OT: Im glühenden Reich der Sonne (Teil 3) – Abenteuer unter den Sternen

(ez) – Während mancher Astronom davon träumt, einmal im Leben eine Supernova zu beobachten, haben Science-Fiction-Autoren mit der Macht ihrer Phantasie schon Sterne entstehen und verblassen lassen. Während echte Satelliten schon durch Sonnenwinde gestört werden, sind fiktive Raumschiffe bereits in die Korona eines Sterns eingetaucht, und Menschen haben Dinge gesehen, die jeden Wissenschaftler vor Neid erblassen ließen. Unsere Sonne und die Sterne inspirieren Schriftsteller, Manuskript- und Drehbuchautoren seit vielen Jahrzehnten, unter ihnen Mark-Brandis-Erfinder Nikolai von Michalewsky. Dabei sind die Sterne mal bedrohliche Feuerbälle, mal Licht und Wärme spendende Lebensquellen, und manchmal werden sie gar von Menschenhand zerstört. In unserem heutigen Beitrag geht es um diese Abenteuer unter den Sternen.

 

Dicht an der Sonne vorbei
In der auf wissenschaftlichen Szenarien basierenden Doku-Fiction „Space Odyssey – Mission zu den Planeten“ von 2004 bewegt sich das von einer internationalen Besatzung geführte Raumschiff „Pegasus“ durch das Sonnensystem. Nach einem Besuch von Venus und Mars führt der Kurs der „Pegasus“ auf dem Weg zu den äußeren Planeten auf die andere Seite des Sonnensystems – unmittelbar an der Sonne vorbei. Der Sprecher: „Man wird ihre enorme Anziehungskraft nutzen, um die ,Pegasus‘ auf 300 Kilometer pro Sekunde zu beschleunigen.“

Bei ihrem Vorbeiflug durchquert das Schiff die äußere Hülle des Zentralgestirns, die Korona. Ein Vorhaben, das sehr gefährlich ist. „Während sie an der Sonne vorbeifliegt, braucht die ,Pegasus‘ besonderen Schutz; ein eigenes Magnetfeld, das die tödlichen hochenergetischen Teilchen der Sonne abwehrt. Doch nichts kann die Astronauten schützen, wenn sie so nah an der Sonne der ungeheuren Kraft einer Eruption ausgesetzt sein sollten.“ („Space Odyssey – Mission zu den Planeten“).

Die Strahlung stellt, so der Sprecher, nicht nur eine Gefahr während des Vorbeiflugs an der Sonne dar, „sie ist ein permanentes Risiko, sobald die ,Pegasus‘ das schützende Magnetfeld der Erde verlassen hat“. Einer der Astronauten dazu: „Unsere Strahlungsbelastung während der Reise entspricht acht Röntgen-Untersuchungen pro Tag.“ Um die Belastung ständig im Auge behalten zu können, tragen die Raumfahrer Dosimeter, die ihre Strahlenbelastung messen. Diese „verändern ihre Farbe, wenn unsere Werte zu hoch sind“. Darüber hinaus zeigen mit Gel gefüllte Röhrchen die Strahlungsbelastung in der Kabine. „Jedes mal, wenn ein geladenes Teilchen auf das darin enthaltene Gel trifft, formt sich ein Bläschen. – Wir sind immer einer geringen Strahlung ausgesetzt und müssen die negativen Auswirkungen durch Nahrungszusätze kompensieren.“ („Space Odyssey – Mission zu den Planeten“).

Die "Pegasus", das fiktive, aber theoretisch mögliche Raumschiff aus der Doku-Fiction "Space Odyssey" fliegt mit einem Nuklearantrieb.

Die „Pegasus“, das fiktive, aber theoretisch mögliche Raumschiff aus der Doku-Fiction „Space Odyssey“ fliegt an der Sonne vorbei. (Foto: aovi93.dsl.pipex.com)

Vor dem Beschleunigungsmanöver in Sonnennähe aktiviert die Crew der „Pegasus“ das Magnetfeld, das von diesem Moment an regelrechte Nordlichter rund um das Raumschiff erzeugt. „Um ein Magnetfeld zu generieren, das einen ausreichenden Schutz bietet, benötigt man so viel Energie, dass alle nicht lebenswichtigen Systeme abgeschaltet werden müssen.“ Daraufhin werden sämtliche Luken wegen des extrem hellen Lichts geschlossen. „Als die ,Pegasus‘ den Punkt der größten Annäherung an die Sonne erreicht, dreht sie sich um 180 Grad und nutzt ihre Scheibe als zusätzlichen Schutz.“ Gemeint ist ein gigantischer Diskus am hinteren Ende, der den Rest des Schiffes vom Nuklear-Antrieb abschirmt. Die Raumfahrer schließen dann noch ihre Raumanzüge, und als die „Pegasus“ die äußere Atmosphäre der Sonne berührt, reißt die Funkverbindung zur Kontrollstation auf der Erde ab. Erst Stunden später ist die Verbindung zur „Pegasus“ wieder da. Der Vorbeiflug war erfolgreich.

 

„Sunshine“
Noch viel stärker spürbar werden die Dimensionen und die Kräfte der Sonne in dem Science-Fiction-Film „Sunshine“ unter der Regie von Danny Boyle (2007). Weil im Jahr 2057 die Kraft der Sonne unerwartet nachlässt und die Erde langsam einfriert, nimmt das Raumschiff „Icarus II“ direkten Kurs auf die Sonne. Durch die Zündung einer Bombe von der Größe Manhattens soll im Kern der Sonne das Fusionsfeuer wieder angefacht werden. Bei der Annäherung an das Zentralgestirn hat die „Icarus II“ einen gewaltigen Schirm vor sich aufgespannt. Nur in seinem Schatten kann die kleine Crew überleben. Auf der anderen Seite des Sonnenschirms verbrennt alles innerhalb eines Augenblicks.

Der Schirm ist mit Blattgold beschichtet. Regisseur Danny Boyle in einem Interview auf filmering.at darüber: „Die Idee mit dem Sonnenschild entstand aus der puren Notwendigkeit einer Schutzvorrichtung. Dann flossen die NASA-Materialforschungen ein und deren Ergebnisse, wie man sich vor Hitze und Strahlung sichert. Eine Bleiummantelung wäre eine schlechte Idee, sie würde auf der Stelle schmelzen, wohingegen Blattgold einfach die Hitze vom Schiff dahin ablenkt. Ich empfand dies als eine Riesen-Entdeckung (…). Sie führte schließlich zu unserem Raumanzug, der natürlich auch aus Gold sein musste, und nicht weiß, wie bei der NASA.“ Dieser Raumanzug hat in „Sunshine“ monströse Dimensionen und schließt den Raumfahrer wie in einer beweglichen Statue hermetisch ab. Dessen Verbindung nach außen sind ein Funkgerät und ein schmaler Sehschlitz vor den Augen. Und doch ist der Anzug absolut nutzlos, wenn er direkt dem Sonnenlicht ausgesetzt ist.

Mensch und Sonne. Ein ikonisches Motiv aus dem Film "Sunshine". (Foto: nytimes.com)

Mensch und Sonne. Ein ikonisches Motiv aus dem Film „Sunshine“. (Foto: nytimes.com)

Welchen Kräften Raumschiff und Crew bei der Annäherung an die Sonne ausgesetzt sind, wird gleich zu Anfang in einer fast meditativen Szene deutlich. Hier beobachtet der Schiffs-Psychologe Dr. Searle (Cliff Curtis) den Feuerball der Sonne auf dem Beobachtungsdeck durch einen Filter und bittet das Bordsystem schließlich, die Stärke des Filters zu reduzieren. Als die Sonne unvermittelt um ein Vielfaches heller strahlt, zuckt Searle kurz geblendet zurück, und ihm entfährt ein ehrfürchtiges „Oh, mein Gott!“ Dann fragt er: „Icarus, wie dicht ist das an der maximalen Helligkeit?“ – Die Antwort des Bordsystems: „Aus dieser Distanz von 58 Millionen Kilometern beobachten Sie die Sonne bei zwei Prozent ihrer maximalen Leuchtkraft.“ – „Zwei Prozent. Zeigst Du mir vier Prozent?“ – „Vier Prozent würden irreversible Schäden an Ihrer Netzhaut verursachen. – Für die Dauer von höchstens 30 Sekunden könnten Sie jedoch 3,1 Prozent beobachten.“ Daraufhin wird der Raum in ein gleißendes weißes Licht getaucht, das Searle zu umschließen scheint.

Die Filmzeitschrift cinema beschreibt die Reise der Raumfahrer in ihrer „Sunshine“-Kritik (Ausgabe 05/2007) mit folgenden Sätzen: „Was passiert, wenn der Mensch mit der Quelle allen irdischen Lebens konfrontiert wird – also quasi seinem Schöpfer gegenübertritt? Ein Erlebnis, das auch dem rationalsten Wissenschaftler das Hirn versengen muss. Boyle zeigt die Sonne als magische Schönheit und bedrohliches Ungeheuer – eine grausame Allmacht.“

„Der Tag, an dem die Erde Feuer fing“
Ein Science-Fiction-Klassiker, bei dem die Menschen die Macht der Sonne zu spüren bekommen, ist der britische Film „Der Tag, an dem Erde Feuer fing“ aus dem Jahr 1961. Zwei zur gleichen Zeit stattfindende Atombombenversuche destabilisieren zu Beginn der Geschichte die Umlaufbahn der Erde um die Sonne. Das Klima verändert sich rasant. „New York leidet unter einer Kältewelle und erstickt in Eis und Schnee; die Sowjetunion wird von schrecklichen Wirbelstürmen heimgesucht; Europa und England sehen sich einer nie dagewesenen Hitzewelle ausgesetzt. Flüsse trocknen aus.“ („Lexikon des Science-Fiction-Films“, Ronald M. Hahn / Volker Jansen, Wilhelm-Heyne-Verlag, München 1987).

"Der Tag, an dem die Erde Feuer fing" ist ein SF-Klassiker von 1960. (Foto: amazon.de)

„Der Tag, an dem die Erde Feuer fing“ ist ein SF-Klassiker von 1961. (Foto: amazon.de)

Der Journalist Peter Stenning und sein Kollege Bill Maguire (Edward Judd und Leo McKern) finden schließlich die schreckliche Wahrheit heraus: „Die Atomexplosionen haben den Planeten Erde aus seiner Bahn gerissen, so dass er nun unaufhaltsam der Sonne entgegentrudelt. (…) Das Chaos scheint unaufhaltbar: Wasser wird so knapp, dass es teuer wird wie Gold. Banden überfallen Wassertransporte für die Krankenhäuser. Jeder ist sich selbst der Nächste.“ Schließlich sollen weitere Atomexplosionen die Erde wieder auf ihre richtige Bahn befördern. „Die Druckmaschinen der internationalen Presse stehen bereit; man hat zwei Schlagzeilen vorbereitet: ,Die Welt ist verloren!‚ und ,Die Welt ist gerettet!‚“ („Lexikon des Science-Fiction-Films“). Das brisante der Geschichte aus der Zeit des Kalten Krieges war darüber hinaus, dass die Erde nur gerettet werden kann, wenn sich die Atom-Mächte verständigen.

 

Ins Herz eines Sterns
In der Folge „Cogenitor“ der SF-Serie „Star Trek: Enterprise“ ermöglicht der freundliche Vissianer Drennik (Andreas Katsulas) Captain Jonathan Archer (Scott Bakula) eine Reise in den Außenbereich eines Hyperriesen. In einer winzigen, aber hoch entwickelten Stratokapsel stoßen sie in Bereiche des Sterns vor, die für die irdische Technologie unerreichbar sind. Dabei kommen Archer und Drennik sogar in den Bereich einer Sonneneruption, die sich immer weiter ausdehnt. Drennik: „Bringen Sie uns hoch. Versuchen Sie, darüber hinweg zu kommen.“ Aber als Archer merkt, dass sie dies nicht mehr schaffen werden, fliegt er mit der Kapsel mitten hindurch. „Wenn man nicht über eine Welle hinweg kommt, dann muss man hindurchtauchen.“ Von dem Hyperriesen geht in der Folge ein blauweißes Licht aus; und als Archer und Drennik dem Stern näher kommen, sind die magnetischen Feldlinien über der Oberfläche des Sterns zu erkennen, an denen sich heiße Plasmaströme entlang bewegen.

 

2010: „Luzifer geht auf“
Am Ende seines Romans „Odyssee 2010“ von 1982 (verfilmt 1984) lässt Science-Fiction-Autor Arthur C. Clarke in unserem Sonnensystem eine weitere Sonne entstehen, und die sowjetisch-amerikanische Besatzung des Raumschiffs „Leonow“ erlebt das aus der Nähe mit. In der Fortsetzung der Geschichte des SF-Klassikers „2001: Odyssee im Weltraum“ erforscht die Besatzung der „Leonow“ den gewaltigen schwarzen Quader, auf den Jahre zuvor das amerikanische Expeditionsschiff „Discovery“ in der Umlaufbahn des Jupiter gestoßen ist. Und dann gelangt etwas an Bord, das die Gestalt des verschwundenen Astronauten David Bowman anzunehmen versucht, und spricht eine Warnung aus. Die Crew der „Leonow“ müsse schnellstmöglich vom Jupiter verschwinden, denn es werde etwas geschehen. „Etwas Wundervolles!“

Als der Planet Jupiter explodiert und zu einer Sonne wird, ist das Schicksal des Raumschiffs "Discovery" besiegelt. Ein Motiv aus dem Film "2010: Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen". (Foto: static.theacia.com.au)

Als der Planet Jupiter explodiert und zu einer Sonne wird, ist das Schicksal des Raumschiffs „Discovery“ besiegelt. Ein Motiv aus dem Film „2010: Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen“. (Foto: static.theacia.com.au)

Kurz nachdem der schwarze Monolyth verschwunden ist, beobachten die Raumfahrer einen tiefschwarzen runden Fleck in der Atmosphäre des Jupiter. Der Fleck wird größer und größer und scheint die gesamte Masse des Jupiter allmählich in sich aufzusaugen. „Jupiter verließ seinen uralten Orbit nicht, sondern tat etwas, das fast genauso unmöglich war. Er schrumpfte, und zwar mit atemberaubender Geschwindigkeit. Gleichzeitig wurde der Planet heller, sein stumpfes Grau (das durch die Metamorphose entstanden war) verwandelte sich in Perlweiß.“ („Odyssee 2010“, Arthur C. Clarke, Wilhelm-Heyne-Verlag München, 1982). Schließlich entzündet sich der Himmelskörper in einem gewaltigen Lichtblitz, und es breitet sich eine Schale aus heißen Gasen wie eine immer größer werdende Blase aus. Eine nicht fassbare Macht hat Jupiter transformiert und aus ihm eine zweite Sonne entstehen lassen. Dadurch bekommt das bis dahin noch schwache Leben unter dem dicken Eispanzer des Jupiter-Mondes Europa eine Chance, sich zu entfalten. Zugleich bekommen die Menschen einen übermächtigen Beweis dafür, dass sie nicht allein im Universum sind. Auch am Himmel über der Erde leuchtet nun diese zweite Sonne. Clarke gibt ihr in seinem Roman den Namen Luzifer.

 

In einem weiteren Artikel „Im glühenden Reich der Sonne“ tauchen wir noch viel tiefer in die phantastischen Vorstellungswelten der Science-Fiction-Autoren ein. Der Beitrag erscheint am Mittwoch, 14. Mai 2014, abends in unserem Blog. Danach begleiten wir die ersten Abenteuer der neuen Hörspiel-Serie „Mark Brandis: Raumkadett“ mit einer ganzen Reihe von Beiträgen.

Kategorie(n): Alles, Hintergrund, OT

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