Making of „Ikarus, Ikarus“ – Das Manuskript

(ez) – Für das neue Mark-Brandis-Hörspiel „Ikarus, Ikarus“ hat sich Manuskript-Autor Balthasar von Weymarn zum ersten Mal in der Serie dafür entschieden, die Geschichten gleich mehrerer Roman-Vorlagen miteinander zu verschmelzen. „Im Grunde ist das Hörspiel ein Konglomerat aus ,Ikarus, Ikarus‘ und ,Countdown für die Erde‘“, verrät von Weymarn. In beiden Romanen spielen wichtige Teile der Geschichte auf einem Asteroiden. In „Countdown…“ ist es „Helin„, auf dem Brandis Überreste der verschollenen „Stella Polaris„-Expedition findet, im anderen Roman ist es der titelgebende „Ikarus„, den Bösewichte unter Kontrolle bringen wollen, um seine Diamanten-Vorkommen auszubeuten. Die Kombination beider Bücher bedeutet für Mark Brandis im Hörspiel nun eine böse Überraschung, die er gleich am Anfang der Geschichte erlebt…

 

Hitchcock grüßt
„Wer einen Blick auf die Sprecherliste wirft, ahnt bereits, wem Mark Brandis in der Geschichte wieder begegnen wird“, deutet von Weymarn an. Die Rede ist von der wahren Identität des zwielichtigen Piet Gumboldt, der auch in der Roman-Vorlage „Ikarus, Ikarus“ aus dem Jahr 1984 ein undurchsichtiges Spiel treibt. Dank der Kombination mit Elementen aus dem Roman „Countdown für die Erde“ stellt er für Mark Brandis im Hörspiel aber noch eine weit größere Gefahr dar.

Um die Spannung im Hörspiel über eine längere Strecke aufzubauen, greift von Weymarn in seinem Manuskript zu einem Mittel, das auch Thriller-Meister Alfred Hitchcock in seinen Geschichten gerne angewandt hat. Er verrät dem Publikum mehr, als die Protagonisten wissen.

SPOILERWARNUNG ▼

Von Weymarn weiter: „Es ist in etwa so, als zeigte Hitchcock zwei Menschen, die sich ganz unbekümmert an einem Tisch gegenübersitzen und sich unterhalten, und nur das Publikum weiß, dass unter dem Tisch eine Bombe tickt.“

 

Kein neues „Armageddon“
Kaum hat es Mark Brandis im Romans „Alarm für die Erde“ (1976) geschafft, den ausgebrochenen Kilimandscharo-Vulkan wieder zum Schweigen zu bringen,
muss er losfliegen, um eine noch größere Gefahr von der Welt abzuwenden, als radioaktiven Fallout. Der Asteroid „Helin“ fliegt auf die Erde zu. Bei einem Einschlag droht eine Apokalypse. In dem wenig später veröffentlichen Roman „Countdown für die Erde“ geht unter anderem darum, diesen Einschlag zu verhindern.

Im Hörspiel "Ikarus, Ikarus" finden sich auch Elemente aus dem Roman "Countdown für die Erde" wieder.

Im Hörspiel „Ikarus, Ikarus“ finden sich auch Elemente aus dem Roman „Countdown für die Erde“ wieder.

Die komplette Buch-Reihe im Blick, entschieden sich die Hörspielmacher nach der Vertonung der Kilimandscharo-Geschichte („Operation Sonnenfracht“ und „Alarm für die Erde“) für eine andere Reihenfolge. Es sollte nicht ein Katastrophen-Szenario auf das nächste folgen. Darüber hinaus wollte Manuskript-Autor von Weymarn verhindern, mit einer Adaption von „Countdown für die Erde“ nur eine Art Hörspiel-Fassung des Michael-Bay-Krawallfilms „Armageddon“ zu schreiben.

Trotzdem gibt es Elemente in der „Countdown…“-Geschichte, die von Weymarn in den Hörspielen nicht verschenken wollte. So stellte er schon im Frühsommer 2011 erste Überlegungen an, diese Elemente in die Adaption der späteren Asteroiden-Geschichte „Ikarus, Ikarus“ mit einzuweben. Von Weymarn: „Ich stellte mir die Frage: Was finde ich an beiden Asteroiden-Geschichten am interessantesten? Also habe ich mich hingesetzt und mir alles aufgeschrieben, was ich gerne unterbringen wollte.“

 

Begegnung mit der Vergangenheit
Ein Schlüssel-Element aus dem Roman „Countdown für die Erde“ sind die Überreste der verschollenen „Stella Polaris“-Expedition von Igor Rublew, die Brandis auf dem Asteroiden findet. Sie ist ein wichtiger Teil seiner eigenen Geschichte: „,Stella Polaris‘ hat im Mark-Brandis-Universum in etwa die Bedeutung wie ,Apollo 11‘ für uns. Die Expedition verschwand aber, und um sie zu retten, ordnete der junge Mark Brandis einen überhasteten Start an, bei dem es zur Katastrophe kam.“

Genau diese Katastrophe ist der Grund, warum Brandis zu Beginn der ersten Geschichte „Bordbuch Delta VII“ vom Commander zum Captain degradiert ist. Zudem liegt bei ihr auch der Grund, warum Brandis‘ Verhältnis zu Robert Monnier ab „Verrat auf der Venus“ (Folge 2) so angespannt ist. Damals starb ein gemeinsamer Freund, für dessen Tod Monnier Brandis verantwortlich macht (im Hörspiel hieß der Freund Alec). Zudem hat Monnier seit damals Brandnarben im Gesicht, die ihn ständig an diesen Tag erinnern.

 

Rohstoffe auf einem Asteroiden
Das Element, das von Weymarn am Roman „Ikarus, Ikarus“ am meisten fasziniert, ist die geplante Verlagerung des Rohstoff-reichen Asteroiden „Ikarus“, der die Begehrlichkeiten des zwielichtigen Piet Gumboldt weckt. Über Szenarien, Rohstoffe von Asteroiden zu gewinnen, denken Wissenschaftler bereits seit Jahrzehnten nach. So ist zum Beispiel in dem Time-Life-Buch „Die Kolonisierung des Weltraums“ aus dem Jahr 1991 zu lesen: „Ein Asteroid mit hohem Metallgehalt, der sich in einer Parkbahn um die Erde befindet, wäre nicht nur für die Raumfahrtindustrie, sondern auch für die Energieversorgung unseres Planeten ein Segen. Bei den derzeitigen Verbrauchszahlen könnte ein einziger Brocken von ungefähr einem halben Kubikkilometer 15 Jahre lang den gesamten Weltbedarf an Stahl decken und den Planeten obendrein mit Nickel für die nächsten 200 Jahre versorgen.“

Im neuen Hörspiel "Ikarus, Ikarus" kommt Mark Brandis auf einem Asterioden den Plänen des zwielichtigen Piet Gumboldt in die Quere.

Im neuen Hörspiel „Ikarus, Ikarus“ kommt Mark Brandis auf einem Asterioden den Plänen des zwielichtigen Piet Gumboldt in die Quere.

In „Ikarus, Ikarus“ sind es Diamanten auf dem Asteroiden, die die Gier der Menschen wecken. Für das Hörspiel baut von Weymarn das Szenario aber weiter aus. Es geht nun um viel mehr, als um den größten Diamanten-Raub in der Geschichte der Menschheit, denn es gibt einen tieferen Grund, warum der Schurke hinter so vielen Diamanten her ist.

Im Hörspiel bittet VEGA-Direktor John Harris die Raumnotretter um Mark Brandis darum, auf dem „Ikarus“-Asteroiden nach dem Rechten zu sehen. Der Asteroid soll in eine Umlaufbahn um den Mond verlegt werden. Dort kommen sie dann dem Schurken in die Quere, der auf dem „Ikarus“ bereits angefangen hat, seinen Plan in die Tat umzusetzen.

 

Hitchcock grüßt wieder – Ein MacGuffin
Durch die Verdichtung wichtiger Elemente aus zwei Romanen wird Mark Brandis auf dem „Ikarus“ nun mit wesentlich mehr konfrontiert, als mit einem Bösewicht und einem Diamanten-Raub. Dazu baut Balthasar von Weymarn auch die Mythologie der verschollenen „Stella Polaris“-Expedition aus.

SPOILERWARNUNG ▼

 

Blick in die Zukunft
Wie Hörspiel-Macher Balthasar von Weymarn verrät, spielen die Ereignisse aus dem Hörspiel „Ikarus, Ikarus“ für die weitere Entwicklung der Mark-Brandis-Gesamtgeschichte eine entscheidende Rolle. Über alles Weitere möchte er aber nur Andeutungen machen. „Wer die Romane kennt, wird wissen, dass sich aus ,Ikarus, Ikarus‘ zwangsläufig bestimmte Folge-Geschichten ergeben müssen.“

Den Roman "Ikarus, Ikarus" hat der Wurdack-Verlag neu veröffentlicht.

Den Roman „Ikarus, Ikarus“ hat der Wurdack-Verlag neu veröffentlicht.

Insgesamt seien er und sein Cousin und Mit-Produzent Jochim C. Redeker inzwischen bei der Auswahl jener Romane angelangt, die aus der Mark-Brandis-Reihe noch vertont werden können, „und da die Zahl der Bücher begrenzt ist, ist sicher auch jedem klar, dass Mark-Brandis keine Endlos-Serie werden kann“.

Bis zum Finale wird Mark Brandis aber noch einige Abenteuer bestehen, und die Hörer werden noch so manche Überraschung erleben.

 

Im zweiten Teil unserer Making-of-Berichte zum neuen Hörspiel „Ikarus, Ikarus“ beschäftigen wir uns mit den Sprechern und den Sprachaufnahmen in Berlin, Hamburg und Hannover. Der Artikel geht am Mittwoch, 9. Oktober 2013, abends online. Nur zwei Tage später, am Freitag, 11. Oktober 2013, steht das neue Hörspiel dann in den CD-Regalen.

Kategorie(n): Alles, Hintergrund, Making Of

3 Antworten auf Making of „Ikarus, Ikarus“ – Das Manuskript

  1. OK,
    dann geht es also mit dem Metropolis-Konvoi weiter

  2. OK, Mission erfolgreich. Ich will die CD haben. Sie habe mit Ihrer offenen Art der Kommunikation und mit Infos über die Hintergründe der Produktion noch mehr Spannung aufgebaut und meinen Willen – und die Vorfreude – noch verstärkt. Und ja, ich konnte mich zurückhalten und habe noch nicht auf die Spoiler geklickt, auch wenn es schwer fiel … Smilie: :-)

    Bei einem Blick auf die Liste der noch nicht vertonten Romane wird die Auswahl tatsächlich langsam klein. Dazu zwei Fragen: werden die drei Bände „Vargo-Faktor“, „Astronautensonne“ und „Planetaktion Z“ bewusst und dauerhaft ausgelassen oder wurde nur die Reihenfolge geändert und sie sind später noch geplant? Und wird der erste Band der geplanten Nachfolgeserie, „Ambivalente Zone“, zumindest mit in die Planung der übrigen Hörspiele einbezogen? Ich kenne die Bücher selbst nicht, vielleicht ist das schon wegen des Inhalts gar nicht möglich. Aber ich würde mich auf jeden Fall freuen, wenn noch so viele Mark-Brandis-Hörspiele wie möglich veröffentlicht werden. Jedes erste Durchhören einer CD ist hier ein wahres Fest.

  3. @Flinx: Wieso? Was ist mit Pandora-Zwischenfall? Wie gesagt, ich kenne die Bücher nicht. Könntest du das kurz erläutern?