OT: Die realen Hintergründe von „Metropolis-Konvoi“ (Teil 3) – Das Ende der Hungersnot?

(ez) – In dem Mark-Brandis-Hörspiel „Metropolis-Konvoi“ hat der Staub eines zerstörten Asteroiden eine weltweite Hungersnot ausgelöst. Folgt man manchen Prognosen, sind für das baldige Ende der Menschheit gar keine äußeren Einflüsse nötig. Das Buch „Zukunft – Das Bild der Welt von morgen“ malt in seiner Einführung eine düstere Entwicklung. „Wenn die gegenwärtigen Trends unverändert anhalten“, so die Forscher des Massechusetts Institute of Technology, „dann wird ein großer Teil der Weltbevölkerung die vor uns liegenden 100 Jahre nicht überleben. (…) Fünf Entwicklungen bedrohen die Existenz im Raumschiff Erde: Bevölkerungsexplosion, rücksichtslose Industrialisierung, zunehmender Nahrungsmangel, schrumpfende Rohstoffvorräte und Vergiftung der Umwelt.“ Diese Prognose stammt aus dem Jahr 1972. Ideen, um diese Entwicklungen umzukehren oder zumindest zu verlangsamen, gibt es viele.  In unserem heutigen Artikel geht es um Ideen, wie die Menschheit in Zukunft ernährt werden könnte.

 

Fleischloses Fleisch
„Seit wann gibt es SOWAS denn wieder?“ Diese verwunderte Frage stellt Grischa Romen im ersten Teil des Hörspiel-Zweiteilers „Die Vollstrecker“, als ihm Mark Brandis eine Currywurst in die Hand drückt. Die Antwort seines Freundes: „Seit man entdeckt hat, dass man das Wurstverbot mit dieser Mischung aus Tofu und Algen unterlaufen kann. Und es schmeckt wie echte Brühwurst.“ Daraus solle demnächst „die halbe rationierte Nahrung für Metropolis hergestellt werden“, erklärt Brandis weiter.

Dieses Fleisch stammt nicht von einem Tier. (Foto: zeit.de)

Dieses Fleisch stammt nicht von einem Tier. (Foto: zeit.de)

Mit dieser kurzen Szene deutet das Hörspiel eine Zukunftsidee an, an der Forscher bereits seit Jahrzehnten arbeiten: Fleisch, das gar nicht mehr aus Fleisch besteht, oder das zumindest nicht mehr von lebenden Tieren stammt. Die Aufzucht von Tieren zum Verzehr verbraucht auf lange Sicht nämlich zu viel Ressourcen. Der Artikel „Burger aus Petrischalen“, der auf rundschau-online.de am 10. August 2013 erschienen ist, macht das Problem deutlich: „Der Anbau der Futterpflanzen benötigt sehr viel Wasser – das vielen Menschen auf der Welt fehlt. 15 455 Liter Wasser sind für die Produktion von einem Kilo Rindfleisch nötig. Außerdem wird das Grundwasser aufgrund der Massentierhaltung mit Nitraten und Phosphaten aus Gülle und Dünger und mit Antibiotika belastet.“ Von dem 2011 in Deutschland geernteten Getreide seien nur 46 Prozent  als Lebensmittel verwendet worden. „Der Rest diente als Tierfutter, Sprit und Industrierohstoff.“

Texturiertes Soja zum Panieren und als "Gulasch". (Foto: wikipedia.org)

Texturiertes Soja zum Panieren und als „Gulasch“. (Foto: wikipedia.org)

Mehrere Lösungen, die Wissenschaftler schon Anfang der 1970er Jahre vorgestellt haben, erläutert das Buch „Zukunft – Das Bild der Welt von morgen“ (Bertelsmann, Ausgabe von 1975). Erstes Beispiel: „künstliches Fleisch, aus Sojabohnen-Protein gezaubert. Um das Kunstfleisch kau-echt zu machen, wird das Protein wie im Muskel zu Fäden versponnen.“ Das Protein werde durch das Hinzufügen fehlender Stoffe (Aminosäuren) so veredelt, „als käme es aus der Rinderlende“. So seien schon damals mehr als zwei Dutzend Kunstfleisch-Arten in Amerika auf den Markt gekommen, „vom feingesponnenen Steak bis zum duftenden Schinken ist alles synthetisch zu haben“.

Zweites Beispiel: Fleisch aus Eiweiß, das von Mikroben erzeugt wird. „Die Mikro-Wesen haben hervorragende Mastvieh-Eigenschaften. Ein zehn Zentner schwerer Ochse erzeugt an einem Tag nur ein Pfund Fleisch. Zehn Zentner Mikroben produzieren in derselben Zeit 2500-mal sowie Eiweiß. Und sie brauchen noch dazu kein wertvolles Futter.“ Laut Buch habe man das damals in zwei großen Fabrikanlagen in Frankreich und Schottland bereits umgesetzt. Dort seien Mikroben „mit dem letzten Abfall“ aus Erdöl gefüttert worden, so genannten N-Paraffinen. „Allein die Anlage in Lavera bei Marseille liefert jährlich so viel  Protein wie 80 000 Zwei-Zentner-Mastschweine.“ An der Umwandlung des Mikroben-Proteins in Steaks und Koteletts sei laut Buch bereits in den 1970er Jahren gearbeitet worden.

Eine andere Art, Fleisch herzustellen, hat im August 2013 der Wissenschaftler Mark Post, Professor für Gefäß-Physiologie und Gewebezucht an der niederländischen Universität in Maastricht, vorgestellt. Vor den Augen der Welt servierte er in London der österreichischen Lebensmittelforscherin Hanni Rützler und dem US-Ernährungsautor Josh Schonwald einen 140 Gramm schweren Hamburger mit Fleisch, das im Labor entstanden ist. „Die Konsistenz sei perfekt, aber sie hätte sie sich saftiger und würziger gewünscht, urteilte Rützler über die Frikadelle, die den Beginn ein neuen Zeit symbolisieren könnte.“ (rundschau-online.de).

Per Biopsie hatten Mark Post und sein Team Stammzellen aus dem Muskel einer Kuh entnommen. Die Zellen gaben sie in ein Nährmedium, in dem sie sich selbstständig teilten und zu Muskelgewebe entwickelten. Aus diesem Muskelgewebe bestand der Burger am Ende. 20 000 winzige Fleischstreifen wurden so herangezogen und anschließend mit Salz, Eierpulver und Paniermehl zu einer Boulette gepresst. Für die richtige Farbe sorgte ein Saft aus Roten Rüben und Safran, „da die Zellen nicht wie im Tier rotes Myoglobin produzieren“. (rundschau-online.de)

Für die Wissenschaftler ist das eine echte Zukunftsvision: „Fleisch, das nicht nur aussieht und schmecken soll wie echtes Fleisch; Es ist echtes Fleisch – nur, dass dafür kein Tier sterben musste (…) .‘“ (rundschau-online.de). Laut Artikel war der Mark-Post-Burger allerdings noch relativ teuer. Er habe umgerechnet etwa eine viertel Million Euro gekostet.

 

Erschließung der Meere
Von einer Erschließung der Meere bis hin zur Erschaffung unterseeischer Kulturlandschaften träumten die Wissenschaftler Anfang der 1970er Jahre, wie aus dem Buch „Zukunft – Das Bild der Welt von morgen“ hervorgeht. „Sinnvoll bebaut, könnten die Ozeane nach Berechnungen des sowjetischen Meeresforschers Prof. Vitali Stepanow so viel Nahrung produzieren, dass 240 Milliarden Menschen davon satt werden würden“, heißt es darin.

Gleich vorn am Ufer beginne das Gebiet der Fischfarmen. Weiter entfernt im offenen Meer stellten sich die Wissenschaftler Fischmast-Anlagen vor. „Dort werden (…) große Gebiete nicht mit Netzen, sondern mit Vorhängen aus künstlichen Wasserblasen oder elektrischen Feldern abgesteckt.“ So sei es möglich, „Fische in gigantischen Koppeln zu hüten“. („Zukunft – Das Bild der Welt von morgen“). Die U-Viehzucht würde durch Unterwasser-Ackerbau ergänzt.

Erfahrungen mit Fischfarmen gab es bereits damals. „In der Kieler Bucht (…) hat das Institut für Meereskunde Unterwassergehege für Steinbutte angelegt. Die Fische werden in ,Käfigen‘ aus Perlon gehalten. Taucher überwachen die Farm, entfernen Seesterne, die den Fischen die Nahrung stehlen könnten, und vernichten räuberische Fischeindringlinge. In Amerika unterhält die ,Downsea Farms‘ erste kommerzielle Gehege. Ihre U-Farmer machten (in einem Jahr) mehr als 100 000 Lachse schlachtreif. Den Japanern gelang es, in abgesteckten Netzbehältern eine Garnelenzucht zu errichten.“ („Zukunft – Das Bild der Welt von morgen“).

Manche dieser Zukunftsvisionen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten relativiert. Inzwischen weiß man, dass Fischfarmen eine Gefahr für das Ökosystem sein können, denn Futter, das hier verbraucht wird, wird anderen Meeresbewohnern entzogen. „Das Futtermittel Fischmehl stammt aus geschredderten Riesenschwärmen von Anchovis oder Sardinen“, steht in dem Artikel „Labor-Fleisch und Gen-Reis: Bei Nahrungsmitteln muss die Welt jetzt umdenken“ auf welt.de (16. Januar 2012). Darüber hinaus müsse das Fischmehl über Tausende Kilometer transportiert werden.

Ein Lösungsversuch: „ (I)n der Fischzucht versucht sich die Wissenschaft daran, Raubfische (die Menschen als Speise bevorzugen) zu Vegetariern zu erziehen“. (welt.de)

 

Von Farm-Fabriken zu Urban-Farming
Wie sehr sich die Vorstellungen von einer zukünftigen Nahrungsmittel-Produktion im Laufe von 40 Jahren gewandelt haben, wird an zwei Beispielen deutlich. In den Szenarien in dem Buch „Zukunft – Das Bild der Welt von morgen“ von 1975 dominiert die

Vertical Farming heißt diese Zukunftsvision der Landwirtschaft. (Foto: wwf-jugend.de)

Vertical Farming heißt diese Zukunftsvision der Landwirtschaft. (Foto: wwf-jugend.de)

Industrialisierung der Landwirtschaft. Um Witterungseinflüssen zu entgehen, müsse der Ackerbau unabhängig werden von den vorgegebenen Bedingungen der Natur. In einem Groß-Versuch habe die Universität Arizona in Tucson riesige Plastik-Hüllen mit idealen Umwelt-Bedingungen für Nutzpflanzen erschaffen. „Ergebnis: Gurkenpflanzen wuchsen drei bis vier Meter hoch, Tomaten trugen zehnmal soviel, Reiserträge verdoppelten sich, Hirse erbrachte fast viermal soviel als auf dem freien Feld.“ -Die Nachteile: Es sind alles Treibhaus-Pflanzen, und eine künstliche, gesteuerte und kontrollierte Umgebung verbraucht Unmengen an Energie.

Der Artikel „Burger aus Petrischalen“ auf rundschau-online.de beschreibt einen aktuellen Trend, der extrem weit von der Farm-Fabrik entfernt ist: Urban-Farming. Gemeint ist die Nutzung von Nachbarschafts-Gärten oder „gemeinschaftliche Landwirtschaft.“ Dadurch lernten Menschen auch wieder mehr über ihr Essen.

 

Gen-Reis und Insekten-Steak
Ungebrochen sind die Bestrebungen der Wissenschaft, Nutzpflanzen widerstandsfähiger und ertragreicher zu machen. Das Buch „Zukunft – Das Bild der Welt von morgen“ beschrieb schon vor rund 40 Jahren einen Erfolg des sowjetischen Pflanzengenetikers Prof. Moschtow. Dieser hatte eine Pflanze entwickelt, die halb Kohl, halb Rettich ist. „Bei dem neuen Gemüse sind sowohl Wurzeln als auch die Blätter essbar.“

Genetische veränderter Golden Rice (hinten im Bild) und herkömmlicher Reis. (Foto: wikipadia.org)

Genetische veränderter Golden Rice (hinten im Bild) und herkömmlicher Reis. (Foto: wikipadia.org)

Der Artikel „Labor-Fleisch oder Gen-Reis“ auf welt.de von 2012 berichtet wiederum von genetisch verändertem Reis auf den Philippinen, der mit mehreren zusätzlichen Erbanlagen viele Vitamine produziert, „um die Menschen so mit wichtigen Nährstoffen zu versorgen“.

 

Die Welternährungsorganisation FAO predigt laut welt.de einen weiteren Weg im Kampf gegen den Hunger: „Insekten essen statt Fleisch und Fisch“. Heuschrecken und Würmer seien „hervorragende Proteinquellen“, so der Artikel „Burger aus Petrischalen“ auf rundschau-online.de. „Doch auch wenn mancherorts die proteinhaltigen Heuschrecken, Kakerlaken oder Spinnen als Delikatesse gelten – bis große Industrienationen sechs- oder achtbeinige Krabbeltiere als Essen akzeptieren, dürfte noch viel Zeit vergehen.“ („Labor-Fleisch oder Gen-Reis“, welt.de, 16. Januar 2012).

 

In unserem Beitrag am Sonntag, 9. März 2014, beschäftigen wir uns weiter mit dem Thema Hunger. Diesmal beleuchten wird das Thema bei Utopien und Dystopien in Science-Fiction-Geschichten. Der Artikel erscheint abends auf unserem Blog.

Kategorie(n): Alles, Hintergrund, OT

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