OT: Die realen Vorbilder der Raumnotretter – Die Seenotretter in gefährlichem Einsatz (Teil 1)

(ez) – „Wenn die Not am größten ist…“, heißt es in der Präambel der neu gegründeten Raumnotretter, deren Vormann Mark Brandis ist („Raumposition Oberon„). Ohne Ansehen der Nationalität hilft die neutrale Gruppe Menschen, die im Weltraum in Gefahr schweben. -Reales Vorbild dieser Organisation ist die „Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger“ (DGzRS), die 2015 ihr 100-jähriges Bestehen feiern wird. Mark-Brandis-Erfinder Nikolai von Michalewsky war fasziniert von den Seenotrettern und verfasste mehrere Radiofeatures über sie und drehte einen Dokumentarfilm über ihre Einsätze für Radio Bremen. Ein Blick auf die Arbeit der Seenotretter und ihre Einsätze zeigt, dass sie nicht weniger heldenhaft agieren, als die fiktiven Raumnotretter um Mark Brandis. Sie stechen dann in See, wenn andere mit ihren Schiffen den sicheren Hafen anlaufen, und sie stehen unter widrigsten Umständen Menschen bei, die in Lebensgefahr schweben. „Wenn die Not am größten ist…“

 

Draußen bei Sturm, Donner, Blitz und Dunkelheit
Blitze zucken am dunklen Himmel über der Ostsee. Sturmböen peitschen das Wasser zu zwei Meter hohen Wellen auf, und draußen auf dem Meer treiben gekenterte und beschädigte Boote und Yachten. So stellte sich die Situation für die Seenotretter am 15. und 16. Juni 2013 dar. (www.seenotretter.de). Insgesamt retteten die Seeleute bei mehr als 40 Einsätzen an diesen beiden Tagen mehr als 70 Menschen, zum Beispiel vier 30 bis 35 Jahre alte Segler, deren zehn Meter langer Katamaran am Sonntag, 16. Juni, in einer Sturmbö bei Damp gekentert war.

Bei Menschen, die auf See in Not sind, gibt es keinen schöneren Anblick: Einen Seenotrettungskreuzer. (Foto: seenotretter.de)

Bei Menschen, die auf See in Not sind, gibt es keinen schöneren Anblick: Einen Seenotrettungskreuzer. (Foto: seenotretter.de)

Die Segler hatten sich bei gut zwei Meter hohen Wellen „zunächst auf die beiden Rümpfe des Katamarans“ gerettet“. Die Besatzung des Seenotrettungsbootes „Karl van Well“ nahm sie schließlich an Bord „und brachte sie sicher an Land“. Im Stationsgebäude bekamen die Erschöpften trockene Kleidung, Essen und Getränke. „Bis auf einen leichten Schock und Hautabschürfungen blieben die Segler unverletzt.“ (seenotretter.de).

Am gleichen Tag retteten die Leute des Seenotrettungsbootes „Werner Kuntze“ auch ein Ehepaar und seine zwei Kinder. Von ihrer Segelyacht war der Mast gebrochen. Die Bruchstücke hatten sich unter dem Schiff verfangen und am Grund verhakt. „Gerade noch rechtzeitig vor der nächsten Gewitterfront gelang es den Seenotrettern, mit einer Drahtschere das Rigg abzutrennen und damit größere Gefahr für die vierköpfige Crew zu verhindern. Die Yacht konnte aus eigener Kraft unter Motor Langballigau anlaufen.“ (seenotretter.de)

„Zu den besonderen Einsätzen des Jahres 2012 gehörten die Rettung zweier Schiffbrüchiger aus der sieben Grad kalten Nordsee nach dem Sinken ihres Bootes vor Norderney am 14. März 2012 und ein brennender Fischkutter vor Sylt am 22. März 2012.“ (seenotretter.de).

Die leuchtend orangene Kleidung ist charakteristisch für die Retter. (segelreporter.com)

Die leuchtend orangene Kleidung ist charakteristisch für die Seenotretter. (Foto: segelreporter.com)

Zu den aktuellsten Einsätzen der Seenotretter gehört die Rettung einer Segelyacht am Sonntag, 18. August 2013 vor Kühlungsborn. Um kurz vor 12 Uhr hatte der Skipper der Segelyacht Wassereinbruch gemeldet. Wenig später „verließ Vormann Rainer Kulack mit drei freiwilligen Seenotrettern den Hafen“, während die Seenotleitung Bremen bereits das in der Nähe des Unglücksorts fahrende Fährschiff „Peter Pan“ darum bat, ebenfalls zu helfen. Zeitgleich mit dem Seenotrettungsboot „Konrad Otto“ traf die „Peter Pan“ bei der Yacht ein. Der starke Wind, hohe Wellen und die im Wasser rollende Yacht machten es aber sehr gefährlich, die Yacht vor Ort auszupumpen, sodass Vormann Kulack schließlich entschied, die Yacht auf den Haken zu nehmen und in ruhigeres Wasser zu schleppen. Die „Konrad Otto“ „brachte Boot und Besatzung sicher nach Kühlungsborn“. (seenotretter.de).

Einen sehr ungewöhnlichen Nachtseinsatz bescherte ein übermütiger Schwimmer den Rettern am 15. August 2013. Der Mann aus Süddeutschland hatte sich vorgenommen, den Kubitzer Bodden an der Südwestseite Rügens zu durchschwimmen und war spurlos verschwunden. Seine Begleiter alarmierten die Seenotretter. Als die Crew der „Hertha Jeep“ auslief, wurde es bereits dunkel. „Der Bodden und die bewaldeten Uferbereiche waren nur noch mit starken Scheinwerfern“ zu erkennen.

Bei Dunkelheit suchte die Besatzung der "Hertha Jeep" (Foto) einen Schwimmer. (Foto: seenotretter.de)

Bei Dunkelheit suchte die Besatzung der „Hertha Jeep“ (Foto) einen Schwimmer. (Foto: seenotretter.de)

Nachdem die Retter den Mann auf der kleinen unbewohnten Insel Liebitz vermuteten, „manövrierte Vormann Günter Towara die ,Hertha Jeep‘ soweit wie möglich in die Nähe der von Flachwasser umgebenen Insel.“ Als sich auch auf Rufe, akustische Signale und Blinkzeichen niemand bemerkbar machte, „stiegen zwei Seenotretter im Überlebensanzug von Bord und wateten an Land. Mit einer Stablampe schlugen sie sich – umgeben von Mücken, die ,gefühlt so groß wie Libellen waren‘ – durch Gestrüpp, bis zu einem Pfad durch, über den sie zu den Gebäuden der Insel gelangten.“ Dort fanden sie den Schwimmer. In der Dunkelheit hatte er die Orientierung verloren und war an Land zurückgekehrt.

Dass das Meer aber auch seinen Tribut fordern kann, diese Erfahrung machten die Seenotretter vor rund einem Jahr am 8. August 2012. An diesem Tag waren vier Seenotkreuzer, 20 weitere Schiffe und mehrere Hubschrauber 14 Stunden lang im Einsatz, um einen über Bord gegangenen Seemann von einem Forschungsschiff in der Deutschen Bucht zu finden. Vergeblich!

 

Bedrohliche Situation – Schiffbrüchiger greift nach Pistole
Dass Gefahr manchmal nicht nur von der See droht, diese Erfahrung machte Vormann Jörg Bünting, der in einem Artikel der Serie „Kapitäne erzählen“ auf „spiegel.de“ von einer lebensbedrohlichen Situation während eines Einsatzes in der Nordsee berichtet.

Die Meldung „Mann über Bord“, die ein Ausflugsdampfer auf Butterfahrt abgegeben hatte, versetzte die Crew des Seenotkreuzers „Hermann Helms“ an einem Sommertag im Fährhafen von Cuxhafen in höchste Alarmbereitschaft. Bünting: „Innerhalb von drei Minuten sind wir einsatzbereit, die Motoren werden jederzeit vorgewärmt. Es kam schon vor, dass der Vormann im Schlafanzug losraste, weil er länger brauchte, um einsatzbereit zu sein, als sein Schiff.“ Das Ziel der „Hermann Helms“ war das Mündungsgebiet der Elbe auf Höhe von Tonne 44.

Als das Schiff vor Ort war, machte die Crew eine seltsame Beobachtung. Das Ausflugsschiff hatte zwar ein Beiboot ausgesetzt, um den Schiffbrüchigen zu retten, doch dieser schien sich gar nicht retten lassen zu wollen. Wenig später war der Schiffbrüchige, ein Mann Mitte 30, an Bord eines Beiboots der Seenotretter. Doch anstatt sich zu freuen, begann er nach Bünting zu schlagen und ihn zu beschimpfen. Der Vormann drückte den anderen auf den Boden des Beiboots.

Schließlich stieß auch die Polizei hinzu. Ein Beamter schaffte es, den Mann vorübergehend zu beruhigen, und so brachte man ihn an Bord der „Hermann Helms“. Doch damit war der Ärger nicht vorbei. „Im Abstand von Minuten bekam unser Passagier einen merkwürdigen Glanz in den Augen und flippte aus. Einmal versuchte er, sich loszureißen und nach der Dienstwaffe des Polizisten zu greifen. Ich schloss die Pistole lieber in der Kombüse weg, in den Brotschrank, um genau zu sein.“

In Cuxhafen wartete bereits ein Großaufgebot der Polizei am Kai. Bünting: „Die Einsatzkräfte trugen Helme, Protektoren und sogar Schienbeinschützer, als ginge es gleich gegen eine Horde Hooligans.“ Wie sich später herausstellte, stand der Schiffbrüchige unter dem Einfluss diverser Rauschmittel und war mehrfach vorbestraft wegen schwerer Körperverletzung, wegen Gewaltdelikten und wegen Raubes. (spiegel.de)

 

Das Unglück der „Ondo“
Als einen der spektakulärsten Einsätze in der fast 150-jährigen Geschichte der „Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger“ bezeichnen die Seenotretter auf ihrer Internetseite www.seenotretter.de die Rettung der Besatzung des englischen Dampfers „Ondo“ am 6. Dezember 1961. „Bei einem schweren Südweststurm mit Wind in Orkanstärke war die ,Ondo‘ (…) auf dem ,Großen Vogelsand‘ in der Elbmündung auf Grund gelaufen. (…) Lotsen hatten versuchten, an Bord der ,Ondo‘ zu gehen, um sie auf einen ungefährlicheren Kurs (…) zu bringen. Um die Männer nicht durch die Propeller des Schiffes zu gefährden, drehte die ,Ondo‘ und lief dabei (…) auf (…).“

Das Unglück der "Ondo" am 6. Dezember 1961 forderte die Seenotretter mehrere Tage. (Foto: seenotretter.de)

Das Unglück der „Ondo“ am 6. Dezember 1961 forderte die Seenotretter mehrere Tage. (Foto: seenotretter.de)

Schnell lief eine aufwendige und „mitunter gefahrvolle Rettungsaktion an. (…) Zum Teil versuchten die Seenotretter unter Einsatz ihres eigenen Lebens, Schlimmeres zu verhindern.“ Der Versuch, die „Ondo“ wieder frei zu schleppen, scheiterte. Der Kampf gegen die See und um die Rettung der englischen Besatzung dauerte am Ende sechs Tage. In dieser Zeit rettete die Mannschaft des Seenotkreuzers „Ruhr Stahl51 Engländer und 14 Deutsche. Drei Seeleute, die Lotsen, wurden Opfer des Nordsee.

Das Wrack der „Ondo“ liegt noch heute in dem Bereich, in dem das Unglück geschehen ist. „Überreste des Schiffs ragen bei niedrigem Wasserstand sichtbar aus dem Boden – als mahnende stumme Zeugen des größten Schiffsunglücks vor 50 Jahren.“ (seenotretter.de)

 

Im zweiten Teil unseres Artikels über die Seenotretter blicken wir auf die Entstehung ihrer Organisation und stellen mehrere der Menschen vor, die auf dem Meer dann eingreifen, „wenn die Not am größten ist…“ Der Beitrag geht am Mittwoch, 4. September 2013, abends online.

Kategorie(n): Alles, Hintergrund, OT

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