„Mark Brandis, Raumkadett“ – Aufbruch zu einer neuen Hörspiel-Serie

(ez) – Am Freitag, 23. Mai 2014, startet mit den Hörspielen Aufbruch zu den Sternen“ und „Verloren im All eine neue Ära in der Mark-Brandis-Geschichte. Während sich die Original-Serie ihrem Finale nähert, beginnen die Hörspiel-Macher von Weymarn und Redeker mit „Mark Brandis, Raumkadett“ etwas vollkommen Neues. Ausgehend von der 1983 erschienenen Kurzgeschichte „Aufbruch zu den Sternen“ aus dem gleichnamigen Kurzgeschichten-Buch von Nikolai von Michalewsky erzählen sie von den Jugendjahren des berühmten Raumfahrers Mark Brandis, als er noch nicht „Commander eines Schiffes unter den Sternen war“, wie es im Prolog heißt, „sondern nur ein junger Mann voller Hoffnung, Neugier und Verzweiflung auf dem Weg zur Erfüllung seines größten Traums“. In unserem heutigen Beitrag berichten wir, wie die Idee zu der neuen Serie entstanden ist und welche Rolle dabei ein Gespräch im Teufelsmoor bei Bremen gespielt hat…

 

Der erwachsene und der junge Mark Brandis
April 2013: Im Hörspiel „Blindflug zur Schlange“ denkt Mark Brandis intensiv über seine Zukunft nach. Gleiches gilt auch für die Produzenten. Sie überlegen, wie ihre Hörspiel-Arbeit längerfristig aussehen könnte. Von Weymarn im Rückblick: „Wir sahen, dass sich die Zahl der Mark-Brandis-Bücher, die noch für Hörspiel-Adaptionen zur Verfügung stehen, allmählich ihrem Ende zuneigt. – Gleichzeitig bekamen wir von unserem Label ,Folgenreich‘ aber noch kein Signal zum Ende, so überlegten wir uns, wie es über die bisherige Serie hinaus weitergehen könnte.“

Manuskript-Autor von Weymarn macht sich auf dem Tablet Notizen. (Foto: Eric Zerm)

Manuskript-Autor von Weymarn (Foto: Eric Zerm)

Die bisherige Mark-Brandis-Serie über das Ende der Romane hinaus mit komplett neuen Geschichten zu verlängern, ist keine Option. Mit dieser Idee kann sich Reinhild von Michalewsky, die Witwe von Mark-Brandis-Erfinder Nikolai von Michalewsky, nicht anfreunden. Von Weymarn: „Sie möchte nicht, das wir konzeptionell und zeitlich in Bereiche vorstoßen, die nicht ihr Mann bearbeitet hat.“ Auch der Manuskript-Autor selbst wird mit diesem Gedanken nicht so recht warm: „In den letzten Geschichten wird Mark Brandis schon Ende 50 sein und denkt eigentlich schon über das Ende seiner Laufbahn nach.“ Die wirklich interessanten Geschichten würden bis dahin erzählt sein. Neu und nicht erzählt sei aus den Romanen nur noch, dass Mark Brandis und seine Frau Ruth O’Hara einen Sohn adoptierten. „Nach vorne hätte ich das Mark-Brandis-Universum noch extrem erweitern müssen. Da wäre vielleicht dann noch mal ein Krieg ausgebrochen, und am Ende hätte ich dann wahrscheinlich noch Aliens gebraucht“, fügt von Weymarn schmunzelnd hinzu.

So gehen die Überlegungen der beiden in die andere Richtung. Ausgangspunkt wird die Kurzgeschichte „Aufbruch zu den Sternen“, die Nikolai von Michalewsky 1983 veröffentlicht hatte. Hier erzählt Mark Brandis davon, wie er sich 14-jährig als Blinder Passagier an Bord des Frachters „Barbarossa“ geschmuggelt hat, um zur Venus zu kommen. Dort möchte er auf dem Expeditionskreuzer „Safari“ anheuern. Zusammen mit dieser Kurzgeschichte sei nun doch ein ziemlich großer Zeitrahmen innerhalb des Mark-Brandis-Universums abgesteckt, erzählt der Manuskript-Autor. Und alles, was vor  „Bordbuch Delta VII“, dem ersten Hörspiel, stattgefunden hat,  ist noch nicht erzählt. Der Gedanke an eine Prequel-Serie über Mark Brandis‘ Jugendjahre ist geboren. Im Frühsommer 2013 trifft sich von Weymarn im Teufelsmoor bei Bremen bei Spargel und Wein mit Frau von Michalewsky, um die Idee mit ihr zu besprechen.

„Dabei erzählte Frau von Michalewsky auch viel von ihrem Mann, von dem ja sehr viel in Mark Brandis steckt.“ Als junger Mensch sei Nikolai von Michalewsky sehr impulsiv gewesen, „kein besonders reflektierender Mensch. Gleichzeitig hatte er ein großes Interesse an Technik und an Abenteuern“. Daraus entsteht die Überlegung, dass so auch der junge Mark Brandis angelegt sein könnte. Am Ende des Gesprächs haben die Hörspiel-Macher von der Inhaberin der Brandis-Rechte grünes Licht für die Entwicklung der neuen Serie. Darüber hinaus bekommen sie innerhalb des abgesteckten Rahmens freie Hand.

 

Ein unfertiger Charakter

"Aufbruch zu den Sternen" ist 1983 erschienen.

„Aufbruch zu den Sternen“ war 1983 erschienen.

Auch der Manuskript-Autor freut sich: „Es reizt mich, von einem noch unfertigen Charakter zu schreiben.“ In vielen Prequel-Geschichten sei es ja so, dass alle bekannten Charakter-Eigenschaften eines Helden auch schon in seinem jüngeren Ich zu erkennen seien. „So ist zum Beispiel der junge Indy eigentlich schon wie der erwachsene Indiana Jones, nur eben jünger. So etwas ist mir zu simpel.“ So werde es beim jungen Mark Brandis so sein, dass seine spätere Position als verantwortungsbewusster und besonnener Kommandant in seiner Vita eigentlich gar nicht vorgesehen ist. „Brandis handelt vollkommen aus dem Bauch heraus. Wenn er sich zum Beispiel in den Kopf gesetzt hat, nach Afrika zu gelangen, denkt er erst am Flughafen ernsthaft darüber nach, wie es denn nun weitergeht.“ Das Leben des jungen Mark solle sich aber anders entwickeln, als zu erwarten wäre. Er wird später eine Rolle einnehmen, die er in jungen Jahren noch gar nicht für sich sieht.

„Folgenreich“ ist interessiert
Balthasar von Weymarn: „Im Laufe der Zeit hatten Jochim und ich bei ,Folgenreich‘ schon ein paar andere Ideen für Hörspiel-Serien eingereicht, die beim Label aber auf Zurückhaltung stießen.“ An der Idee eines Mark-Brandis-Prequels ist das Label hingegen grundsätzlich interessiert. „So ging es, nachdem wir das Okay von Reinhild von Michalewsky hatten, im Grunde recht linear weiter. Die Gespräche mit ,Folgenreich‘ waren ziemlich entspannt.“ Schließlich blickt das Hörspiel-Label inzwischen auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem INTERPLANAR-Team zurück, die seit dem Herbst 2009 andauert. Damals erschien mit dem Zweiteiler „Testakte Kolibri“ das erste Mark-Brandis-Abenteuer nach dem Ende des Bürgerkriegs-Vierteilers, den damals noch „Steinbach sprechende Bücher“ vertrieben hat. Von Weymarn schlägt vor, ein Demo zu produzieren, um die neue Hörspiel-Idee noch deutlicher zu machen.

Ein Demo entsteht
Ausgehend von der Kurzgeschichte „Aufbruch zu den Sternen“ schreibt von Weymarn das Manuskript für die Demo-Produktion. Es ist die mögliche Vortitel-Sequenz der ersten Folge, in der sich der junge Mark in ernste Schwierigkeiten bringt. „Ich habe mir überlegt, dass Mark ja ziemlich verzweifelt sein muss, wenn er als Blinder Passagier zur Venus gelangen will. Der offizielle Weg zur Raumfahrt-Schule, um auf diese Weise Raumfahrer zu werden, muss ihm durch irgend etwas verwehrt sein.“

Das Cover der ersten CD von "Mark Brandis: Raumkadett.

Das Cover der ersten Folge

Die Sprecher für das „Raumkadett“-Demo rekrutiert der Hörspiel-Macher aus dem Cast gerade laufender Aufnahmen für neue Mark-Brandis-Folgen und aus den Sprechern für die Hörspiel-Fassung des SF-Epos „Ender’s Game“, bei dem von Weymarn ebenfalls Regie führt. Darunter mischt er alte Bekannte: Hugh Jackman-Stimme Thomas Nero Wolff spricht den Venus-Astronauten Alexander Münster. Für die Mark-Brandis-Folge „Ikarus, Ikarus“ stand er zu diesem Zeitpunkt gerade als zwielichtiger Asteroidenbergbau-Unternehmer mit dunkler Vergangenheit am Mikrofon. Uve Teschner (Walter „Wally“ Ryan in mehreren Folgen) und Ellen-Page-Synchronstimme Tanya Kahana (Louise Demnitz in mehreren Folgen) spielen zwei ESA-Wachoffiziere. Sarah Alles, die Sprecherin von Marks junger Begleiterin Nina Axö, „hatte mir einmal ihre Unterlagen geschickt und war mir im Gedächtnis geblieben“.

Mit diesen Sprachaufnahmen erweckte der erfahrene Mark-Brandis-Sounddesigner und -Komponist Jochim C. Redeker dann die atmosphärische und spannende Szene zum Leben.

Begeistert erzählt von Weymarn von seinem Termin beim Label „Folgenreich“. Um das Eis zu brechen, sei er noch vor seinem Gespräch in einen Copy-Shop gegangen, um als kleines Präsent das „Ikarus, Ikarus“-Cover als Poster mitbringen zu können. „Ich machte mich dann eigentlich auf ein längeres Gespräch gefasst, aber dann kam einfach die Frage ,Wieviele Folgen wollt ihr denn machen?’… und ich war völlig platt.“ Der Produzent weiter: „Die Szene des Demos findet sich jetzt fast komplett im fertigen Hörspiel wieder, abgesehen vom Sprecher des jungen Mark Brandis, der im Demo noch ein anderer war.“

In unserem Beitrag am Mittwoch, 28. Mai 2014, geht es um die Entwicklung des Serien-Konzepts für „Mark Brandis, Raumkadett“ und um die Entstehung der Manuskripte für „Aufbruch zu den Sternen“ sowie „Verloren im All“. Der Artikel erscheint am frühen Abend in unserem Blog.


Begleitet den jungen Raumkadetten in den Jahren vor seinen Abenteuern als VEGA-Commander!

RAUMKADETT 1 jetzt bestellenDas Ende des 21. Jahrhunderts ist eine Zeit des Aufbruchs: Alexander Münster ist der erste Mann auf der Venus. Flotten von Raumschiffen sind unterwegs, um den Planeten zu erforschen und zu besiedeln. Der junge Mark Brandis hat einen Traum: er will Raumfahrer werden! Doch als er eine Dummheit begeht und in ein geheimes Astronauten-Ausbildungszentrum einbricht, schwinden seine Chancen. Und so macht er sich als blinder Passagier an Bord eines Raumfrachters auf den Weg zur Venus …

Die ersten beiden Folgen sind nun veröffentlicht und auf Amazon, Amazon mp3, iTunes (die erste Folge für €2,99!) und natürlich im Tonträgerhandel verfügbar.

„Aufbruch zu den Sternen“:


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„Verloren im All“:

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Und für alle CD-Käufer der neuen Serie noch ein Hinweis: Im Datenbereich (PDF) der ersten Hörspielfolge gibt es für Euch einen exklusiven Bonus: die Original-Kurzgeschichte „Aufbruch zu den Sternen“ von Nikolai von Michalewsky sowie den Comic von Michael Vogt.

Kategorie(n): Alles, Hintergrund, Making Of, Neu-VÖ

9 Antworten auf „Mark Brandis, Raumkadett“ – Aufbruch zu einer neuen Hörspiel-Serie

    Jürgen Vorreiter sagt:

    Wer hat den da bei „Aufbruch zu den Sternen“ nicht aufgepasst. Die Kapitelnamen „Nächtlicher Einbruch“ und „Begegnung mit einer Legende“ für die ersten beiden Tracks wirken vertauscht. Oder ist Mark Brandis selbst die Legende?

    INTERPLANAR sagt:

    Das war ein GEMA-Musikanmeldungsproblem. Aber richtig beobachtet, eigentlich sollten Kap. 1 & 2 andersherum benannt sein. Den eigentlichen Hammer hat aber leider noch keiner entdeckt (außer Eric Zerm in einer privaten Mail). Das sagt mir, dass wir uns mit den Booklets letztendlich doch unnötige Mühe geben …

    Jürgen Vorreiter sagt:

    Hhmmm, das Booklet habe ich am Freitag nur überflogen. Unter dem (ver-)Lack eines 14jährigen (ver-)lag eigentlich ein 13jähriger. Gut, wofür gibt es eine zweite Auflage? Oder ist etwas ganz anderes gemeint?

  1. Irgendwie steht die Intromelodie vom Raumkadett zum Weltraumpartisanen wie die von Star Trek: Enterprise zur Originalserie…

    Ich muss sagen, mir ist auch nichts ins Auge gesprungen, außer vielleicht das Ding mit Wallis und Westhoff. Aber das mit dem Namen halte ich für Absicht.

    Allgemein muss ich sagen: Es ist ungewohnt, einen Erzähler zu haben anstatt der gewohnten Vollinszenierung.
    Aber die kleinen Gimmicks, die an die Partisanenserie erinnern, find ich herrlich…

    Daniela Sippel sagt:

    Hallo, ich habe da mal eine Frage:
    Mark Brandis wurde am 17.Januar 2031 geboren. Die Geschichten in den Hörspielen sind um 50 Jahre in die Zukunft verlegt, also müßte er 2081 geboren sein. Wie kann er dann laut Inlay der CD02: Verloren im All
    >…Im Jahr 2105 ist Mark Brandis 14 Jahre alt…<
    erst 14 Jahre sein?? Müßte er da nicht schon 24 sein?!
    Habt ihr sein Geburtsjahr verschoben oder war es einfach nur der Fehlerteufel?!

    INTERPLANAR sagt:

    Treffer! Um zu testen, ob es sich eigentlich lohnt, bis ins Detail genau an den Booklets zu feilen, hatte ich diesen Fehler reingemogelt und das Datum zehn Jahre weiter nach vorne geschoben. Es hätte 2095 heißen müssen.

    Daniela Sippel sagt:

    Natürlich lohnt es sich, bis ins Detail an den Booklets zu feilen!!! Hört bloß nicht auf damit!!!
    Ich lese sie immer sehr aufmerksam und freue mich über die Informationen und Erklärungen darin. Ihr liefert immer ein perfektes CD-Gesamtwerk ab, bestehend aus Booklet und Hör-Kino!
    Bitte macht genau so weiter…. Auch wenn es vielleicht sonst keinem auffällt, wie gut ihr das macht Smilie: :-)

  2. Mir sind da noch zwei kleine Logikfehler aufgefallen, die beide serienübergreifend sind…

    Zum einen der, dass Mark offensichtlich ein Spätentwickler ist und mit fast 16 beim Antritt der Astronautenausbildung noch keinen Stimmbruch hat, wo doch seine helle Jugendstimme und seine sonore Erzählerstimme einen solchen bedingen… Smilie: ;-)

    Und zum anderen das mit der Reinigenden Flamme. Die lernt Mark offenbar ja schon auf der Thora-Station im Jahr 2095 kennen.
    Als er im „Bordbuch“ 2119 mit der Delta VII vom letzten Testflug zurückkommt und von Ruth empfangen wird, die ihn darauf hinweist, dass sie abgehört werden, entgegnet er auf Ruths Antwort, „die“ seien die Reinigende Flamme, mit dem Satz: „Ach, so heißen diesmal, ja?“ – als würde er sie nicht kennen, dabei müsste ihm die Reinigende Flamme seit fast 25 Jahren ein Begriff sein. Immerhin kann auch einem Jugendlichen kaum entgehen, wenn eine Organisation, die mit einem Putschversuch gescheitert ist und danach auf Kosten der Barbarossa-Crew aus der Thora-Station fliehen will. Und wenn diese Organisation im Kontext mit General Gordon B. Smith wieder auftaucht, sollte seine Erinnerung zumindest so weit reichen können – wenn er weitere 16 Jahre später davon erzählen kann…

    INTERPLANAR sagt:

    Hallo Fuxi,

    @1: Die Entwicklung der Stimme kann durch einen Unfall eine neue Wendung nehmen (Stichwort: Stella Polaris). @2: vollkommen richtig beobachtet, kann nur eine Amnesie des Charakters sein — ehrlich gesagt hatte ich 2007 nicht damit gerechnet, dass wir sechs Jahre später immer noch Brandis-Hörspiele machen dürfen … da hatte ich dann keine Wahl, denn die Story gab mir Wallis@Reinigende Flamme vor … Smilie: ;-)