(ez) – Ein lärmendes Spielcasino, ein arabischer Bazar, ein staubiger Keller, ein im Meer treibender Eisberg… Während die Vorgänger-Geschichte „Sirius-Patrouille” nur im sehr begrenzten Umfeld mehrerer Raumschiffe spielt, galt es, für „Lautlose Bombe” ganz viele verschiedene Schauplätze klanglich zu illustrieren. Und da die beiden Mark-Brandis-Produzenten B. von Weymarn und J. C. Redeker große Science-Fiction-Kenner sind, brachten sie bei dieser Gelegenheit auch gleich ein paar akustische Zitate unter. Der Klang von „Lautlose Bombe” ist auch von kleinen Details geprägt wie im Glas klirrenden Eiswürfeln, dem Geräusch eines Flachmann-Korkens und dem charakteristischen Polizeifunk. Besonders lang hat Sounddesigner Jochim Redeker an einer Szene gefeilt, in der Mark Brandis gleichzeitig ein Gespräch abhören will und ein Telefonat führen muss.
Zwischen „Blade Runner“ und Las Lunas
„Balthasar wollte, dass das Casino auf Las Lunas so klingt wie ,Taffy‘s Bar‘ in ,Blade Runner‘“, verrät Jochim Redeker. In diese lärmende, überfüllte und verrauchte Bar begibt sich in dem Science-Fiction-Filmklassiker der Held Rick Deckard (Harrison Ford), weil er mehr über eine geklonte Schlange herausfinden möchte. Es ist ein Gewimmel aus lauten Gesprächen in vielen Sprachen, Geschrei, Gläserklirren, Musik, dem Summen von Neonlampen, und vor der Bar werden sogar Lamas vorbeigeführt. Redeker: „Diese Bar hat einen Multi-Kulti-Klang, den auch das Casino haben sollte.“
Der Filmklassiker “Blade Runner” ist eine Fundgrube ganz vieler Klänge. Die Atmosphäre des Casinos in Las Lunas lehnt sich an Taffy’s Bar in “Blade Runner” an. (Foto: hitkinotrailer.com)Ein Drink, Würfel und ein Flachmann
Ein Wiederhören gibt es in der Casino-Szene mit dem Klang eines Bedien-Roboters, der Mark Brandis in „Die Vollstrecker“ auf dem Platz „Antoine Ibaka“ eine Currywurst servierte. In „Lautlose Bombe“ ploppt nun ein Drink aus dem Schacht.
Das Geräusch der fallenden Würfel auf dem Spieltisch hat das Hörspiel-Team von Mark Brandis selbst aufgenommen. (Foto:noname.free.fr)Ebenfalls selber aufgenommen hat der Sounddesigner den Klang der fallenden Würfel, mit denen Brandis am Spieltisch sein Glück versucht – und verliert. Der Würfel-Klang ist allerdings schon für ein früheres Hörspiel entstanden. Redeker: „Es sind die selben Würfel, die am Anfang von ,Raumsonde Epsilon‘ zu hören sind. Balthasar und ich haben damals jede Menge Würfel aufgenommen.“
Von einer Geräusche-Sammlung stammt das typische Korken-Floppen, mit dem Redeker bei Mark Brandis‘ Anflug auf Las Lunas verdeutlicht, dass der gestrauchelte Held sogar im Cockpit säuft. Redeker: „Es gibt in den Geräusch-Archiven ein paar richtig schöne Korken-Klänge. Es sollte hier ein bisschen wie ein Flachmann klingen, nicht nach einer großen Flasche.“
Zwischen Tatooine und Massaua
Ein ganz anderes Klang-Durcheinander ist für die Ankunft von Mark Brandis, Grischa Romen und Dr. Rebecca Levy in Massaua entstanden. Massaua ist ein pulsierendes Verbrecher-Nest am Rand der radioaktiv verseuchten Todeszone des Kilomandscharo-Ausbruchs. Redeker: „Ich habe im Geräusch-Archiv nach dem Klang orientalischer Plätze gesucht. Am besten geeignet war ein ägyptischer Markt.“
Aus einer anderen Aufnahme nahm Redeker den Klang mehrerer Musikinstrumente, die immer mal wieder im Hintergrund zu hören sind.
Um gleich am Anfang der Szene eine akustische Marke zu setzen, taucht hier sofort ein Händler auf, der Brandis und den anderen etwas verkaufen will. „Willkommen in Massaua. -Was Sie brauchen? -Ich kann Ihnen sein Führer, ich kann Ihnen zeigen beste Händler…“ Den Bazar-Händler spricht Jochim Redekers Kollege Werner Möhring.
„Bei den Aufnahmen sagte er dann, dass er ja irgendwie wie Watto aus ,Star Wars: Episode I‘ klingt“, erinnert sich der Sounddesigner. So machten sich Redeker und Möhring einen Spaß, tatsächlich ein kleines „Star Wars“-Zitat mit einzubauen. Nachdem Brandis‘ den Händler verscheucht hat, ist im Hintergrund noch ein leises: „Annie, wo ist der Plasma-Schlüssel?“ zu hören. Massaua ist eben doch nicht so weit von Tatooine entfernt.Der Klang eines Kellers
Seinen eigenen Keller hat Jochim Redeker für die Szene vertont, in der die drei Helden von dem Zigeuner Milosch Stojka nach dem Bazar-Aufenthalt in einen Kellerraum geführt werden. „Ich hatte Besuch von Balthasar, und zusammen sind wir dann in den Keller meines Hauses gegangen.“ Dort entstanden dann ganz viele Schritt-Sequenzen, der Klang knarrender Türen, Scharren, Türschließen und das wilde Getrabbel, als sich der Einschlag der Mörsergranaten ankündigt. Redeker: „Ich hatte im Keller auch einiges liegen, was klirrt und scheppert.“ Schmunzelnd fügt er hinzu: „Ganz lustig sah es aus, als Balthasar den Klang der Schritte von Rebecca Levy erzeugt hat.“
Der Klang eines Polizeiautos
Der Sound amerikanischen Polizeifunks illustriert das Auftauchen einer Polizeistreife (Foto: carmondo.de)Ein Polizeiauto sei ein richtiger Mikrokosmos: „Da gibt es Minicomputer, Funk, der Wagen läuft seit Stunden, wir hören im Auto die Klänge von allerlei Zeugs wie Taschenlampen und so weiter. Und als sich die Tür öffnet, strömt der Klang dieses Mikrokosmos nach draußen.“ Übrigens ist hier ein amerikanischer Polizeifunk zu hören.
Auf dem Eisberg
Echte Schritte im Schnee und knirschendes Eis sind bei der Szene auf dem Eisberg zu hören. (Foto: höcker.de)Überlappende Dialoge
Vor ganz besonderen Herausforderungen stand Jochim Redeker bei der Vertonung einer Szene, in der Brandis im Hinterzimmer einer Bar gleichzeitig ein Gespräch des Agenten Verastegui mit Jonathan West belauschen will und mit dem Krankenhaus in Caracas telefonieren muss. „Bei einem Hörspiel wird es immer kompliziert, wenn man überlappende Texte hat. Ich versuche, das zu vermeiden, wo ich kann, aber hier musste es überlappende Passagen geben.“
Zudem ist es hier wichtig, dass der Hörer sowohl das Telefonat mit dem Arzt verfolgen, als auch entscheidende Fetzen des Verastegui-West-Gesprächs verstehen kann. „Es muss hier klar werden, dass West Verastegui ausfragt.“
Die nächste große Herausforderung war der fließende Übergang der Bar-Szene zur Verfolgungs-Szene in Richtung des startbereiten Raumschiffs.
Das Nachrichten-Portal
Eine von Redekers Lieblings-Szenen des Hörspiels ist im ersten Teil zu hören. Brandis zappt durch ein virtuelles Nachrichten-Portal und lauscht einem Nachrichtensprecher. „Eigentlich geht es hier nur darum, dem Hörer Informationen zu vermittelt, aber hier verpacken wir das in eine interessante Klang-Atmosphäre.“ Als Nachrichtensprecher ist Jochim Redekers Radio-Kollege Jens Gümmer zu hören, der auch im wirklichen Leben Nachrichten spricht. „Diese typische Radio-Sprechweise bekommt kein Schauspieler so perfekt hin, sondern nur jemand, der das jeden Tag macht.“
Am Mittwoch, 8. August, blicken wir zu den Anfängen der Mark-Brandis-Hörspiele. Balthasar von Weymarn erzählt von seiner Arbeit bei der Adaption des Bürgerkriegs-Zyklus mit „Bordbuch Delta VII“, „Verrat auf der Venus“, „Unternehmen Delphin“ und „Aufstand der Roboter“. Der Beitrag geht abends online.

