Die nichtvertonten Bücher – erklärt

Aus einem früheren Beitrag:

Bei der Umsetzung der Reihe „MARK BRANDIS — Weltraumpartisanen“ hatten wird sorgfältig darauf geachtet, nicht zu früh bekannt zu geben, in welcher Reihenfolge wir welche Bücher vertonen würden. Das hatte mehrere Gründe; einer davon war, dass bestimmte dramaturgische Bögen sich im Hörspiel anders entwickeln können sollten als im Buch. Da nun im Jahr 2015 das Ende der ersten Serie näherrückt, geben wir erstmals die Liste der Bücher bekannt, die wir dann nicht vertont haben werden.

Und hier ein paar Hintergründe zu den Entscheidungen, warum bestimmte Bände nicht vertont sein werden:

  • Salomon 76

    Ein letztes Mal bewegten sich die Lippen des großen, alten Wissenschaftlers. Sie formten den Todesspruch für seinen vom Wahnsinn befallenen Sohn: »SALOMON 76 erläßt Haftbefehl gegen SALOMON 76!«
    Ich schrieb. Es war, als ob man eine Schreibmaschine bediente. Buchstabe für Buchstabe formte sich das tödliche Programm. Wirklich tödlich – oder war SALOMON 76
    intelligent genug, die List zu durchschauen? Noch während ich schrieb, erwachte Metropolis I zum Leben. Die roten, grünen und blauen Lämpchen leuchteten auf, und eine scheppernde Stimme wiederholte bestätigend Silbe um Silbe das eingefütterte Programm: »SA LO MON SECHS UND SIEB ZIG ER LÄSST HAFT BE FEHL GE GEN SA LO MON SECHS UND SIEB ZIG!«
    Die Stimme verstummte, die Lämpchen erloschen. Metropolis I fiel in sein Schweigen zurück. Und weiter? Für diesen einen lächerlichen Satz hatten wir uns bis in das Herz der Festung vorgekämpft? Ich beugte mich über Professor Kalaschnikow. »Ist das der ganze Code? Antworten Sie, Professor! Ist das der ganze Code?«
    Professor Kalaschnikow schwieg. Er war gestorben, während ich mir am Computer zu schaffen machte – gestorben zu Füßen seiner mißratenen Schöpfung. Langsam, erschüttert ließ ich ihn zurücksinken. Triumph oder Niederlage – weder das eine noch das andere rührte ihn mehr.
    Als ich mich aufrichtete, sah ich, daß sich Metropolis l in Rauch gehüllt hatte. Anfangs wollte ich es nicht glauben. Aber die Rauchschwaden, die aus dem Computer hervorquollen, wurden dichter und dichter.

    Bei Salomon 76 war das Problem, dass ich beim besten Willen auf keine gute Idee kam, wie diese Auflösung des Dramas rund um Computerjustiz (die mich ein wenig an „Raumschiff Enterprise“ – Episoden wie „Computer M5„, „Der dressierte Herrscher“ oder „Ich heiße Nomad“ erinnerte) in einem heutigen Hörspiel umgesetzt werden könnte, ohne unglaubwürdig zu werden — oder die Einfachheit der poetischen Achillesferse zu verlieren (komplizierte Hackerplots wären an der Brandis-Idee mMn vorbeigegangen).

  • Kurier zum Mars

    Mark Brandis erhält den Geheimauftrag, zum Mars zu fliegen und dort der Militärgarnison den Befehl zu geben, die Produktion der Flobs (unbemannte Zerstörer des Typs Taurus, ausgerüstet mit menschlichen Hirnen) zu beenden, da diese der Raumflotte immer mehr Probleme bereiten. Von den Flobs gejagt gelingt es Mark Brandis nur knapp, ans Ziel zu kommen und muß dort bemerken, daß sich die Garnison wie die Flobs auf eine Entscheidungsschlacht vorbereiten. Da jeglicher Rückzug vom Mars utopisch erscheint, stellt sich Mark Brandis den Flobs zum Kampf.

    Hier klemmte es für mich zum Einen bei den Fragen des technischen Fortschritts, den die Hörspielserie bereits etabliert hatte: über die Urania-Satellitenkette waren Nachrichtenübertragungen bereits überlichtschnell möglich, wie sollte da eine Nachrichtenübertragung zu unserem nächsten Nachbarplaneten nicht mehr möglich sein? Dies war im Buch der Grund, weswegen überhaupt ein Schiff unter dem Kommando unseres Helden losgeschickt wurde. Zum Anderen hatte ich den Mars als Kolonie den Republiken zugeschrieben, damit die Raumüberlegenheit der EAAU nicht so umfassend erscheinen würde. Zudem war die Frage der künstlichen Gehirne, die die Technik der FLOBs und MOBs in dem Zyklus bestimmte, für mich mit den „Homines Facti“ eigentlich umfassend abgearbeitet –> dies auch ein Grund, weswegen die Haupthandlung von „Countdown für die Erde“ unberücksichtigt blieb.

  • Der Spiegelplanet
    –> siehe Entstehungsgeschichte
  • Astropolis
    Die Geschichte war mir zu ähnlich im Vergleich zu „PILGRIM 2000„.
  • Vargo-Faktor
    Autsch. Selbst hartnäckige Brandis-Aficionados haben mit diesem Buch und seinen … Freiheiten im Bereich der Physik ihre Probleme. Ich habe da einfach kapituliert.
  • Astronautensonne
    Die Versonnung eines Saturnmondes (warum eigentlich ein Mond und nicht der Planet Saturn selbst?) liegt ohnehin sehr nah an der Handlung des Arthur C. Clarke-Epos „2010“. Entscheidender für das Nein aber war für mich die Frage, wie die Strahlung der entstehenden Sonne (bei einer immerhin sich alle 24 Stunden um sich selbst drehenden Erde) denn bitte ausschließlich VOR-Territorien betreffen können sollte … Habt Ihr eine Idee?
  • Die Eismensch-Verschwörung

    Endlich wird der mehrfache Mörder Friedrich Chemnitzer dem Tode überführt. Doch keiner ahnt, daß er von seinen Gefolgsleuten auf dämonische Weise wiederbelebt wird: und zwar in Gestalt des Homats, eines gestaltwandelnden Retortenmenschen von ungeheurer Kraft, dessen einzige Schwäche die Wärme ist.

    Ein Schneemann als Schurke? Wie sollte man das im Hörspiel darstellen?

Kategorie(n): Alles, Hintergrund, Schreibtischgedanken

13 Antworten auf Die nichtvertonten Bücher – erklärt

    Jürgen Vorreiter sagt:

    Computerprogramme werden niemals richten oder wenn doch, dann wird (hoffentlich) eine menschliche Jury das von einer Logik gefällte Urteil überprüfen und entweder bestätigen, abwandeln oder verwerfen. Somit bleibt SALOMON 76 eher die Rolle eines Ressourcenlenkers/-entscheiders und Staatsanwalts.
    Metropolis leidet Hunger. SALOMON 76 soll eigentlich Schwarzmarkthändler, die die Not ausnutzen, ausfindig machen und anklagen. Um die von den Schwarzmarkthändlern beschlagtnahmten Lebensmittel gerecht zu verteilen, gibt SALOMON 76 auf Grundlage, ob es Grundnahrungsmittel oder Luxusartikel (z. B. Kaviar, Zigarren) sind und wer von den Bedürftigen an dringensten Nahrung braucht Anweisungen. Erhalten Menschen mit einer geringen Überlebenschance (Alte, Kranke, Kinder, Neugeborene), Arbeitslose oder Straftäter ebenfalls von SALOMON 76 Nahrung zugeteilt?
    Das Spannungsfeld zwischen „humanen“ Fehlentscheidungen/-gedankengängen – wie wir sie heute haben – und „logischen“ Fehlentscheiduungen steht im Mittelpunkt: Was ist besser? Wer ist gerechter – Mensch mit seinen Gefühlen und Vorurteilen oder eine Logik, die von Menschen mit Gefühlen und Vorurteilen entwickelt wurde?

    Jürgen Vorreiter sagt:

    ASTRONAUTENSONNE: Ein kleiner Mond wird in eine geostationäre Umlaufbahn gebracht (mittels Triebwerke wie bei „Ikarus, Ikarus…“Smilie: ;) und dort gehalten. Seine Rotation wird mit den Triebwerken ebenfalls auf eine Umdrehung je Umlauf gebracht (unser Mond hat eine solche Rotationsgeschwindigkeit). Auf der dem Planeten zugewandten Seite wird die dauerhafte Strahlung in Gang gebracht (wie ein Lagerfeuer, nur größer).

    Stefan Kraft sagt:

    Erst einmal Danke für die Rückmeldung. Smilie: :-) Ich finde es toll, dass ihr euch für so etwas Zeit nehmt.

    Bei Salomon 76 habe ich nur das erste Kapitel, das bei Wurdack zur Verfügung steht, gelesen. Wird da nicht auch erwähnt, dass der Computer letztendlich sehr viel bzw. alles und jeden irgendwie überwacht? Ich hätte mir durchaus eine Abwandlung vorstellen können, in der das Thema Überwachung (das im letzten Jahr durch NSA-Skandal u.ä. deutlich an Bedeutung gewonnen hat) und damit verbundene Fehlentscheidungen (und die weiteren Probleme, die eine solche Überwachung mit sich bringen) behandelt werden.
    Da ich allerdings das Buch (wie erwähnt) nicht kenne, weiß ich nicht, ob das nicht wieder eine zu starke Veränderung gewesen wäre.

    Stefan Kraft sagt:

    Zum „Eismenschen“: Hier hätte man vielleicht eine Bedeutungsänderung wie bei „Blindflug zur Schlange“ machen können. Der Cyborg wird wegen des Herstellungsprozesses, wegen des zentralen Erfinders oder aber, weil darin ein Mensch künstlich aufbewahrt wird, „Eismensch“ genannt. Aber das sind keine ausgefeilten Vorschläge meinerseits.

    Jürgen Vorreiter sagt:

    „Eismensch“: Wie in Metropolis.Konvoi hat die Raumflotte den Gedankenausleser nicht direkt nach dem Bürgerkrieg vernichtet, sondern weitergenutzt und anscheinend sogar weiterentwickelt (sonst wären Smiths Leute beim Auslesen gestorben und hätten nicht an die VOR ausgeliefert werden können). Chemnitzers Schergen (Dr. Mildrich?) hat ein älteres Modell. Chemnitzer erhält dieses heimlich im Gefängnis und nutzt es – womit Chemnitzer tot ist. Seine Persönlichkeit wird einem beliebigen anderen Menschen (jemand ohne Angehörigen etc, also jemand, der nicht vermisst wird) aufgespielt. Sollte diese Person in Gefahr sein, zu sterben, oder wird diese nicht mehr benötigt, wird die Persönlichkeit wieder ausgelesen und die Person stirbt. Ruth O’Hara kommt diesen Todesfällen auf die Spur….

    Jürgen Vorreiter sagt:

    „Kurier zum Mars“: Und wieder ein Überbleibsel von Gorden B. Smith. Auch hier hat die Raumflotte das Experiment mit den FLOB-Taurus-Zerstörern nicht vernichtet sondern führt es insgeheim weiter. Schließlich könnten diese FLOB-Schiffe dort eingesetzt werden, wo es für Menschen zu gefährlich ist. Als Test soll ein FLOB-Zerstörer sich unbemerkt dem Mars nähern und ohne von der VOR entdeckt zu werden Manöver durchführen. Als per Funk der FLOB zurückbefohlen wird, verweigert der FLOB seinen Gehorsam. Der folgende Befehl zur Selbstvernichtung wird ebenfalls ignoriert und führt dazu, dass sich alle FLOB-Zerstörer von sich auf den Weg zum Mars machen. Um der VOR nicht die Wahrheit zu verraten, versucht man, mit den zivilen VOR-Einrichtungen auf dem Mars eine Lösung zu finden. Da man befürchtet, dass die FLOB den Funkverkehr abhören und dann gegen die VOR-Kolonie vorgehen würde, soll ein harmloses, ziviles Schiff zum Mars geschickt werden. Da Brandis immer noch einen guten Ruf bei der VOR hat und die VOR auch die Raumnotretter unterstützt, übernimmt dieser diese Aufgabe mit der jetzt wieder unbewaffneten Henri Dunant.

    Stefan Kraft sagt:

    Letztendlich möchte ich natürlich auch nicht versuchen, die Entscheidung von euch, dem Interplanar-Team, in Frage zu stellen (wobei: irgendwie schon – und wenn ich euch umstimmen kann Smilie: :-D … )
    Jedenfalls bin ich kein erfahrener Drehbuchschreiber (ihr aber schon), sodass ich denke, dass ihr euch die Entscheidung, welche Bücher nicht vertont werden sollten, wohlüberlegt habt.

    Jürgen Vorreiter sagt:

    Nochmal „ASTRONAUTENSONNE“: Was will man auf Saturn? Gasriese, hohe Gravitation. Der Saturn hat genug Monde, einer wird vielleicht interessante Bodenschätze unter Eismassen haben. Um diese aufzuschmelzen, wird ein kleiner Saturnmond an den rohstoffreichen Mond herangebracht und mit dessen Umlaufbahn in Einklang gebracht. Der rohstoffreiche Mond wird warm, dass das geschmolzene Eis auch auf der von der Astronautensonnen abgewandten Seite wieder einfriert.

    Jürgen Vorreiter sagt:

    SPIEGELPLANET + VARGO-FAKTOR: Die VEGA hat zur Schulung einen VR-Simulator entwickelt, der bei der Ausbildung des VEGA- und Raumflottenpersonals eingesetzt werden soll. Da die Raumnotretter bei Rettungsmissionen immer wieder Risiken eingehen und spontan entscheiden müssen, überredet Brandis Harris, dass die Raumnotretter – als erfahrene Raumfahrer – den Prototypen testen. Brandis läßt sich als erstes an den VR-Simulator anschließen. Dieser analysiert die Ängste von Brandis und kreiert ein beklemmendes Szenario: Brandis befindet sich mit Robert Monnier und Alex auf einer Rettungsmission und gerät auf einen Planeten, auf dem die physikalischen Gesetze nicht diesselben sind. Gleichzeitig wird Brandis immer wieder von Monnier und Alex moralisch angeklagt. Da Brandis weiss, dass er sich in einer Simulation befindet, versucht er diese bis zum Ende durch zu stehen. Als Brandis mit seiner VR-Crew Menschen rettet, ist unter diesen Iris Monnier. Brandis spricht mit Iris über die Beziehung zwischen ihm, Robert und Alex, worauf sich Brandis in der VR mit diesen beiden Figuren aussöhnen und um Absolution bitten will. Als die den Test überwachende Dr. Levy bemerkt, das Brandis nicht in dem Szenario vorankommt, bittet sie Ruth O’Hara in die VR-Simulation einzusteigen und Brandis zum Verlassen der VR zu bewegen. Doch Ruth O’Hara bringt ebenfalls einen Schatten der Vergangenheit mit und Brandis beginnt zu zweifeln, ob er sich wirklich noch in einer Simulation befindet….

    INTERPLANAR sagt:

    Danke, das sind spannende Ideen! Die sind doch spannender im Forum diskutiert als hier. Postest Du sie dort?

    Jürgen Vorreiter sagt:

    Irgendwas Neues? Vielleicht ein „Wir prüfen, ob wir die Bücher vielleicht doch vertonen?“ Im Forum stehen „weitergedachte“ bzw. „verfeinerte“ Anregungen.

    Andy Simon sagt:

    Hm. Glaubst du, dass es lediglich fehlende Ideen waren, die dazu geführt haben, dass die Serie jetzt mit der #32 endet? Ich denke, die Jungs haben zusammen mit Fr. v. M. ausgesucht, welche es sein können.

  1. Also nur noch 2 Romane, die noch vertont werden :-/ Naja alles hat mal ein Ende…

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