OT: Mit dem Lift ins All – Mark Brandis und die Idee des Weltraum-Aufzugs

(ez) – Nachdem er mit seiner Diana auf der Raumstation „Porta Stellaris“ bruchgelandet ist, legt die ruppige Vertreterin der Anflugskontrolle dem angeschlagenen Mark Brandis in der ersten Folge von „Lautlose Bombe“ einen anderen Heimweg nah.



„… Ihre Diana ist ja wohl Schrottwert. Da werden Sie morgen eine Fahrt auf dem Raumlift nach Kourou buchen müssen.“ Dieser Raumlift, eine Aufzug-Verbindung zwischen Erde und „Porta Stellaris“, wird bereits im Innenteil des Covers von „Vorstoß zum Uranus (Teil 2)“ beschrieben. Manuskript-Autor von Weymarn greift damit eine SF-Idee auf, die schon der russische Weltraumpionier Konstantin Tsiolkowski formuliert hat. An der technischen Umsetzung dieser Idee wird bereits heute gearbeitet.

 

Weltraum-Aufzüge in Literatur, Hörspiel und TV
„Die Station ist als ,Sprungbasis‘ für transplanetaren Verkehr in Betrieb. 80 Prozent des Verkehrs erreicht die Station über einen Weltraumlift“, heißt es im Innenteil des Covers von „Vorstoß zum Uranus (Teil 2)“ über „Porta Stellaris“. „Seit 2123 verbindet ein verbessertes Seil die Station wieder mit der Basis auf Guayana.“

Von der Erdoberfläche per Aufzug direkt in den Weltraum. Von dieser Möglichkeit träumen Wissenschaftler schon lange. (Foto: Lounge.fm)

Von der Erdoberfläche per Aufzug direkt in den Weltraum. Von dieser Möglichkeit träumen Wissenschaftler schon lange. (Foto: Lounge.fm)

Vor allem in der Science-Fiction-Literatur tauchte die Idee des Weltraumlifts in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder auf. Eines der jüngsten Beispiele ist Frank Schätzings Roman „Limit“, der im Jahr 2025 angesiedelt ist. Hier erleichtert ein Weltraumlift den Transport des Rohstoffs Helium 3, der auf dem Mond abgebaut wird.

In seinem 1979 erschienenen Roman „Fahrstuhl zu den Sternen“ beschreibt „2001“-Autor Arthur C. Clarke das Szenario vom Bau eines solchen Weltraumlifts. Am Ende des Romans gibt es eine weltumspannende Raumstation, zu der gleich mehrere Weltraumlifte führen. Fast 20 Jahre später beschreibt Clarke auch in seinem Roman „3001“ eine erdumspannende Raumstation, von der riesige Aufzüge zur Oberfläche führen.

Im Fernsehen sah das Publikum in der „Star Trek: Raumschiff Voyager“-Folge „Die Asteroiden“ („Rise“ im Original) eine Geschichte mit einem Orbitallift. Ein Außenteam der „Voyager“ versucht hier, mit der Orbitalseilbahn über die Ionosphäre zu steigen, um von dort dann einen Hilferuf absetzen zu können.

In der Folge "Die Asteroiden" in "Star Trek: Raumschiff Voyager" gibt es in uns außerhalb eines Weltraumlifts dramatische Zwischenfälle. (Foto: memory-alpha.org)

In der Folge “Die Asteroiden” in “Star Trek: Raumschiff Voyager” gibt es innerhalb  und außerhalb eines Weltraumlifts dramatische Zwischenfälle. (Foto: memory-alpha.org)

 

Vom Szenario zum Projekt
In der Folge „Die Welt“ des Doku-Fiction-Dreiteilers „2057 – Unser Leben in der Zukunft“ gibt es auch das Szenario eines Weltraumaufzugs. Hier fährt eine Wissenschaftlerin mit dem Lift zu einem Weltraumlabor in 400 Kilometern Höhe. „Das ehrgeizigste Forschungsprojekt ist mitten im Pazifik verankert. Von dort haben Physiker eine Verbindung ins All gebaut (…).“ („2057 – Unser Leben in der Zukunft“ – Deutschland 2007).

„Das Konzept für den Space Elevator wurde in Amerikas berühmtester Forschungsschmiede geboren: im Los Alamos National Laboratory“, heißt es in der Dokumentation zum realen Hintergrund des Szenarios.

Der Physiker Dr. Bradley Edwarts sagt über das Konzept Weltraumaufzug: „Die Grundidee basiert tatsächlich auf dem Prinzip eines normalen Aufzugs. Von der Erde führt ein Kabel“ in den Weltraum, „wo es durch ein Gewicht mit Hilfe der Zentrifugalkraft straff gehalten wird. Eine Kapsel fährt rauf und runter. Nach und nach wurden aus den Skizzen konkrete Konzepte. Der Aufzug könnte in Zukunft täglich zwischen Erde und Raumstation pendeln. Die Fahrt pro Person würde dann nicht mehr 20 Millionen Dollar kosten, sondern nur noch 20 000 Dollar.“ („2057 – Unser Leben in der Zukunft“).

 

Das Problem mit dem Kabel
Eines der größten Probleme, wollte man einen Weltraumlift wirklich bauen, stellt zur Zeit noch das Aufzugseil dar. „Ein Stahlseil kommt für den Seiltrick nicht in Betracht“, ist in dem Artikel „Transport durchs All: Das Projekt Weltraumlift“ bei Focus Online zu lesen. „Es würde bereits ab einer Höhe von vier bis fünf Kilometern unter seinem eigenen Gewicht reißen.“

In Arthur C. Clarkes Roman „Fahrstuhl zu den Sternen“ besteht das Seil aus einem „kontinuierlichen pseudo-eindimensionalen Diamatkristall“.

In dem Focus-Online-Artikel „Das Projekt Weltraumlift“ (5.10.2009) ist von einer Polyester-Phaser namens „Dyneema“ die Rede. „Allerdings lässt die Festigkeit des Stoffs zwischen 80 und 100 Grad Celsius deutlich nach, und unter Minus 150 Grad wird er brüchig.“

In der Dokumentation „2057 – Unser Leben in der Zukunft“ bringt der Physiker Dr. Bradley Edwards so genannte „Karbon-Nano-Tubes“ ins Spiel. Sie bestehen aus vielen Milliarden Kohlenstoffatomen, durch die in mehreren Schritten dünne Röhren gebildet werden, „die 50 Mal stärker sind als Stahl“.

„Gelingt die Herstellung eines Tages, wird das Seil ins All befördert und von einem Satelliten im geostationären Orbit zur Erde hinabgesenkt, wobei schon das Einfangen eine schwierige Operation wäre. Die Bodenstation müsste eine schwimmende Insel im Meer sein.“ („Transport durchs All: Das Projekt Weltraumlift“).

 

Das Problem Energiequelle
Ein weiteres Problem, das für den Bau eines funktionierenden Weltraumlifts gelöst werden muss, ist die Energieversorgung der Liftkapsel selbst. „Man kann die Energieversorgung nicht durch eine im Seil integrierte Stromleitung sichern, da der elektrische Widerstand bei bis zu 36 000 Kilometern Länge zu groß und der Energieverlust zu hoch wäre.“ (Wikipedia).

Die Lösung, die Bradley Edwards für denkbar hält, ist ein Laserstrahl. Er „soll von der Erde aus eine Solarzelle am Lift mit Energie versorgen“. („2057 – Unser Leben in der Zukunft“).

Die Kabine des Weltraumlifts könnte durch einen Laserstrahl mit Energie versorgt werden. (Foto: exploratorium.edu)

Die Kabine des Weltraumlifts könnte durch einen Laserstrahl mit Energie versorgt werden. (Foto: exploratorium.edu)

Als Alternative nennt der Focus-Online-Artikel „Transport durchs All: Das Projekt Weltraumlift“ ein großes Solarpaddel an der Aufzugkabine, das Sonnenlicht einfangen könnte, „das im All sehr intensiv ist. Elektromotoren sollen die Gondel beim Aufstieg auf etwa 200 Stundenkilometer beschleunigen“.

In dem fiktive Szenario, mit dem die Doku „2057“ das Vorhaben illustriert, wird der Weltraumlift von einem Laserstrahl mit Energie versorgt und bringt die Wissenschaftlerin schließlich mit 350 Kilometern pro Stunde von der Bodenstation ins All.

 

Experte ist zuversichtlich
Der Physiker Dr. Bradley Edwards ist auf jeden Fall zuversichtlich, dass ein Weltraumlift nicht mehr allzu lange nur Zukunftsmusik sein wird. „Dass es noch 50 Jahre dauert, bis der erste Space Elevator funktioniert, kann ich mir nicht vorstellen. Ich bin ziemlich sicher, dass in 50 Jahren damit schon ziemlich viele Menschen ins All fahren.“ („2057 – Unser Leben in der Zukunft“).

 

In unserem Beitrag am Mittwoch, 31. Oktober, geht es – ergänzend zur Auflistung der „Shout Outs“ in den Mark-Brandis-Hörspielen – um einen kleinen Ausflug in die Welt der  Insider-Gags und Zitate. Der Beitrag geht abends online.

Kategorie(n): Alle Artikel, OT

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