(ez) Zusammen mit dem neuen Zweiteiler „Lautlose Bombe“ sind die ersten vier Mark-Brandis-Folgen „Bordbuch Delta VII“, „Verrat auf der Venus“, „Unternehmen Delphin“ und „Aufstand der Roboter“ neu veröffentlicht worden. Für die Sprachaufnahmen trafen die Hörspiel-Produzenten von Weymarn und Redeker schon sehr früh die Entscheidung, in ein professionelles Studio zu gehen. Von Weymarn blickt auf die Hörspiel-Arbeit für die ersten vier Folgen zwischen 2006 und 2008 zurück.
Erinnerst Du Dich noch an euren ersten Aufnahmetag für „Bordbuch Delta VII“? Wer war dabei?
Ich glaube, das war zu Jochims Geburtstag im Juni 2006. Jochim und ich waren frühmorgens schon da (relativ gesehen, frühmorgens heißt im Tonstudio Weichler um 9 Uhr) und hatten viele Snacks mitgebracht. Thomas Weichler (der Leiter des Studios TonSynchron, Anm. d. Red.) hat alles ganz locker vorbereitet und viele Sprüche geklopft, um die Stimmung zu lockern.
Was habt ihr zu allererst aufgenommen?
Die erste Szene überhaupt war die Radioansprache von Tom Collins, und dann die Szene mit den Lotts (Michael Lott als Mark Brandis und Dorothea Anna Hagena als Ruth O’Hara. Anm. d. Red.) und Tom-Collins-Sprecher Kai Henrik Möller, die auch im Making-Of zu sehen ist.
Die Sprachaufnahmen für die ersten vier Hörspiele entstanden im Hamburger Studio TonSynchron. Wie fiel die Entscheidung, genau dorthin zu gehen?
Das war und ist das Lieblingsstudio von Michael Lott. Er hatte den Wunsch, dorthin zu gehen, und da wir uns noch nicht festgelegt hatten, konnten wir dem Wunsch folgen.
Seit damals habt ihr 22 Mark-Brandis-CDs auf den Markt gebracht. Wie haben sich eure Sprachaufnahmen seit den Anfängen verändert?
Nicht viel. Wir sind nur schneller geworden. Leider bekommen wir nicht mehr so gut mehrere Sprecher gleichzeitig zusammen ins Studio. Immer wenn das klappt, funkelt es besonders.
Gab es bei den ersten Folgen Passagen, die euch während der Aufnahmen in den Wahnsinn getrieben haben?
In den Wahnsinn nicht, aber zum Lachen: Michael bekam die Aussprache des Worts „tête-à-tête” partout nicht hin (zu hören in den Outtakes auf „Bordbuch Delta VII”). Das hat ganz schön gedauert, bis das im Kasten war, zum Teil auch deswegen, weil einer in der Sprecherkabine selbst dann lachte, wenn es gerade geklappt hatte.
Habt ihr die missglückten Takes gesammelt?
Ja. Nicht alle allerdings, aber da sind noch ein paar im Archiv.
Wird es die Outtakes irgendwann mal zu hören geben?
Wir denken darüber nach.
Wie muss man sich eigentlich die Aufnahmen für Action-Szenen wie die Verfolgung von Mark Brandis auf der Insel Malden oder den Kampf mit Tom Collins vorstellen?
Viel weniger spektakulär, denn ein keuchender Michael Lott, der auf der Stelle vor dem Mikro läuft, sieht nun einmal nicht so aus, wie es das Kopfkino später malt.
Wie oft muss man im Schnitt für eine Folge ins Studio?
Das hat sich gewandelt, aber bei der ersten Folge waren es insgesamt vier Studiotage; inzwischen sind wir bei alles zusammen drei bis dreieinhalb pro Doppelfolge.
Mehrere der chinesischen Rollen werden ja tatsächlich von Asiaten gesprochen? Wie findet man für eine Hörspiel-Produktion professionelle chinesische Sprecher, die auch noch Deutsch können?
Über eine Stimmagentur oder mündliche Tipps von Kollegen oder Studiobetreibern. Gerade die chinesischen Sprecher sind bei der Industrie sehr begehrt und rufen unglaubliche Stundensätze auf.
Wie ist das, wenn ihr tatsächlich Chinesisch für eine Szene braucht – Gebt ihr einem chinesischen Sprecher seinen Text und sagt ihm: „Bitte sag das auf Chinesisch!”, oder lässt Du das vielleicht vorher im Manuskript übersetzen?
So haben wir das bisher gemacht, und die Sprecher waren auch sehr nett und freuten sich, mitwirken zu können. Einmal habe ich einer chinesische Freundin aus Beijing die Aufnahmen von „Unternehmen Delphin” über Skype vorgespielt, und sie hat mir zurückübersetzt, so dass ich mit dem Wissen in Ruhe schlafen gehen konnte, dass mir die Sprecher da kein Osterei in die Produktion gelegt haben. Wie gut Chinesen z.B. im Fluchen sind, weiss man ja aus „Firefly”.
Die meisten der Sprecher sind erfahrene Synchronsprecher und Schauspieler. Ist es schwer, Sprecher mit berühmten Stimmen wie Christian Rode (General Smith) oder Norbert Langer (Alexander Repin) im Studio zu dirigieren?
Gar nicht, denn die sind sehr nett. Nachdem professionelle Sprecher sehr gut mit Regie umgehen können, insbesondere, wenn der Regisseur in der Lage ist, seine Änderungswünsche mit präzisen Adjektiven zu beschreiben, ist es immer ein Vergnügen, sich zurückzulehnen und sich über die Ergebnisse zu freuen („ich mach das jetzt drei Mal, und vielleicht ist ja einer dabei”).
Hattet ihr auch Zeit, mal ein paar persönliche Worte zu wechseln?
Natürlich. Davor und nach den Aufnahmen. Soviel Zeit muss sein.
Mit Christian Rode, unter anderem die deutsche Stimme von “Pille” in “Star Trek II” und “Star Trek III”, ist ein berühmter Sprecher bei Mark Brandis zu hören. (Foto: ts-dreamland.de)Unser nächster Making-of-Beitrag zum Bürgerkriegs-Vierteiler beschäftigt sich mit der Soundkulisse und den Geräuscheffekten. Der Beitrag geht am Mittwoch, 19. September, abends online.


Wie kann man als Sprecher bei Euch mit machen? Ich hätte Lust einmal die Sprecher persönlich, auf einem Con oder ähnlichem, kennen zulernen.
Darauf gibt es keine Universalantwort. Es gab schon ein paar Cameoauftritte, aber die sollten die Ausnahme bleiben, weil der Unterschied zwischen Amateuren und Profis sonst zu sehr hörbar wird, und dann gibt’s Beschwerden. Wer sich die Mühe machen will und schon etwas Sprecherfahrung hat (hoerspielprojekt.de?), findet unsere Adresse im Impressum.