OT: Michael Lott und das Abenteuer-Drama „Die Männer der Emden“

(ez) – Als Mark-Brandis-Sprecher Michael Lott Anfang 2011 im Hamburger Studio TonSynchron am Mikrofon steht, um Texte für „Operation Sonnenfracht“ und „Alarm für die Erde“ zu sprechen, hat er sowohl eine Zeitreise als auch ein gewaltiges Abenteuer hinter sich. Noch im Februar hat er in einer historischen Seemannsuniform gesteckt und sich mit einem Karabiner in der Wüste gegen angreifende Beduinen verteidigt. In der Nacht krachten in der Entfernung dann echte Schüsse. Der Arabische Frühling und die Revolution in Tunesien waren in vollem Gange, während Regisseur Berengar Pfahl die Kameras für das große Abenteuer-Drama „Die Männer der Emden“ surren ließ. Morgen startet der Film in den deutschen Kinos.


Michael Lott als ehemaliger Fremdenlegionär

„Ich spiele einen Koch, der in der Fremdenlegion gedient hat, und durch meine Erfahrung kann ich den anderen immer wieder helfen“, beschreibt Michael Lott seine Rolle in „Die Männer der Emden“. Die Figur basiert auf einem Menschen, den es tatsächlich gegeben hat. Am 9. November 1914 will sich der Kleine Kreuzer „SMS Emden“ bei den Cocos-Inseln mitten im Indischen Ozean mit dem Versorgungsschiff „Buresk“ treffen, während ein Einsatzkommando auf Direction Island eine britische Telegraphenstation zerstören soll. Zu den rund 50 Männern von Kapitänleutnant Hellmuth von Mücke gehört auch ein ehemaliger Angehöriger der französischen Fremdenlegion. (Wikipedia, „SMS Emden“).

Von der Insel aus werden die 50 Mann Zeugen, wie die „Emden“ von dem australischen leichten Kreuzer „HMAS Sydney“ angegriffen und in einem Seegefecht so schwer beschädigt wird, dass Korvettenkapitän Karl von Müller die „Emden“ auf Grund setzt, um zu verhindern, dass das Schiff sinkt.

 

13 000 Kilometer von zu Hause
Das eigentliche Abenteuer der 50 „Männer der Emden“, das Berengar Pfahls Film erzählt, beginnt aber mit der Zerstörung der „Emden“ erst. Die Seeleute des Landungsunternehmens ergeben sich nämlich nicht, sondern treffen die Entscheidung, sich nach Deutschland durchzuschlagen, und das liegt 13 000 Kilometer entfernt.

Die Seeleute kapern ein verrottetes Segelschiff und machen sich auf den Weg. „Unterwegs verweigert das neutrale niederländische Sumatra die erbetene Hilfe. Also wieder raus auf hohe See durch alle feindlichen Linien! Ein deutsches Handelsschiff wird geentert und zur Tarnung als italienisches Schiff umdekoriert.

Schließlich gelingt die Landung an der Küste Arabiens. Auf einem gewaltsamen Marsch durch die Wüste geraten die Männer in einen Hinterhalt räuberischer Beduinen. Die ersehnte Heimat scheint auf einmal unerreichbar.“ („Die Männer der Emden“-Presseheft).

Dreharbeiten während der Tunesischen Revolution
Ein Abenteuer für sich waren auch die Dreharbeiten für die Produktion, denn eine Geschichte, „die auf dem Indischen Ozean beginnt, die in die unendlichen Wüsten Saudi Arabiens führt, die auf Sumatra im Dschungel und am Strand von Jemen spielt (braucht) Bilder für die große Leinwand“, wird Regisseur Berengar Pfahl im „Emden“-Presseheft zitiert.

So surrten die Kameras in Griechenland, in Sri Lanka, in Tunesien, auf Malta und schließlich in Wuppertal in der alten Stadthalle.

Regisseur Berengar Pfahl (links) drehte unter anderem in Sri Lanka und Tunesien. (Foto: www.liljestroem.com)

Regisseur Berengar Pfahl (links) drehte unter anderem in Sri Lanka und Tunesien. (Foto: www.liljestroem.com)

Besonders die Dreharbeiten in Tunesiendürften dem Team und den Darstellern in lebhafter Erinnerung bleiben, denn hier bekam die „Emden“-Crew die Ausläufer der Revolution Anfang 2011 mit. Regisseur Berengar Pfahl: „Zum Thema Tunesische Revolution … Ich war in diesem Moment als Produzent und weniger als Regisseur gefragt: Ist das zu verantworten, ist die Sicherheit noch gegeben? Insofern haben wir dann zunächst einmal unsere erfahrenen Mitarbeiter vorweg geschickt, um die Lage zu erkunden. Als ich das grüne Licht bekam, war das Thema Sicherheit zunächst einmal entschieden.“ („Die Männer der Emden“-Presseheft).

Spannend wurde es aber bereits bei der Einreise. Pfahl: „Wenn man sich vorstellt, dass wir mit historischen Waffen, also mit wassergekühlten Maschinengewehren, urtümlich aussehenden Geschützen, Karabinern und Säbeln vor dem Zoll von Tozeur standen, merkten wir bald, dass es sich um Praktika-Studenten handelte; die Zöllner waren alle davongejagt oder davongelaufen.“ Und diese Zoll-Praktikanten arbeiteten laut Pfahl „mehr aufgeregt als effizient“.

Pfahl weiter: „Dass dann schließlich der Film doch zustande kam, hatten wir unseren tunesischen Mitarbeitern zu verdanken, die mit viel Überzeugungsarbeit und langen arabischen Wortgefechten unsere Einreise möglich machten.“ („Die Männer der Emden“-Presseheft).

Und auch im Land selbst waren die Dreharbeiten alles andere als Routine. Michael Lott in einem Telefoninterview im März 2011: „Wir filmten mitten während des Umsturzes. Nachts haben wir die Schüsse gehört.“

Eine Szene aus "Die Männer der Emden" am Strand. Auch die Dreharbeiten waren ein Abenteuer. (Foto: die-maenner-der-emden.de)

Eine Szene aus „Die Männer der Emden“ am Strand. Auch die Dreharbeiten waren ein Abenteuer. (Foto: www.die-maenner-der-emden.de)

Von Sri Lanka bis Wuppertal
Ein weiterer Außendrehort war der Hafen von Piräus in Griechenland. Dort liegt das Museumsschiff „Averof“, ein gut erhaltenes Kriegsschiff aus der Zeit um 1914. Die „Averof“ diente laut Presseheft als Kulisse für enggefasste Szenen auf der „Emden“.

Auf und um Sri Lanka fand Berengar Pfahls Team die passenden Orte und Motive für Szenen, die auf dem Indischen Ozean, auf Cocos Island, Padang auf Sumatra und auf dem Strand des Jemen spielen.

Ein riesiger Wassertank auf Malta mit den Ausmaßen mehrerer Fußballfelder bot laut Presseheft die Möglichkeit, „einen Tropensturm mit Wellen, Sturm und Regen auf einem 1:1-Schiffsmodell zu inszenieren.“

In der Stadthalle von Wuppertal entstanden schließlich Szenen, die eigentlich einen halben Erdball entfernt in der früheren deutschen Kolonie Tsingtao in China spielen. (Wuppertal News)

„Die Stadthalle ist wahnsinnig schön und verwunschen. Sie führt wirklich in eine andere Zeit“, zitiert die Westdeutsche Zeitung Berengar Pfahl. „Sie ist genau in der Zeit entstanden, in der der Film spielt. Perfekt! Wir mussten kaum etwas umgestalten.“

 

Die Legende der „Emden“
Obwohl schon im ersten Jahr des Ersten Weltkriegs zerstört, wurde die „SMS Emden“ zur Legende. „Mit Beginn des ersten Weltkriegs wurde die ,Emden‘ zum selbständigen Handelskrieg in den Indischen Ozean entsandt. Dort konnte sie innerhalb von zwei Monaten 23 feindliche Handelsschiffe und zwei Kriegsschiffe versenken oder aufbringen.“ (Wikipedia „SMS Emden“).

Manche Unternehmungen der „Emden“-Crew lesen sich heute wie Erster-Weltkriegs-Versionen der Abenteuer von Horatio Hornblower („Des Königs Admiral“). So gelang es der „Emden“ am 28. Oktober 1914, als britischer Kreuzer getarnt, unerkannt in den Hafen von Penang auf der Malaiischen Halbinsel einzudringen. „Dort eröffnete sie das Feuer auf die Schiffe im Hafen und versenkte den russischen Geschützten Kreuzer ,Schemtschug‘ durch Torpedo- und Geschützfeuer. Auf dem Weg aus dem Hafen versenkte sie dann noch den französischen Torpedobootzerstörer ,Mousquet‘.“ (Wikipedia).

 

Die Darsteller der „Männer der Emden“
Die Hauptrollen in dem Film „Die Männer der Emden“ spielen Sebastian Blomberg als Hellmuth von Mücke, Ken Duken (Karl Overbeck), Jan Henrik Stahlberg (Friedrich von Schulau) und Oliver Korittke (Ulrich Kluthe). In weiteren Rollen spielen Sibel Kekilli, Felicitas Woll, Michael Lott, Peter Sodann, Wolfgang Winkler, Robert Glatzeder, Chlem van Houveninge und Norman Schenk.

 

Im Mark-Brandis-Universum steht in den Hörspielen unterdessen ein großer Wandel bevor. So geht es in unserem Beitrag am Mittwoch, 6. Februar, um „Mark Brandis am Wendepunkt“. Der Artikel geht abends online


Kategorie(n): Alles, Neu-VÖ, OT, Videos

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