario geschrieben, und ein Kollege hat gezeichnet.“ Zudem gehört Vogt zu den Mitgründern des Online-Comic-Magazins „INKplosion“.

Michael Vogt entspannt sich nach eigenen Angaben gern mal bei einer Zigarre.

Michael Vogt entspannt sich nach eigenen Angaben gern mal bei einer Zigarre.

 

In unserem Beitrag am Mittwoch, 30. Mai, geht es um die ersten Raumfahrer, die in den 1960er Jahren aus ihren Kapseln in den freien Weltraum ausgestiegen sind. Manche Erfahrungen dieser Männer sind in die Schilderung der Weltraumspaziergänge in dem Hörspiel „Sirius-Patrouille“ mit eingeflossen. Der Beitrag geht abends online.

Kategorie(n): Alle Artikel, Making Of

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