Making of „Triton-Passage“ – Das Manuskript

(ez) – In der Hörspielfolge „Triton-Passage“ blickt Titelheld Mark Brandis dem Tod direkt in die Augen, und er trifft eine Entscheidung, die sein weiteres Leben verändern wird. Für die Hörspielreihe markiert diese inzwischen 23. CD wiederum die Rückkehr zum ursprünglichen Erzählrhythmus vom Anfang der Serie: eine Geschichte erstreckt sich über eine CD, statt über zwei. Der Manuskript-Autor spricht über die Gründe für diese Entscheidung und gibt Einblicke in die Adaption des inzwischen über 30 Jahre alten Science-Fiction-Romans zu einem modernen Hörspiel. Dabei verrät er auch, warum die titelgebende „Triton-Passage“ im Hörspiel eine ganz andere ist als im Buch.

 

Eine neue „Triton-Passage“
„Im Buch ist die ,Triton-Passage‘ eine merkwürdige Raumregion, durch die nur ein Pilot, dem Mark Brandis nicht vertraut, einen Weg kennt“, erklärt Manuskript-Autor von Weymarn. In alter Seemannstradition von Mark-Brandis-Erfinder Nikolai von Michalewsky wird das Raumschiff „Explorator“ auf dem Weg entlang dieser Passage von Orkanen (hier: Sonnenstürmen) und gefährlichen Riffen (hier: Asteroiden) bedroht. Im weiteren Verlauf der Geschichte droht die „Explorator“ gar von einem riesigen Strudel (hier: einem Schwarzen Loch) verschluckt zu werden. Von Weymarn: „Das ist zwar spannend erzählt, aber in Bezug auf das Weltall unrealistisch.“
So stand er bei der Adaption des Romans vor der schwierigen Frage: Wenn ich Sonnenstürme, Asteroiden und das Schwarze Loch weglasse, was bleibt dann noch, um den Titel „Triton-Passage“ zu rechtfertigen?

Dabei rückte der Neptun-Mond Triton auf einmal in den Vordergrund. „Die ,Triton-Passage‘ ist jetzt eine bestimmte Wegekonfiguration, die ein Schiff zwischen den vielen Anziehungskräften der Neptun-Region fliegen muss, um zum Triton zu kommen.“ Dass auch dies lebensgefährlich ist, verdeutlichen ein paar wissenschaftliche Zahlen, die in dem Buch „Das Weltall: Planeten, Sonnen, Galaxien“ von 1984 zu finden sind:

Beeindruckender Schauplatz: Die Masse des Planeten Neptun ist etwa 17 Mal so groß wie die der Erde, und sein Mond Triton ist einer der größten Monde des Sonnensystems. (Foto: cosmographica.com)

Beeindruckender Schauplatz: Die Masse des Planeten Neptun ist etwa 17 Mal so groß wie die der Erde, und sein Mond Triton ist einer der größten Monde des Sonnensystems. (Foto: cosmographica.com)

Die Masse des Neptun ist mehr als 17 Mal so groß wie die der Erde, und Triton ist einer der größten Monde des Sonnensystems. Gleichzeitig umkreist Triton seinen riesigen Mutterplaneten auf einer näheren Umlaufbahn als der Erd-Mond die Erde. Die Entfernung beträgt durchschnittlich 355.000 Kilometer. Das heißt: die Kräfte, die auf Triton wirken, sind etwa 17 Mal so groß wie die Kräfte der Erde auf den Erd-Mond, und Triton rast quasi wie eine Kanonenkugel über den Neptun-Himmel. Weitere Kräfte gehen von Neptuns zweitem größeren Mond Nereid aus, der viel kleiner als Triton und viel weiter entfernt ist.

In dieser Raumregion gerät die „Explorator“ im Hörspiel nun in Gefahren, die realistischer sind als die im Buch beschriebenen. Es gibt sogar eine glaubwürdige Entsprechung von Michalewskys Schwarzem Loch. Als das unzuverlässige Haupttriebwerk der „Explorator“ versagt, droht das Schiff, in den gewaltigen Gravitationsschacht des Neptun gezogen und von den Kräften des Gasriesen zermalmt zu werden.

Im Anbetracht dieses beeindruckenden Schauplatzes entschied sich von Weymarn auch, den im Buch beschriebenen Flug zum Saturn und die Notlandung auf dem Saturn-Mond Phoebe abzuändern. Die Ereignisse finden nun alle am Neptun statt.

 SPOILERWARNUNG ▼

Die Crew der „Explorator“
Etwas zu geradeheraus gestrickt war Manuskript-Autor von Weymarn das im Roman geschilderte Verhältnis zwischen der Crew der „Explorator“ und Mark Brandis, der als Außenstehender – wie schon in „Sirius-Patrouille“ – mal wieder mit einer Mannschaft konfrontiert wird, die gegen ihn eingestellt ist. „Im Buch herrscht an Bord der ,Explorator‘ auch großer Schlendrian, und das ist der Grund, warum das Schiff in Not gerät. Das war mir zu moralisierend.“

Im Hörspiel sind nun Mark Brandis und die „Explorator“-Crew am Anfang vor allem durch langes Warten zermürbt, denn das Schiff ist inzwischen seit fast einem Dreivierteljahr im Weltraum, weil man hofft, den Ausbruch einer Hypernova beobachten zu können. Darüber hinaus können sich Brandis und Commander Elmar Busch persönlich nicht ausstehen, was zu Spannungen führt.

Eine kleine Hommage an die Science-Fiction-Serie „Firefly“ schrieb Balthasar von Weymarn in Gestalt der „Explorator“-Ingenieurin Lt. Catalina Minulescu. „Man erwartet in dieser Position eigentlich einen Scotty, und dann steht da plötzlich eine junge, agile kleine Frau.“ Die Entsprechung in „Firefly“ ist natürlich die fast immer ölverschmierte Kaylee (Jewel Staite), die die Technik der „Serenity“ in Schuss hält. Wer findet den zweiten Hinweis auf „Firefly“?

SPOILERWARNUNG ▼

Der Übergang zu Mark Brandis‘ Zukunft
„Etwa nach einer Stunde könnte die Geschichte theoretisch zu Ende sein“, verrät Mark-Brandis-Sounddesigner Jochim C. Redeker. „Doch dann bekommt sie noch mal einen ganz neuen Dreh.“ Hier bereiten die beiden Macher bereits den Übergang zum nächsten Hörspiel vor, das sehr viel in Mark Brandis‘ Leben verändern wird.

 

Die Abkehr vom Zweiteiler
Mit dem Hörspiel „Triton-Passage“ kehren die beiden Macher nach mehreren Jahren wieder dazu zurück, einen Roman auf einer einzigen CD zu adaptieren und nicht als Zweiteiler. Ausnahmen waren im Jahr 2011 lediglich „Aktenzeichen: illegal“ und „Operation Sonnenfracht“.

„Das hat mehrere Gründe“, so von Weymarn. „Zunächst gehen wir damit auf die Reaktion vieler Hörer ein, denen die erste CD eines Zweiteilers gelegentlich zu sehr Charakterstudie war.“ Da die Hörer nach bisher 22 CDs auch verstanden hätten, „wie Mark Brandis tickt“, seien so ausführliche Ausflüge in die Feinheiten seines Charakters auch nicht mehr erforderlich.

Die Neptun-Region spielt im Hörspiel "Triton-Passage" - hier das Cover von Alexander Preuss - eine viel größere Rolle als in der Romanvorlage.

Die Neptun-Region spielt im Hörspiel „Triton-Passage“ – hier das Cover von Alexander Preuss – eine viel größere Rolle als in der Romanvorlage.

Genau in dieser Phase trat auch das Label „Folgenreich“ an die INTERPLANAR-Produzenten mit dem Anliegen heran, den zeitlichen Modus der Veröffentlichungen zu ändern. Bisher war das alle vier Monate ein Zweiteiler. Die Lösung sieht nun folgendermaßen aus: statt zwei CDs alle vier Monate ist nun alle drei Monate eine CD vorgesehen, die aber eine ganze Geschichte erzählt.

Im Fall von „Triton-Passage“ hatte das auf die Lauflänge der Geschichte gegenüber einem Zweiteiler aber zuerst einmal kaum Auswirkungen. Von Weymarn schmunzelnd: „Als wir glaubten, fertig zu sein, war die Geschichte auf einmal deutlich zu lang für eine CD.“ So ging es dann daran, die Aufnahmen quasi Sekunde für Sekunde wieder mühsam zu kürzen. Das Ergebnis ist eine sehr dicht erzählte, knapp 80 Minuten lange Folge, die – wie schon „Aufstand der Roboter“ – die Kapazität einer CD bis zur letzten Sekunde ausnutzt.

 

In unserem zweiten Making-of-Artikel zu „Triton-Passage“ geht es um die Sprecher und um die Sprachaufnahmen. Der Beitrag geht am Mittwoch, 9. Januar, abends online.

Kategorie(n): Alles, Making Of

5 Antworten auf Making of „Triton-Passage“ – Das Manuskript

  1. Hallo,

    damit kann man also davon ausgehen, das der Blindflug zur Schlange nicht als Hörspeil veröffentlich wird ?!

    Gruß

    INTERPLANAR sagt:

    Das würde ich nicht sofort unterschreiben wollen.

  2. OK, da habe ich wohl voll daneben gelegen Smilie: :-)

  3. Mogelpackung Smilie: :-)

    Zwar ist das nur ein Ein-Teiler und wird mit dem Teil „Blindlfug zur Schlange“ fortgesetzt. Aber wie könnt Ihr nur die Folge mit einem derartigen Cliffhanger abschließen. Das ist ja schlimmer als bei den Doppelfolgen. Zwar weiß ich ja als Leser der Bücher, wie es weitergeht, aber Eure Umsetzungen weichen ja immer stärker vom Original ab.

    (Flehend) Sagt mir nur, WIE LANGE MUSS ICH WARTEN bis es weitergeht?

  4. Ich hab’s grad gesehen, man kann bei Amazon vorbestellen, Liefertermin 12. April 2013!

    Kann die Cover-Szene nur nicht mit einer Szene aus dem Buch in Einklang bringen. Lass mich überraschen.