(ez) – Wie ein akustisches Zitat klingt zu Beginn der ersten Folge des Mark-Brandis-Zweiteilers „Die Vollstrecker“ die Explosion der Resonanz-Bombe auf der „Interplanar“-Station. Das den Knall begleitende metallene „Bängggggg“ hört sich in etwa so an wie die Explosion von Jango Fetts seismischen Bomben in „Star Wars: Episode II – Angriff der Klonkrieger“.
Die Akustik von Las Lunas ist wiederum stark an den Klang von „Blade Runner“ angelehnt, einschließlich des Einsatzes eines Vangelis-typischen Yamaha CS 80-Synthesizers in der Musik, als Mark Brandis in „Die Vollstrecker“ den Mond erreicht. In einer extra produzierten und nur online verbreiteten Szene mit Stationsmeister Björnsen gibt es im Dialog wiederum Seitenhiebe auf die SF-Dauerbrenner „Perry Rhodan“ und den Klassiker „Raumpatrouille Orion“. Von „Orion“-Commander MacLane hätte die „Delta VII“-Crew den „Overkill“-Projektor bekommen können. Hört selbst:
Ihre Vorliebe für Insider-Gags teilen die Mark-Brandis-Macher mit vielen weiteren kreativen Köpfen.
„From ,Die Hard‘ with love“
Der Blick in die Film- und Serienwelt der vergangenen Jahrzehnte zeigt, dass vor allem Genre-erfahrene Autoren einen großen Spaß daran haben, Verweise in die übrige Serien- und Filmwelt zu streuen.
Dass solche Verweise nicht zwingend dezent sein müssen, zeigt beispielsweise der Luc-Besson-Actionreißer „From Paris with Love“, dessen Filmtitel eine direkte Anspielung auf den James-Bond-Titel „From Russia with Love“ (in Deutschland „Liebesgrüße aus Moskau“) ist.
Zwei TV-Serien aus den späten 1980er und beginnenden 1990er Jahren variieren in jeweils einer Episode die Handlung des Action-Klassikers „Stirb langsam“ (1988). In der „Booker“-Episode „High Rise“ bringen – wie in „Stirb langsam“ – Bösewichte den Hochhausturm eines japanischen Konzerns in ihre Gewalt. Danach liefert sich der Held Dennis Booker (Richard Grieco) wie Bruce Willis John McClane in „Stirb langsam“ ein wildes Katz- und Maus-Spiel im Hochhaus. („Morde im Paradies – Amerikanische Detektiv- und Abenteuerserien der 80er Jahre“, München 1994).
„Ein vergleichbares Remake von ,Die Hard‘ gibt es auch in der Privatdetektivserie ,B.L. Stryker‘ (…), und witzigerweise heißt auch die ,B.L. Stryker‘-Episode ,High Rise‘. („Morde im Paradies“).
Kinofilme, die das „Stirb langsam“-Muster variieren, gehen in die Dutzende. Ein paar davon sind „Sudden Death“ (1995) mit „Stirb langsam“ im Eisstation, „Air Force One“ (1998) mit „Stirb langsam“ im Präsidenten-Jet und „Alarmstufe: Rot“ (1992) mit „Stirb langsam“ auf einem Kriegsschiff.
„Starship Troopers“ im „Firefly“-Universum
Viel raffinierter sind die versteckten Verweise und Insider-Gags. Allein die „Star Trek“-Serien, die Mystery-Perle „Akte X“ und die bei Fans sehr beliebte SF-Serie „Firefly“ sind voll davon.
Eines der ersten Zitate in „Firefly“ taucht bereits im Pilotfilm der 14-teiligen Serie, „Serenity“, auf. Hier ist auf dem Monitor eines Flak-Geschützes, mit dem Malcolm Reynolds schießt, das Logo des „Weyland-Yutani“-Konzerns zu sehen, bekannt aus den „Alien“-Filmen. Im Internet kursieren unter anderem wegen dieses Zitats Spekulationen, dass Serienerfinder Joss Whedon seine Serie im „Alien“-Universum angesiedelt hat.
Später im Pilotfilm ist im Hintergrund ein aus „Star Wars“ bekanntes Shuttle zu sehen, als Inara mit ihrem Schiff die „Serenity“ erreicht.
Ein ganz deutliches Zitat aus dem Film „Starship Troopers“ sind die Kampfanzüge der Soldaten in der Folge „Schmutzige Geschäfte“. Es sind die gleichen Kampfanzüge, wie sie die „Starship Troopers“-Infanteristen in Paul Verhoevens SF-Spektakel tragen.
Geklaut? Jedenfalls tragen Soldaten in “Firefly” die gleichen Kampfanzüge wie die “Starshop Troopers”. (Foto: stillflying.net)
R2-D2 schwebt über Vulkan
Als große SF- und Serienfans zeigen sich auch die Autoren der „Star Trek“-Serien, wie ein Blick auf die Internetseite „Memory Alpha“ deutlich macht. In der ersten Folge des „Voyager“-Zweiteilers „Fleisch und Blut“ kommt zum Beispiel eine Energiequelle zur Sprache, die die Jägerrasse der Hirogen verwendet: Tylium. Dieser fiktive Rohstoff war schon für die Raumschiffe in dem SF-Klassiker „Kampfstern Galactica“ die Basis für Treibstoff.
In der Serie „Star Trek: Deep Space Nine“ wird die Crew in der Folge „Mehr Trouble mit den Tribbles“ von zwei extrem humorlosen Agenten der „Föderationsbehörde für Temporale Ermittlungen“ genervt: Dulmer und Lucsly, das sind Anagramme für „Mulder“ und „Scully“, die beiden Hauptfiguren aus der Mystery-Serie „Akte X“. („memory-alpha.org“).
Als wahre „Star Wars“-Fans zeigen sich die Effekt-Leute der Filme „Star Trek: Der erste Kontakt“ und „Star Trek“ (2009). „Im Film ,Star Trek: Der erste Kontakt‘ nimmt der ,Millennium Falcon‘ an der Borg-Schlacht teil. Im Film ,Star Trek‘ ist R2-D2 zu sehen, der in einem Trümmerfeld nahe Vulkan treibt.“ („memory-alpha.org“).
Wenn das Luke Skywalker wüsste. “Star Trek”-Fans haben im neuesten Film von 2009 R2-D2 im Trümmerfeld über Vulkan entdeckt (Foto: themovieblog.com)
Terminator in „Akte X“
Voller kleiner Späße stecken auch einige Episoden der Serie „Akte X“. Als Hommage an „Star Trek“ ist zu Beginn der Doppelfolge „Dreamland“ beispielsweise ein verwackelter Super-8-Film mit Jugendaufnahmen von Fox Mulder zu sehen, in denen sich der kleine Fox maßlos darüber ärgert, dass ihm seine spitzen Spock-Ohren beim Spielen dauern abfallen.
In der Folge „Krieg der Koprophagen“ veräppelt Drehbuchautor Darin Morgan die berüchtigte Hörspielfassung von H. G. Wells‘ „Krieg der Welten“, die einer Legende zufolge 1938 in den USA Chaos und Weltuntergangs-Stimmung ausgelöst hat, weil viele Menschen das Hörspiel für echt hielten. Der in der „Akte X“-Folge verwendete Ortsname „Miller’s Grove“ ist nichts anderes als eine Umkehrung von „Grover’s Mill“, wo Orson Welles damals seine Hörspiel-Alien-Invasion angesiedelt hatte. Wie die Aliens in „Krieg der Welten“ lösen in „Akte X“ Kakerlaken eine gigantische Hysterie aus. Schließlich hält einer der verrückt gewordenen Bürger von Miller’s Grove Fox Mulder selbst für eine Kakerlake.
In der späten Episode „Schlaues Metall“ lässt eine Dialogzeile des von Robert Patrick verkörperten Agent John Dogget viele Zuschauer schmunzeln. Durch den Kontakt mit einem sich selbst regenerierenden Super-Metall verwandelt sich in dieser Geschichte ein Mensch allmählich in ein fast unzerstörbares Metall-Monster. Als ein Auto den Metallmenschen anfährt, wird es völlig zerstört. Während der Ermittlungen meint Dogget ungläubig: „Metallmänner gibt es nur in Filmen“, was aus Robert Patricks Mund eine Doppelbedeutung bekommt: 1991 spielte der Schauspieler den fast unzerstörbaren Flüssigmetall-Roboter T-1000 in James Camerons „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“.
Agent John Doggett zerläuft? -Nein, sondern John-Doggett-Darsteller Robert Patrick als T-1000 in “Terminator 2″. (Foto: howmanyarethere.net)
Einen kleinen Seitenhieb auf die reale Welt erlaubt sich die „Akte X“-Folge „Hollywood A.D.“. Hier soll der Fall einer X-Akte in Hollywood verfilmt worden. Agent Scully wird in diesem Film von Teá Leoni verkörpert, die sich in der Folge selbst spielt. In einer Szene der Folge stehen sich dann Teá Leoni und Fox Mulder (David Duchovny) gegenüber, und sie ist hin und weg von ihm. Scullys trockener Kommentar zu Mulder: „Ich glaube, Teá Leoni steht auf Sie.“ In der Aussage steckt sehr viel Wahrheit, denn David Duchovny und Teá Leoni sind im wirklichen Leben seit vielen Jahren ein Paar.
Einen netten Gag erlauben sich die „Akte X“-Autoren Glen Morgan und James Wong in der „Akte X“-Parallel-Serie „Millennium“. Als „Millennium“-Held Frank Black in einer nebeligen Halloween-Nacht (Folge „Zwei-Sechs-Acht“) durch die Stadt irrt, läuft ihm ein Mensch in Alien-Rüstung über den Weg, und Fans der von Glen Morgan und James Wong entwickelten SF-Serie „Space: Above and beyond“ erkennen die Chig-Rüstung aus dieser Serie wieder.
Die beliebte Zeichentrick-Serie „Die Simpsons“ zitiert die „Akte X“-Folge „Der Anfang“ zu Beginn der sechsten Staffel. Hier gibt es in einem Atomkraftwerk einen leicht verschlafenen Arbeiter namens Homer. Dieser Gag könnte ein Dankeschön an die Macher der „Simpsons“ sein, denn hier waren wiederum die Agenten Fox Mulder und Dana Scully als Zeichentrickfiguren in der Episode „Die Akte Springfield“ aufgetreten, die zudem den ganzen Stil von „Akte X“ parodiert.
Im zweiten Teil unseres Ausflugs in die Welt der Insider-Gags geht zum Kinostart des neuen 007-Thrillers „Skyfall“ vor allm um die zitierfreudige James-Bond-Reihe und dann auch um den Umstand, dass manchmal sogar die Realität eine Serie zitiert. Der Beitrag geht am Mittwoch, 7. November, abends online.

