(ez) – Gefahr, Größe, Verzweiflung, Triumph, Einsamkeit … Neben den Soundeffekten und der Klangkulisse hat Jochim C. Redekers filmische Musik einen großen Anteil daran, dass bei den Mark-Brandis-Hörspielen „Kino für die Ohren” entsteht. Im Bürgerkriegs-Vierteiler zu Beginn führt er mehrere musikalische Themen ein, die auch später eine zentrale Bedeutung in der SF-Serie haben: das „Mark-Brandis“-Thema, das „Ruth-und-Mark“-Thema, das „Delta VII“-Thema, das „Metropolis“-Thema… Darüber hinaus gibt es viele Motive und Stücke, die exklusiv für Szenen und Personen des Bürgerkriegs-Vierteilers mit „Bordbuch Delta VII“, „Verrat auf der Venus“, „Unternehmen Delphin” und „Aufstand der Roboter” entstanden sind.
Ein Thema für Mark Brandis:
Eine der verrücktesten Begebenheiten bei der Entstehung des Titel-Themas von Mark Brandis ist, dass das Stück ursprünglich gar nicht für Mark Brandis gedacht war.
Wie Komponist Jochim Redeker in einer Video-Dokumentation verrät, stieß ihn ein Freund mit der Nase auf das musikalische Thema, das Filmmusik- und Synthesizer-Kenner Redeker bereits vor den Hörspielen ersonnen, gespielt und aufgenommen hatte.
Redekers erste Reaktion: „Wieso Mark Brandis?“ Und die Antwort: „Ja wieso? Passt doch!“
Ein Thema für Ruth und Mark:
In „Bordbuch Delta VII“ führt Jochim Redeker noch ein weiteres zentrales Thema der Mark-Brandis-Hörspiele ein: Das zärtliche und leise „Ruth-und-Mark“-Thema, das für die Gefühle zwischen Held Mark Brandis und seiner Frau Ruth O‘Hara steht. Im aktuellen Zweiteiler „Lautlose Bombe“ hat das Stück wieder eine zentrale Bedeutung, wenn Brandis um das Leben seiner im Koma liegenden Ruth bangt.
Mit zarten Flötenklängen greift Jochim Redeker das Thema zum ersten Mal auf, nachdem es der rebellierenden „Delta VII“-Crew gelungen ist, die meisten Angehörigen vor der „Reinigenden Flamme“ aus Metropolis zu retten („Bordbuch Delta VII“). Ruth ist allerdings nicht dabei.
Wenig später nimmt Brandis seine aufgewühlten Gedanken in einer Homeservice-Nachricht auf.
Als dann die Szene wechselt zum Anflug der „Delta VII“ auf die Venus, nimmt der Klang des Stückes an Volumen zu. Zuerst greifen Streicher – begleitet von einer Harfe – das Motiv auf, dann sogar ein Horn.
Die klassische – von einem Klavier und Streichern gespielte – Version des „Ruth-und-Mark“-Themas ist zum ersten Mal zu hören, als sich die „Delta VII“ auf dem Weg zur Mission in die Sahara befindet („Bordbuch Delta VII“). Hier bringt Brandis erneut seine Gedanken in einer Homeservice-Nachricht zum Ausdruck und erinnert sich auch an ein Buch seines Großvaters, in dem Ruth einst eine Stelle für ihn angestrichen hat: „Woran du glaubst, dafür sollst du leben und sterben!“ Dies ist der Leitspruch, an dem Brandis seit den Anfängen sein Handeln ausrichtet.
Beim Start der “Delta VII” zur Mission auf dem Mond ist in “Verrat auf der Venus” erstmals das “Delta VII”-Thema zu hören.Ein weiterer wichtiger „Charakter“ des Bürgerkriegs-Vierteilers ist der superschnelle Raumschiff-Prototyp, mit dem die Helden unterwegs sind: die „Delta VII“. So versieht Jochim Redeker auch die „Delta VII“ mit einem Leitmotiv.
Eingeführt wird das Stück, als die „Delta VII“ – zum ersten Mal voll ausgerüstet durch Stationsmeister Björnsen – in „Verrat auf der Venus“ von der Venus in Richtung Mond startet. Sehr markant ist hier ein auffallender Rhythmus, der Entschlossenheit ausdrückt. Gespielt von Hörnern und Streichern erklingt dann die musikalische Signatur.
Fragmente des „Delta VII“-Themas tauchen von nun an immer wieder auf, wenn die „Delta VII“ in die Offensive geht oder wenn ihre Geschwindigkeit zur Geltung kommt, beispielsweise bei der Attacke auf die Angreifer über Camp „Luna V“ („Verrat auf der Venus“) oder bei der erfolgreichen Flucht nach der Rettung von Captain Danielsons Crew nach dem „Unternehmen Delphin“ in der gleichnamigen Folge.
In späteren Folgen wird aus dem „Delta VII“-Thema auch das Thema für die „Hermes“, beispielsweise in der Vortitelsequenz von „Operation Sonnenfracht“.
Ein Thema für Metropolis:
Auch das „Zuhause“-Thema, das stellvertretend für die Erde oder Metropolis steht, hat im Bürgerkriegs-Vierteiler seine Premiere.
Seinen größten Auftritt hat das Stück bei der Rückkehr der „Hermes“ nach Metropolis im ersten Teil von „Die Vollstrecker“. Es beginnt mit zarten Streichern und dem leisen metallenen Klingen eines Xylophons. Danach nimmt das Volumen des Klangs zu. Der Streicherklang wird größer, eine Harfe gesellt sich dazu, dann ein Horn, bis sich schließlich die Klangpracht eines ganzen Orchesters entfaltet. In „Die Vollstrecker“ verdeutlicht das Musikstück die Pracht der auf dem Meer errichteten Stadt Metropolis, „das Venedig des 22. Jahrhunderts“. (Mark Brandis in „Die Vollstrecker“).
In „Lautlose Bombe“ ist das Thema zu hören, als John Harris dem gestrauchelten Mark Brandis beim Anblick der Erdkugel von seinem Ideal der Welt erzählt.
Beim gebieterischen Klang der “Metropolis”-Fanfare orientierte sich Jochim Redeker am großen “Star Trek”-Sound von Filmmusikmeister Jerry Goldsmith. (Foto: last.fm)Das „Metropolis“-Thema trug auf dem ersten Mark-Brandis-Demo von 2005 laut Jochim Redeker einst maßgeblich dazu bei, dass sich Reinhild von Michalewsky, die Witwe des Mark-Brandis-Erfinders Nikolai von Michalewsky, von der Idee einer Hörspiel-Reihe überzeugen ließ.
Ein Thema für Antoine Ibaka:
Ein Thema, das in der letzten Bürgerkriegs-Folge „Aufstand der Roboter“ eine entscheidende Bedeutung hat, ist ein Stück, das Redeker dem tragischen Helden Antoine Ibaka auf den Leib geschrieben hat.
Beim ersten Widerspruch im Gerichtssaal sind es zunächst nur leise Streicher und ein leiser Rhythmus, die zu hören sind. Nach und nach nehmen das Volumen der Streicher und die Stärke des Rhythmus zu… bis das „Antoine Ibaka“-Thema – zusätzlich verstärkt durch den markanten „Vangelis“-Klang eines Yamaha CS 80-Synthesizers – zu einem großen Sturm aufspielt…
Noch mehr über die Musik des Bürgerkriegs-Vierteilers gibt es zum Abschluss unserer Artikel-Serie am Mittwoch, 10. Oktober, zu lesen. Der zweite und letzte Teil unseres Beitrags über die Klangkulisse und die Soundeffekte von „Bordbuch Delta VII”, „Verrat auf der Venus”, „Unternehmen Delphin” und „Aufstand der Roboter” geht am Mittwoch, 3. Oktober, abends online.

