OT: Im glühenden Reich der Sonne (Teil 4) – Mehr Abenteuer unter den Sternen

(ez) – Mark-Brandis-Erfinder Nikolai von Michalewsky hat Sonnenstürme in seinen Romanen zu apokalyptischen Weltraum-Unwettern gemacht. In dem „Star Wars“-Roman „Erben des Imperiums“ von Timothy Zahn gibt es auf einer rohstoffreichen Welt in unmittelbarer Nähe einer Sonne sogar eine bewegliche Stadt, die sich ständig vom tödlichen Sonnenlicht wegbewegt. In dem Hörspiel „Das Mittlere Auge“ der SF-Reihe „Commander Perkins“ retten Commander Perkins und Major Hoffmann ein Sonnensystem gar vor dem Untergang. -Unsere Sonne und die Sterne inspirieren Schriftsteller, Manuskript- und Drehbuchautoren seit vielen Jahrzehnten. Dabei sind die Sterne mal bedrohliche Feuerbälle, mal Licht und Wärme spendende Lebensquellen, und manchmal werden sie gar von Menschenhand zerstört. In unserem vierten Beitrag „Im glühenden Reich der Sonne“ geht es um weitere Abenteuer unter den Sternen.

 

Ein Sonnensturm auf Uranus
In dem Mark-Brandis-Roman „Raumsonde Epsilon“ von 1974 werden Mark Brandis und seine Leute in einem Lager der Vereinigten Orientalischen Republiken (VOR) auf dem Uranus (der in den Romanen eine feste staubige Oberfläche hat) interniert und erleben mehrere Sonnenstürme. Diesen verleiht Nikolai von Michalewsky in seinen Schilderungen geradezu apokalyptische Dimensionen. Nur in einem Raumschiff oder im Inneren eines Thermo-Iglus im Lager sind die Raumfahrer vor den Auswirkungen solcher Sonnenstürme sicher.

Lager-Kommandant Oberst Khan beschreibt die Gefahr gegenüber Mark Brandis folgendermaßen: „Es steht Ihnen und Ihren Männern (…) frei, sich im Bereich des Lagers ungehindert zu bewegen. Aber bitte – beachten Sie das rote Warnsignal am Mast! Wir befinden uns in einer Periode ungewöhnlich heftiger Sonnenstürme mit röntgenologischer Entladung. Wenn diese Stürme toben, ist jeder Schritt nach draußen ein Schritt in den sicheren, qualvollen Tod. Das rote Warnsignal bedeutet höchste Gefahr.“ – „Diese Sonnenstürme“, fährt Hauptmann Saadi wenig später fort, „sind wirklich höchst widerlich! Wenn das Signal hochgeht, bleiben Ihnen gerade noch 20 Sekunden, um sich in Sicherheit zu bringen.“ („Raumsonde Epsilon“, Herder-Verlag 1974/Wurdack-Verlag 2009).

Aus dem Inneren des Funk-Iglus beobachtet Mark Brandis später die tobenden Naturgewalten. „Die Sonne schien zu explodieren. Feurige Lohen rasten durch den Raum. Das Licht verfärbte sich. Die Glut griff auf den Uranus über. Der erste Tag der Schöpfung musste diesen zugleich beklemmenden und erhellenden Anblick geboten haben. Das Chaos regierte. Wer jetzt noch draußen war, sah einem qualvollen Ende entgegen.“ („Raumsonde Epsilon“, Herder-Verlag 1974/Wurdack-Verlag 2009).

 

Sturz in die Sonne
In der Folge „Das Mittlere Auge“ der Europa-Hörspiel-Serie „Commander Perkins“ (1976 – 1980) müssen Commander Randy Perkins und Major Peter Hoffmann eine kastenförmige Superwaffe bergen, die in eine ferne Sonne zu stürzen droht. Das Sonnensystem ist bewohnt, und würden die Menschen nichts unternehmen, würde die Waffe die Sonne in sich zusammenstürzen lassen und damit das ganze System vernichten. In Raumanzügen werden Perkins und Hoffmann mit dem Dimensionsbrecher direkt in die Nähe der Sonne versetzt und stürzen der Waffe mit rasender Geschwindigkeit hinterher.

Eine Sonnen-Eruption kann verheerende Auswirkungen auf die Erde haben. (Foto: sonnen-sturm.info)

Im Hörspiel „Das Mittlere Auge“ kommen Commander Perkins und Major Hoffmann einer Sonne gefährlich nah. (Foto: sonnen-sturm.info)

Was folgt, ist eine der dramatischsten Szenen der ganzen Hörspiel-Serie. Um zum einen den Weltraum und zum anderen rasende Geschwindigkeit zu suggerieren, sind die Stimmen der beiden Sprecher Horst Stark (Commander Perkins) und Gernot Endemann (Major Hoffmann) mit Hall unterlegt und stark verzerrt. Dramatische Musik und die beiden Sprecher, die direkt in die Szenerie eintauchen, runden das akustische Bild eines Sturzes in eine Sonne ab. Hoffmann: „Randy, was ist los mit mir? – Für einen Moment glaubte ich, durch das All zu rasen.“ Perkins: „Du irrst dich nicht. Wir sind tatsächlich ziemlich schnell. Dreh dich um!“ – Hoffmann: „Kein Problem… Ich (und dann völlig entsetzt): Mein Gott, die Sonne! Randy, wir stürzen in die Sonne. Wir sind viel zu nah! Mir ist heiß. Ich sehe nur Sonne! Eine Feuerwand!“ – Perkins (energisch): „Konzentrier‘ dich auf unsere Aufgabe! Schalte das Ortungsgerät ein!“ – Hoffmann (verzweifelt): „Wir schaffen es nicht. Wir sind zu nah an der Sonne, wir verbrennen!“ Augenblicke später beginnt der Raumanzug von Major Hoffmann, sich aufzulösen, und er verliert das Bewusstsein…

In dem „Commander Perkins“-Roman „Verloren in der Unendlichkeit“ (H. G. Francisco, Franz-Schneider-Verlag, München 1981) geraten Perkins, Hoffmann und der sie begleitende Roboter Camiel ebenfalls in gefährliche Nähe einer Sonne. In dem halb zerstörten Raumschiff des fremdartigen Krequorr bleiben ihnen nur noch 30 Stunden Zeit, bis sie in den Glutofen eines gelben Sterns stürzen. Der Antrieb ist zerstört, und die Funkgeräte funktionieren ebenfalls nicht mehr. Mit Mühe findet Camiel schließlich einen Weg, die Triebwerke noch einmal kurz zu zünden, mit weiteren fatalen Folgen. Die Kurskorrektur von der Sonne weg gelingt zwar, aber das Schiff reißt noch weiter auseinander, und es entweicht auch noch die restliche Atemluft…

 

Durch die „Blood Alley“
In der Folge „Meuterei“ der SF-Serie „Space: Above & beyond“ (1995) führt der Kurs des Container-Frachters „SS MacArthur“ direkt zwischen zwei Sonnen hindurch. Es geht darum, Zeit zu sparen, denn die Marines der „Wild Cards“, die an Bord sind, sollen so schnell wie möglich zu ihrem Trägerschiff „Saratoga“ gebracht werden. Der Kurs beunruhigt den ersten Maat Potter (Calvin Levels) zutiefst: „Captain, dieser Kurs führt durch den Engpass zwischen Adara und Aludra. Die Wasserstoff-Gase bringen uns die Radarsysteme durcheinander, und die Solar-Eruptionen können die Bordcomputer lahmlegen.“ Die Passage zwischen den Sonnen hindurch trägt in der Folge den vielsagenden Namen „Blood Alley“; in Anlehnung an eine Bezeichnung für die Meerenge zwischen dem Chinesischen Festland und Taiwan. Die echte „Blood Alley“ ist der Schauplatz des John-Wayne-Abenteuerfilms „Der gelbe Strom“ von 1955.

Wie befürchtet, fallen während der Passage zwischen den Sonnen tatsächlich die Radarsysteme aus, und die „MacArthur“ fliegt quasi blind. Das nutzt ein feindlicher Zerstörer aus und greift den schwerfälligen Frachter aus dem grellen Sonnenlicht heraus an.

Flucht vor dem Sonnenlicht
Einen beeindruckenden Schauplatz in unmittelbarer Nähe einer Sonne dachte sich der Autor Timothy Zahn für seinen „Star Wars“-Fortsetzungs-Roman „Erben des Imperiums“ von 1991 aus; die Minenkolonie von Nkllon; eine bewegliche Stadt, die sich ständig vom Sonnenlicht wegbewegt, weil sie sonst verbrennen würde. „Riesig, buckelig, von Tausenden von Lichtern aus der Finsternis gerissen, glich der Minenkomplex einem exotischen, monströsen Lebewesen, wie er sich durch die Landschaft wälzte und die niedrigen Hügelketten zu Zwergen degradierte. Suchscheinwerfer sondierten das Terrain; eine Handvoll winziger Schiffe summten wie Insekten um ihn herum.“ (Timothy Zahn, „Erben des Imperiums“, Goldmann-Verlag, München 1992). Raumfahrzeuge, die sich Nkllon nähern wollen, müssen sich im Schatten riesiger Schildschiffe bewegen, die das Sonnenlicht von ihnen abhalten.

Die von der Sonne beschienene Seite von Crematoria ist glühend heiß. (Foto: riddick.wikia.com)

Die von der Sonne beschienene Seite von Crematoria ist glühend heiß. (Foto: riddick.wikia.com)

Ein ähnlicher Schauplatz taucht in dem Science-Fiction-Film „Riddick – Chroniken eines Kriegers“ von 2004 auf. Hier befindet sich ein Hochsicherheits-Gefängnis tief unter der Oberfläche eines Planeten, der den eindeutigen Namen Crematoria trägt. Der Planet liegt so nah an einer Sonne, dass die Tagseite eine einzige Feuerhölle ist. Titelheld Riddick (Vin Diesel) liefert sich mit Mitgefangenen ein regelrechtes Wettrennen mit der aufkommenden Morgendämmerung. In rasender Geschwindigkeit bewegen sie sich zu Fuß über die zerklüftete verkohlte Oberfläche. Am Horizont hinter ihnen ist das gleißende Sonnenlicht bereits zu erahnen. Als es leicht heller geworden ist, rieselt Asche vom Himmel, und als die Flüchtende einen Felsen ersteigen, sind Teile des Steins schon nach wenigen Augenblicken Sonnenlicht glühend heiß…

 

Supernova
In dem „Star Wars“-Buch „Meister der Macht“ von SF-Autor Kevin J. Anderson (Wilhelm-Heyne-Verlag, München, 1995) bringt der rachsüchtige Jedi-Schüler Kyp Durron die imperiale Superwaffe Sonnenhammer in seine Gewalt und greift damit das imperiale Carida-System an. Nachdem Botschafter Furgan mehrere Warnungen von Durron in den Wind geschlagen hat und imperiale Schiffe den Raumjäger-großen Sonnenhammer angegriffen haben, schlägt Durron zu. Er feuert einen vernichtenden Torpedo in das Herz der Sonne des Systems. „Sein Zielsucher würde den Kern finden und eine unwiderrufliche Instabilität auslösen“. („Meiser der Macht“). Wie es das Schicksal will, verschuldet Durron damit den Tod seines Bruders Zeth. „Die Schockwelle raste brüllend durch die Atmosphäre und verwandelte sie in einen Feuersturm. (…) Er sah, wie sich das matte Nachbild von Zeths Körper in eine verblassende Silhouette auflöste, als die stellaren Energien über Carida rasten.“

Der Sonnenhammer, wie er auf dem Cover des Romans "Der Geist des dunklen Lords" abgebildet ist". (Foto: jedipedia.de)

Der Sonnenhammer, wie er auf dem Cover des Romans „Der Geist des dunklen Lords“ abgebildet ist“. (Foto: jedipedia.de)

In dem „Star Trek“-Film „Treffen der Generationen“ von 1994 feuert der fanatische Dr. Tolian Soran (Malcolm McDowell) eine „Trilitium-Waffe“ in das Innere einer Sonne. Im Inneren der Sonne stoppt die Waffe die Kernfusion, und der Stern explodiert. Die Besatzung der „Enterprise“ rund um Captain Jean-Luc Picard (Patrick Stewart) wird Zeuge, wie die Amargosa-Sonne stirbt und eine riesige Druckwelle ein ganzes Sonnensystem zerstört. Soran will durch die dadurch veränderte Gravitation das Energiefeld das mysteriöse Nexus lenken, in dem Zeit und Raum bedeutungslos sind. Im letzten Drittel des Films vernichtet Soran noch eine zweite Sonne. Vor den Augen des Publikums zersprengt die Druckwelle den Planeten Veridian III, auf dem die „Enterprise“-Besatzung bruchgelandet ist…

Etwas weniger apokalyptisch geht es in dem „Star Trek: The next Generation“-Zweiteiler „Angriff der Borg“ zu. Als die „Enterprise“ unter dem Kommando von Dr. Beverly Crusher (Gates McFadden) von einem Borg-Schiff verfolgt wird, lässt Crusher direkten Kurs auf eine nahe Sonne nehmen. Durch einen gezielten Schuss in die Sonne löst die „Enterprise“-Crew eine Eruption aus, die die Verfolger vernichtet.

In „Star Trek IV – Zurück in die Gegenwart“ (1987) nutzen die Helden rund um Admiral James Kirk (William Shatner) die gewaltige Schwerkraft der Sonne, um sich beim dichten Vorbeiflug mit mehrfacher Lichtgeschwindigkeit in die Vergangenheit schleudern zu lassen. Sie gelangen ins späte 20. Jahrhundert, in dem die Sonne noch in großen Observatorien von der Erde aus beobachtet wird.

 

Am Dienstag, 20. Mai 2014, berichten wir ausführlich über die Entstehung der neue Hörspiel-Serie „Mark Brandis: Raumkadett“. Die Serie erzählt von den Jugendjahren des berühmten Raumfahres Mark Brandis. Die ersten beiden Folgen „Aufbruch zu den Sternen“ und „Verloren im All“ erscheinen am Freitag, 23. Mai 2014. Unser Artikel erscheint am frühen Abend.

Kategorie(n): Alles, Hintergrund, OT

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