Making of „Triton-Passage“ – Klangkulisse und Soundeffekte

(ez) – Vom Klang des Neptun-Mondes Triton über knarrendes und ächzendes Metall bis zum Geräusch eines Kaffeeautomaten reicht das Sound-Spektrum der neuen Mark-Brandis-Folge „Triton-Passage“. Im Interview über die Entstehung des Hörspiels hat Sounddesigner Jochim C. Redeker auch verraten, was eine Szene unheimlich macht und woran sich der verzerrte Lautsprecher-Klang der Jiàn fúcóng-Killer im hinteren Teil der Geschichte anlehnt.

 

Von Pfeilen des Gehorsams und Navigatoren
Im hinteren Teil der Geschichte finden sich die Hörer von „Triton-Passage“ unvermittelt in einem Science-Fiction-Thriller wieder. Killer einer unheimlichen Spezialeinheit der Republiken, der Jiàn fúcóng („Pfeile des Gehorsams“), machen Jagd auf die jugendliche Tuva Eidsvag. Und die Killer sind keine normalen Menschen.

Besonders bedrohlich und fremdartig wirken die feindlichen Agenten , weil sie sich in einer geheimnisvollen Sprache flüsternd verständigen, während die Übersetzung ihrer Worte knapp zeitversetzt metallen im Raum scheppert.

„Den Klang stelle ich mir vor wie in ,Der Wüstenplanet‘“, hatte Manuskript-Autor Balthasar von Weymarn seinem Cousin Jochim Redeker für das Soundkonzept gesagt. Dabei bezog er sich auf eine der ersten Szenen in dem SF-Klassiker „Der Wüstenplanet“ von David Lynch. Die in schwarze Mäntel gekleidete Vertreter der Weltraumgilde und einer ihrer schneckenähnlichen Navigatoren treten vor den Imperator, um ihn zur Rede zu stellen. Einer der Schwarzmäntel hält ein Mikrofon vor den Mund und spricht fremdartige Klänge aus, und eine Übersetzung seiner Worte klingt blechern durch den Raum. Noch metallener hört sich dann der unheimliche Navigator an.

Jochim Redeker zur kalten metallenen Stimme der Killer: „Da habe ich mit einem Vocoder-Effekt gearbeitet.“ Dadurch bekommen menschliche Stimmen etwas Roboter-haftes. Für das Flüstern der Jäger hat Redeker seine eigene Stimme in einer Phantasiesprache aufgenommen. „Dabei habe ich meine Stimme verstellt, sie später verzerrt und mit Effekten verfremdet.“

Die bedrückende Atmosphäre der Szene entsteht auch noch durch andere Klänge. „Man hört, wie die Schritte immer näher kommen, man hört, wie die Killer herumwühlen und wir hören Tuva, wie sie vor Angst den Atem anhält.“ Zusätzlich ist die Szene mit einem fast unmerklichen Drohnenklang unterlegt, der das bedrückende Klangbild ergänzt.

 

Ein totes Raumschiff
Als Mark Brandis und Lieutenant Wagner die hilflos im Neptun-Orbit treibende „Han Wu Ti“ betreten, galt es für Sounddesigner Jochim Redeker, die Szenerie „unheimlich und dunkel“ klingen zu lassen. „In unheimlichen Momenten brauchen wir auch einen unheimlichen Klang.“

Um das Chaos im Inneren der "Han Wu Ti" darzustellen, hat Jochim Redeker (Foto) viele Klänge vermischt.

Um das Chaos im Inneren der „Han Wu Ti“ darzustellen, hat Jochim Redeker (Foto) viele Klänge vermischt.

Zum einen besteht die Soundkulisse aus düsteren und leisen Synthesizer-Klängen, und die Schritte der Raumfahrer hallen durch die Gänge. Die ausgefallene Technik der „Han Wu Ti“ „mache ich durch ungleichmäßige Klänge deutlich.“ Es herrscht ein leises akustisches Chaos. Unter anderem ist bei Betreten des Schiffes ein seltsames Prickeln und Gluckern zu hören, wie unkontrollierte Flüssigkeit, die durch die Dunkelheit wabert.

 

Ein lebender Reaktor
Einen ungewohnt organischen Klang hat der Bioreaktor-Raum des Raumschiffes „Explorator“. Durch den Einsatz von Biomasse soll unter anderem die Luftaufbereitung verbessert werden.

Jochim Redeker: „Dieser Raum war ein akustisches Experiment. Balthasar wollte, dass er organisch klingt.“ Ein wichtiges Element des Klangs ist ein sehr langgezogenes hohles atemähnliches Geräusch. Redeker: „Das ist das Atemgeräusch durch eine Sauerstoffmaske, das ich sehr gestreckt habe.“ Das Schiff „atmet“ sozusagen. Darunter hat der Sounddesigner eine Art Puls gelegt. „Das könnte eine große Biopumpe sein.“

Etwas Fremdes bekommt die Akustik des Raumes, weil Redeker ihr einen leicht wabernden Klang gegeben hat. „Das klingt seltsam anders, als man es gewöhnt ist.“

 

Die Kälte des Triton
Auf dem Neptun-Mond Triton werden die Raumfahrer mit absoluter Dunkelheit und eisigen Temperaturen jenseits der menschlichen Vorstellungskraft konfrontiert, und eigentlich müsste die Szenerie stumm sein, denn auf dem Triton gibt es nicht genug Atmosphäre, um Klänge weiter zu tragen.

„Man kann so eine Szenerie im Hörspiel aber nicht nur durch Funkstimmen gut darstellen, zumal alle wegen der knappen Luft am Keuchen sind.“ So entschied sich Redeker – wider der physikalischen Gesetze – für volle Akustik.

Die tödliche Kälte und die Dunkelheit auf Triton werden unter anderem durch knirschendes Eis und Schritte auf Schnee deutlich. Unser Bild zeigt einen Ausschnitt aus dem Covermotiv von Alexander Preuss.

Die tödliche Kälte und die Dunkelheit auf Triton werden unter anderem durch knirschendes Eis und Schritte auf Schnee deutlich. Unser Bild zeigt einen Ausschnitt aus dem Covermotiv von Alexander Preuss.

Die Umgebung des erstarrten Eisklumpens Triton wird nun unter anderem durch Schritte deutlich, die Eis knirschen lassen und im Schnee scharren. „Der Klang besteht auch aus Schritten auf Dreck und Laub.“ Das knirschende Laub hat der Soundexperte vor einiger Zeit selbst aufgenommen, unter anderem für den Mark-Brandis-Zweiteiler „Pilgrim 2000“. „Für ,Triton-Passage‘ habe ich dann meine Schritte mit anderen Klängen gemischt.“

Als Lieutenant Wagner in eine Öffnung der Sonde kriecht, um ein Bauteil zu entfernen, wird die Akustik topfig, um klanglich deutlich zu machen, dass Wagner in einer Art Schacht herumwerkelt.

Das Grundkonzept des Triton-Sounds hat Redeker bewusst dem Klang der ersten Folge von „Vorstoß zum Uranus“ angelehnt. Auch hier bewegen sich Astronauten in Raumanzügen über die dunkle Oberfläche eines Mondes. „Bei ,Uranus‘ sind die Schritte aber stärker gedämpft, und der gesamte Klang ist statischer.“

 

Pfeifende Manöverdüsen
Kopfzerbrechen haben Jochim Redeker die hoch pfeifenden Manöverdüsen der „Explorator“ bereitet, mit denen sich die Crew aus dem Gravitationsschacht des Neptun zu retten versucht.

Redeker: „Die ursprüngliche Idee war ein permanenter Sound, weil die Dinger dauernd auf Höchstleistung laufen.“ Im Grunde ist ein langer störender Klang zwar richtig, weil ihn ja auch die Protagonisten der Geschichte ständig wahrnehmen, „aber wir wollen ja nicht, dass er auch die Hörer stört, wenn er sich gleich über mehrere Szenen hinzieht“.

So hat Redeker den Klang der Manöverdüsen nicht wirklich laut gemacht, seine Wirkung auf die Raumfahrer macht Mark Brandis aber in einem inneren Monolog deutlich.

Der Grundklang der Manöverdüsen ist die Aufnahme des Klangs in einem Kampfjet-Cockpit während des Fluges.

 

Schiebetüren und eine Schleuse
„Etwas Charakteristisches unserer Geschichten ist, dass sich die Leute häufig von einem Ort zum anderen bewegen“, verrät Jochim Redeker. So ist für „Triton-Passage“ auch wieder ein neuer Schiebetüren-Sound entstanden. Er ist immer dann zu hören, wenn die Raumfahrer an Bord der „Explorator“ von einem Raum in einen anderen wechseln. „Die Türen klingen inzwischen viel eleganter als die Türen der ,Delta VII‘ am Anfang der Serie. Die Welt wird moderner.“ Schmunzelnd fügt Redeker hinzu: „Ich glaube, es gibt keine andere Hörspielserie mit so vielen verschiedenen Türen wie bei uns.“

Dass es im Weltraum viel aufwändiger ist, von einem Schiff ins andere zu wechseln, als dies auf der Erste der Fall ist, wird in der Szene deutlich, in der sich Mark Brandis und Lieutenant Wagner in der Schleuse darauf vorbereiten, die „Han Wu Ti“ zu betreten. Da werden schweren Türen geöffnet und geschlossen, Luft zischt, Metall knarrt, Öffnungsmechanismen quietschen. „Das ist eine tolle Gelegenheit, die Abläufe durch Akustik zu zeichnen. Dadurch sollen unsere Hörer das Gefühl bekommen, mitten im Geschehen zu sein.“

Für den Schleusenvorgang hat Redeker viele mechanische Sounds genommen und miteinander verknüpft. Darüber hinaus entsteht durch Raumklang der akustische Eindruck eines Schleusentunnels.

 

Der Kaffeeautomat
Dass Mark Brandis ein leidenschaftlicher Kaffeetrinker ist, weiß das Publikum seit der ersten Folge „Bordbuch Delta VII“. Seit damals gehört der Klang eines Kaffeeautomaten zu den festen Bestandteilen der Serie. Jochim Redeker: „Da haben Balthasar und ich eines unserer Rituale in die Hörspiele übernommen.“

Seit den Anfängen ist Mark Brandis ein großer Kaffeefreund.

Seit den Anfängen ist Mark Brandis ein großer Kaffeefreund.

Seit den Anfängen hat er den Klang, bei dem einem unwillkürlich der Duft frischen Kaffees in den Sinn kommt, immer wieder variiert und weiterentwickelt. „Auf der ,Hermes‘ stand schon ein anderer Automat, als auf der ,Delta VII‘, und auf der ,Explorator‘ klingt der Kaffeeautomat wieder etwas anders.“

Mark Brandis bevorzugter Kaffee ist übrigens folgender: Ein großer doppelter Espresso in Milchschaum mit einem Schuss Muskat.

 

In unserem nächsten Beitrag greifen wir – pünktlich zum Kinostart am Donnerstag, 31. Januar – noch mal den neuen Film mit Mark-Brandis-Sprecher Michael Lott auf: „Die Männer der Emden“. Der Artikel geht am Mittwoch, 30. Januar, abends online.

Kategorie(n): Alles, Making Of

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