Im Licht der Sterne – Die kosmischen Gedanken von Mark Brandis und seinen realen Vorfahren

(ez) – Tödliche Temperaturen, luftleerer Raum, Strahlung, Dunkelheit: Das Weltall ist vermutlich der tödlichste und lebensfeindlichste Ort, an den sich Menschen jemals begeben haben. Trotzdem werden Raumfahrer ehrfürchtig, wenn sie die Heimat der Sterne besuchen. „Nirgendwo vermag man klarer zu denken, als im Reich der Sterne“, beschreibt auch Nikolai von Michalewsky die Gedanken seines Helden Mark Brandis in dem Roman „Raumsonde Epsilon„. „Die Unwichtigkeiten, die einem so oft den Blick verstellen, treten zurück. Die Unendlichkeit lässt nur gelten, was ihr verwandt ist.“ In der britisch-amerikanischen Dokumentation „Im Schatten des Mondes“ von 2007 formulieren die Apollo-Astronauten im Rückblick auf ihre Mondflüge ähnliche Gedanken. Zudem gewannen sie damals eine viel größere Achtung vor unserem Heimatplaneten Erde. Haben Realität und Fiktion hier etwas gemeinsam?

Poesie und Klarheit
In dem Augenblick, als Mark Brandis im Cockpit seines „Kolibri“ die Atmosphäre der Erde verlässt und in Richtung Mond rast, kommt dem sonst eher rationalen Raumfahrer sofort ein Gedicht in den Sinn: „…wie war das doch gleich? – Du fliegst, Mann und Maschine, aber deine Seele eilt Dir voraus zur Hochzeit mit den Sternen“ (aus dem Hörspiel „Testakte Kolibri“).

In dem späteren Hörspiel „Sirius-Patrouille“ gewinnt auch das Interview des Journalisten Martin Seebeck mit Mark Brandis an Bord der „Invictus“ philosophische Dimensionen. „Was ist es eigentlich wirklich, Commander? Was sucht der Mensch im Raum?“ fragt Seebeck. – „Nun, ich glaube, der Mensch sucht auch hier, was er immer gesucht hat: Antworten auf seine Fragen“, entgegnet Brandis, und fügt wenig später noch hinzu „Ich weiß nicht, ob er die Antworten findet. Vielleicht kommt es darauf auch gar nicht an, (…) ich weiß nur, dass hier draußen die besseren Fragen gestellt werden.“

Auch Martin Seebeck lässt die Reise durch den Weltraum nicht kalt: „Zeit existiert nicht“, spricht er nachdenklich in sein Diktiergerät, „ich kann sie nicht spüren. Auf der Erde gibt es Tag und Nacht, hell und dunkel, nicht hier draußen, und ich merke, dass mit der Zeit auch die Worte ihre Bedeutung verlieren. Das, was ich als Sprache kenne, stammt aus einer zurückgelassenen, fast schon vergessenen Welt. Worte, die nicht ausdrücken können, was zu sagen wäre über die eisige Einsamkeit …“ (Aus dem Hörspiel „Sirius-Patrouille“).

 

Kosmische Gedanken der Apollo-Astronauten
Epische Gedanken und Gefühle überkamen auch Apollo 14-Astronaut Edgar Mitchell beim Anblick des Panoramas mit Erde, Mond, Sonne und den Sternen. „Plötzlich wurde mir klar, dass die Moleküle meines Körpers und die des Raumschiffes und die meiner Partner vor unvorstellbar langer Zeit erschaffen wurden und geprägt sein müssen. Das war ein überwältigendes Gefühl der Einheit und Verbundenheit mit dem Universum.“ („Im Schatten des Mondes“, Dokumentation 2007).

Charles Duke, der gemeinsam mit Ken Mattingly und John Young im April 1972 zum Mond flog, haben seine damaligen Erfahrungen zu einem religiösen Menschen gemacht. „Ich empfand ein Gefühl inneren Friedens. Das ist schwer zu beschreiben. Es war so eindrucksvoll, dass ich seither immer wieder davon erzähle. Auf dem Mond war ich nur drei Tage (…), aber meinen Weg mit Gott werde ich immer gehen.“ („Im Schatten des Mondes“).

Apollo 11-Mann Michael Collins bekam durch seine Reise zum Mond eine ganz neue Einstellung zum Leben, wie er in der Dokumentation „Im Schatten des Mondes“ beschreibt. „Ich will (…) nicht sagen, dass ich seit dem dem Leben mit größerem Gleichmut begegne, aber ich bemühe mich darum, und so einige unserer irdischen Probleme erscheinen mir seit meiner Reise zum Mond auch nicht mehr so wichtig.“

Der neue Blick auf die Welt
Auch der Bezug zur Erde scheint sich für viele Menschen zu verändern, wenn sie sie plötzlich als blau schimmernde Kugel in der Dunkelheit des Alls wahrnehmen. Michael Collins erinnert sich: „Sie sah so friedlich und ruhig, so heiter aus, gleichzeitig furchtbar zerbrechlich. Es war seltsam, aber mein erster Gedanke beim Anblick der Erde war: Mein Gott, ist das kleine Ding dort draußen zerbrechlich.“

Nach einer guten Woche im All hatte Collins auch über vermeintlich simple Dinge zu staunen gelernt. An die Landung im Ozean denkt er mit folgenden Worten zurück: „Ich erinnere mich noch an das wundervolle Wasser mitten im Pazifik, das blau-violett war… einfach überwältigend. Ich dachte spontan: Ein tolles Meer hast du da, Planet Erde!“

Berühmtheit erlangte eine Geste des Apollo 13-Astronauten Jim Lovell durch das Filmdrama „Apollo 13“ von 1995. Hier wird Lovell von Tom Hanks verkörpert. Er hebt die Hand und verdeckt die winzige Erdkugel hinter seinem Daumen.

In der Doku „Im Schatten des Mondes“ beschreibt Lovell seine damaligen Empfindungen: „Wir haben sehr viel über den Mond gelernt, aber viel mehr noch über die Erde. Allein, dass man vom Mond aus den Daumen ausstrecken konnte und dann die Erde dahinter verschwand. Alles, was du jemals gekannt hast, deine Angehörigen, den Beruf, die Probleme der Erde selbst, alles hinter deinem Daumen. Dass wir eigentlich völlig unwichtig sind. Aber es zeigte mir auf der anderen Seite, was für ein Glück wir haben, unseren Körper zu besitzen und zu leben und all die Schönheit der Erde genießen zu können.“

Gene Cernan, der bisher letzte Mann auf dem Mond, wird zum Philosophen, wenn er seine Gedanken und Empfindungen beschreibt, als er auf dem Erdtrabanten stand und über sich am Himmel die Erde betrachtete. „Es war ein Gefühl, als stünde ich auf einem Plateau irgendwo im Weltall, gebaut von Technikern und Wissenschaftlern. Doch jetzt spürte ich, dass genau diese Techniker und Wissenschaftler keine Antworten auf die entscheidenden Fragen hatten. Ich stand hier, und die Erde war da, und die Dynamik der Erde war überwältigend.
Ich spürte, dass die Welt zu komplex, zu logisch, zu schön sei, als dass sie durch einen Zufall entstanden sein konnte. Da muss es jemand Größeren geben, als dich und mich, und das meine ich jetzt nicht im religiösen, sondern im spirituellen Sinne. Es muss einen Schöpfer geben, der über den Religionen steht, die wir uns schaffen, um unser Leben zu meistern.“ („Im Schatten des Mondes“).

Apollo 15-Mann Dave Scott formuliert im Rückblick auf seine Rückkehr zur Erde die vermutlich wichtigste Erkenntnis der bemannten Raumfahrt. Die Erde „ist wahrhaft eine Oase, aber wir kümmern uns nicht genug um sie. Und sich darüber im Klaren zu sein, ist tatsächlich der erste Schritt zur Rettung des Planeten.“ („Im Schatten des Mondes“)

Mark Brandis formuliert es in Nikolai von Michalewskys Roman „Aktenzeichen illegal“ folgendermaßen: „Wenn ich unter den Sternen dahinzog, überfiel mich (…) oft genug das Heimweh nach der Erde – das Heimweh nach diesem blauen Planeten, der im ganzen Raum nicht seinesgleichen hat.“

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In unserem Beitrag am Mittwoch, 2. Januar 2013, starten wir sofort in die Berichterstattung über das neue Hörspiel „Triton-Passage“. In unserem ersten Making-of-Artikel beschäftigen wir uns mit der Manuskriptarbeit und den Überlegungen bei der Adaption des Romans. Der Beitrag geht abends online.

Das Hörspiel „Triton-Passage“ wird am Freitag, 11. Januar 2013, veröffentlicht.

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