OT: Die „Ohrkanus“-Gala 2012 – Die Hörspielreihe „Dr. Sigmund Freud“ ist der große Sieger

(ez) – Eine neue Hörspielserie mit einer originellen Idee ist in diesem Jahr der Liebling der Jury für den Hörbuch- und Hörspielpreis „Ohrkanus“ gewesen. „Prof. Sigmund Freud“ lässt das Wien der 1920er Jahre wieder auferstehen und verstrickt den Urvater der Psychoanalyse, Sigmund Freud, in Kriminalfälle. Gleich drei Preise nahmen die Macher der Serie am Ende der „Ohrkanus“-Gala im Berliner Babylon-Filmtheater mit nach Hause. Großer Star des Abends war der 88-jährige Schauspieler und Synchronsprecher Peter Schiff, der in seiner Flapsigkeit Moderator Charles Rettinghaus in nichts nachstand. Schiff bekam den „Ohrkanus“ für sein Lebenswerk. Die Mark-Brandis-Reihe ging in diesem Jahr leer aus.

 

Der Star-Gast Peter Schiff
„Vielen Dank, das war ein großes Erlebnis“, bedankte sich ein gerührter Peter Schiff (die Stimme von HAL 9000) bei seinem Laudator Helmut Krauss (Marlon Brando) für dessen Würdigung. Kaum auf der Bühne, kehrte aber der Schalk in ihm zurück. „Ich sehe, dass Du was geworden bist, vor allem dicker!“ teilte er frech an seinen Bewunderer Helmut Krauss aus. Auch, als er von sich selbst erzählte, sprühte er vor Ironie. „Keiner wollte mich allein auf die Bühne lassen, nur mit Leuten, die besser waren, als ich. Aber…“ Ein tiefes Seufzen, „…ich kam durch!“ Ein König der Herzen wurde der 88-Jährige mit seinem abschließenden, aus vollem Herzen kommenden „Ich liebe dich!“ an seine Frau, die sich vermutlich seit Jahren frage, „was sie denn wohl mit mir soll!“

Der große Sieger: „Prof. Sigmund Freud“
Die Sektkorken dürften in der Nacht auf Samstag beim Hörspielteam um Heiko Martens, Simon Bertling und Christian Hagitte geknallt haben. Ihre Hörspielreihe „Prof. Sigmund Freud“ gewann in gleich drei Kategorien den „Ohrkanus 2012“.

Den ersten Preis für die „Beste Serie“ überreichte Laudatorin Petra Schmidt-Schaller, Hauptdarstellerin in „Sommer in Orange“. In dieser Kategorie hatte „Freud“ die Mark Brandis-Reihe und den Gruselklassiker „John Sinclair“ ausgestochen.

Der zweite „Ohrkanus“ für „Prof. Sigmund Freud“ ging an die Schauspielerin Felicitas Woll als „Beste Sprecherin“. Sie spricht in den Hörspielen Freuds rebellische Tochter Anna. Bekannt ist Woll seit der TV-Serie „Berlin, Berlin“. Zu sehen ist sie auch in dem Bombennacht-Drama „Dresden“. Auf der Bühne verriet Woll, dass die „Freud“-Rolle ihre bisher erste Hörspielarbeit sei, und an ihrem ersten Tag im Aufnahmestudio habe sie sich gewundert, dass sie dort keinem der anderen Sprecher begegnete. „Ich lag auf der Couch und wartete und wartete, und sie kamen nicht.“ Dabei habe sie noch nicht geahnt, dass sie ihre Aufnahmen – anders als beim Film – allein machen würde.

Als Laudator Rainer Schöne (Willem Dafoes Stimme) wenig später den Umschlag mit dem Preisträger „Bester Sprecher“ öffnete und dann Hans-Peter Hallwachs, Sprecher des Sigmund Freud, auf die Bühne rief, meinte er nur: „Ich habe das Gefühl, ihr seid die großen Gewinner heute.“ Auf der Bühne flachste Schöne dann, als er Hallwachs Laudatio vorlas: „Ich habe nicht gedacht, dass du neben mir stehen würdest, wenn ich das vorlese.“ Hallwachs habe Sigmund Freud im Hörspiel „zu genialem Leben“ erweckt. Dem Hörspielpublikum sei er besonders bekannt, seit er im „Herr der Ringe“-Hörspiel (1991) den Aragorn gesprochen habe.

Hallwachs selber fasste sich kurz: „Wegen der Flut von Hörspielangeboten, die nach diesem Preis auf mich hereinbrechen wird, schone ich meine Stimme und sage einfach: Danke!“

 

Zwei Preise für „John Sinclair“
Mit zwei Abschiedsgeschenken – mit dem „Ohrkanus“ für das beste Soundkonzept und dem „Ohrkanus“ für die beste Regie – bedachte die Jury die Grusel-Hörspielserie „John Sinclair“. In der Kategorie „Bestes Soundkonzept“ triumphierte „Sinclair“ über „Mark Brandis“ und „Prof. Sigmund Freud“.

„Jetzt höre ich gerade mit ,John Sinclair‘ auf, und jetzt bekomme ich diesen Preis verliehen“, freute sich Hörspielmacher Oliver Döring, als er den „Beste Regie“-Preis aus den Händen von Pierce Brosnan- und Sinclair-Sprecher Frank Glaubrecht entgegen nahm. Döring habe, so Glaubrecht, im Jahr 2000 von Audio-Lübbe die Aufgabe bekommen, den Hörspielklassiker „John Sinclair“ neu zu vertonen, und es sei ihm gelungen, seine Vorgänger zu übertreffen.

Zuvor war bereits der Preis für das „Beste Soundkonzept“ an die Sounddesigner von „John Sinclair“ – die Tonzauberer von „ear2brain“ – gegangen.

 

„Ohrkanus“ für „Die drei ???“
Neben „John Sinclair“ gehört noch ein weiterer Hörspielklassiker zu den diesjährigen Preisträgern. Mit der Jubiläumsfolge 150 – „Geisterbucht“ – schafften es „Die drei ??? “, den „Ohrkanus“ für das beste Hörspiel (Kinder/Jugendliche) zu gewinnen. Laudatorin Anna Thalbach sprach von 35 Millionen Tonträgern, die seit dem Serienstart am 12. Oktober 1979 über den Ladentisch gegangen seien. Mit zur Stammbesetzung seit diesen Anfängen gehört Hörspiel- und Synchron-Legende Oliver Rohrbeck (Stimme von Ben Stiller, und in „Mark Brandis“ Sprecher von Walter Hildebrand).

Zuvor war der Preis für das beste Newcomerlabel an Patrick Holtheuers „Audionarchie“ gegangen, die 2011 sechs Psychothriller in der Reihe MindNapping auf den Markt gebracht hatte. Holtheuer schien sehr zufrieden zu sein und kündigte an, den eingeschlagenen Kurs mit weiteren Überraschungen fortzusetzen, indem er mit den besten Autoren zusammenarbeite.

 

„Ohrkanus“ für die „Lauscherlounge“
Gegen Ende der Gala kam dann Oliver Rohrbeck selbst auf die Bühne und nahm den Preis „Bestes Label“ für seine „Lauscherlounge“ entgegen. „Eigentlich muss sich Olli am Montag schon etwas gewundert haben, als ich ihn fragte, seit wann wir uns eigentlich schon kennen“, sagte seine Laudatorin Ulrike Stürzbecher mit ihrer unverwechselbaren Kate Winslet-Stimme. „Wir kennen uns tatsächlich seit der dritten Klasse“, verriet sie, und wer erfahren wolle, was sie schon alles erlebt hätten, könne nach der Gala gerne zu ihr kommen, fügte sie schmunzelnd hinzu.

„Eigentlich hatte ich gar nie geplant, ein eigenes Label zu gründen“, räumte Rohrbeck ein. Allerdings sei es eine große Freiheit und ein großes Glück, sich seine Stoffe selber heraussuchen zu können. „Danke meinem Team. Wir machen weiter, wir lieben Hörspiel, und alles, was wir machen, sind Herzensprojekte.“

 

Die Gala
Wahre Schandmaul-Qualitäten bewies Moderator Charles Rettinghaus, als er Til Schweiger als Gegenleistung für einen neuen „Tatort“ -Vorspann nahelegte, sich doch eine neue Stimme zuzulegen. „Ich denke da an Santiago Ziesmer: Ich höre direkt, wie er sich vorstellt mit den Worten: Mein Name ist Till Spongebob.“

Später verriet er,  dass eine Hörerin den Wunsch geäußert habe, mal auf dem Schoß von Christian Bale- und Johnny Depp-Sprecher David Nathan sitzen zu dürfen. Als Nathan dann nicht im Publikum saß, fragte Rettinghaus, ob es denn noch jemanden gäbe, der auf einem Schoß Platz nehmen wolle. Frech meldete sich eine Zuschauerin,  sie würde gerne mal auf den Schoß von Daniel Craig-Sprecher Dietmar Wunder, und Rettinghaus bot ihr das sofort an. „Der ist das gewöhnt!“

Schon am Anfang hatte Rettinghaus mit Dietmar Wunder gescherzt, wie es sich denn anhöre, wenn er mit seiner James-Bond-Stimme beim Bäcker ein Brot bestelle.

Einen Schlagabtausch lieferte sich Rettinghaus auch mit Bond-Stimme Frank Glaubrecht (Pierce Brosnan). „Er ist mein Lieblings-Bond. Und jetzt sag doch bitte mal die berühmten vier Worte.“ („Mein Name ist Bond…“). Darauf entgegnete Glaubrecht trocken vier andere berühmte Worte: „Leck mich am A…“

Einen Spaß machte sich „Star Wars“-Sprecher Friedhelm Ptok (Imperator Palpatine) bei der Laudatio zu der Kategorie „Bester CD-Release eines Radiohörspiels / Bester Re-Release eines Hörspiels“: „Ich musste erst nachschlagen, was Re-Release eigentlich bedeuten soll und fand die Erklärung: Entlassung aus der Haft.“

Den größten Freudenausbruch hatte am Abend Johanna Steiner, die mit ihrem Hörspiel „Übernacht“ in der Kategorie „Bestes Hörspiel (Erwachsene)“ gewann. „Oh Gott, ist das geil!“

Showact des Abends war die freche Damentruppe der „Heck-Mecks“ um Ulrike Stürzbecher.

 

Die Gewinner im Überblick

  • Bestes Hörspiel (Erwachsene): Johanna Steiner – „Übernacht“;
  • Bestes Hörspiel (Kinder/Jugendliche): „Die drei ??? – Geisterbucht“;
  • Bestes Hörbuch (Erwachsene): „Terminal 3 – Tanz der Marionetten“;
  • Bestes Hörbuch (Kinder): Andi Rogenhagen – „Heldensommer“;
  • Bestes Sachbuch: „Faust Jr. 5 – Das Amulett des Tutenchamun“;
  • Bester CD-Release eines Radiohörspiels / Bester Re-Release eines Hörspiels: „Die Island-Saga vom weisen Njál“;
  • Beste Serie: „Prof. Sigmund Freud“;
  • Beste Sprecherin: Felicitas Woll als Anna Freud in „Prof. Sigmund Freud“;
  • Bester Sprecher: Hans-Peter Hallwachs als Prof. Sigmund Freud in „Prof. Sigmund Freud“;
  • Beste Regie: Oliver Döring („John Sinclair“);
  • Bestes Soundkonzept: ear2brain für „John Sinclair“;
  • Bestes Label: „Lauscherlounge“;
  • Bestes Newcomerlabel: „Audionarchie“;
  • Nachwuchspreis: Alexander Turrek (als Jephro Hastie in „Gruselkabinett 51“; Ehrenpreis für das Lebenswerk: Peter Schiff.

 

Am Dienstag, 15. Mai, widmen wir uns dem neu erscheinenden Mark-Brandis-Comic „Aufbruch zu den Sternen“. Der Beitrag geht abends online.

Kategorie(n): Alles, OT, Veranstaltungen

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