Making of „Aufbruch zu den Sternen“ – Die Sprecher und die Sprachaufnahmen (Teil 1)

(ez) – Für das Hörspiel „Aufbruch zu den Sternen“, die erste Folge der neuen Serie „Mark Brandis, Raumkadett“ ist es den Produzenten gelungen, eine wahre Hörspiel-Legende quasi aus dem Ruhestand zurückzuholen. In der Rolle des bärbeißigen „Barbarossa“-Skippers Gregory Nelson ist Ur-Commander-Perkins Horst Stark zu hören. Das klassische „Commander Perkins“-Team vervollständigen der frühere Major Peter Hoffmann Gernot Endemann als Vito Marconi sowie „Cindy Common“ Gabriele Libbach als Navigatorin Galina Suchowa. In weiteren Rollen sind unter anderen die schon bekannten Brandis-Sprecher Tanya Kahana (Lieutenant Louise Demnitz), Uve Teschner (Walter Ryan) und Hugh-Jackman-Stimme Thomas Nero Wolff (Friedrich Chemnitzer) zu hören. Den Sprecher des jungen Mark Brandis, den 20-jährigen Daniel Claus, lernte von Weymarn während seiner Regie-Arbeit für das riesige Hörspiel „Ender’s Game“ kennen. In unserem heutigen Artikel gewähren wir einen Einblick in die Arbeit mit den Sprechern und in die Sprachaufnahmen in Berlin (Schieffer und Schieffer Tonstudio), Hamburg (Studio TonSynchron) und Hannover (im Studio von Sound-Designer und Komponist Jochim C. Redeker).

 

Wer spricht Mark?
Wer spricht den jungen Mark Brandis? Diese Frage zu beantworten, nahm einige Zeit in Anspruch. Gesucht war ein junger Sprecher, der schon Erfahrung am Mikrofon mitbringt und der zudem bereit sein würde, eine Rolle auch über einen längeren Zeitraum zu übernehmen. Von Weymarn: „Ich hatte mehrere Stimmproben von Sprechern, die ich mir vorstellen konnte und schickte diese zu ,Folgenreich‘.“ („Folgenreich“ ist das Label, das die Mark-Brandis-Hörspiele veröffentlicht).

Zur Hilfe kam dem Produzenten, Manuskript-Autor und Regisseur zu diesem Zeitpunkt seine Regie-Arbeit für die „Audible“-Produktion „Ender’s Game“, einer Hörspiel-Adaption von Orson Scott Cards gleichnamigem SF-Roman. „Hier bekam ich sehr viel Erfahrung mit jungen Sprechern, und bei mehreren merkte ich, dass ich mit ihnen wirklich gut arbeiten kann. Daniel Claus war einer von ihnen.“

In „Ender’s Game“ spricht Daniel Claus den gutmütigen und schlauen „Rattentrupp“- Zugführer Dink Meeker, dem der junge Ender (Arne Kapfer) auf der Kampf-Schule der Raumflotte begegnet. Im Laufe vieler Monate wird Meeker einer von Enders Vertrauten. Als Ender im Kommandozentrum auf einem Asteroiden schließlich für die finale Schlacht gegen die außerirdischen Krabbler trainiert wird, stößt Meeker mit anderen von Enders Freunden wieder zu ihm. Mit Daniel Claus als Mark Brandis war „Folgenreich“ einverstanden, und die Hörspiel-Arbeit im Studio konnte beginnen.

So sieht der junge Mark Brandis aus. Der 20-jährige Sprecher Daniel Claus in einer Pause während der Sprachaufnahmen. (Foto: B. v. Weymarn)

So sieht der junge Mark Brandis aus. Der 20-jährige Sprecher Daniel Claus in einer Pause während der Sprachaufnahmen. (Foto: B. v. Weymarn)

Von Weymarn: „,Ender’s Game‘ half uns sehr, unseren akuten Bedarf an jungen Sprechern zu decken.“ Gute junge Sprecher zu finden, sei nicht leicht. „Manche von ihnen sprechen zu verschliffen, und andere lesen noch zu sehr ab. Bei ,Ender’s Game‘ hatte ich dann aber eine ganze Reihe von Sprechern im Studio, bei denen ich merkte: hier geht’s besonders gut.“

Und Erfahrung bringt Daniel Claus ebenfalls schon mit, denn „trotz seiner sehr jungen Stimme ist er schon 20“. Auf seinen Namen stößt man unter anderem im Zusammenhang mit den Hörspielen „Die Alster-Detektive“, in denen Daniel Claus die Rolle des Lukas spricht. Für die Produktion ist laut hoerspiel3.de das Team der Lauscherlounge von Oliver Rohrbeck verantwortlich. In dem Film „Die drei Fragezeichen und das Geheimnis der Geisterinsel“ (2007) ist Claus als Stimme von Cameron Mornaghan (der den Bob Andrews spielt) zu hören. In der Sprecher-Datenbank „Deutsche Synchronkartei“ tauchen noch weitere Synchron-Rollen des jungen Mannes auf: David Dorfmann (als Emmit) in „Drillbit Taylor – Ein Mann für alle Unfälle“ (2008), Troy Gentile (als Mark) in „Das Hundehotel“ (2008) und Tyler McGuckin (als Peter) in „Der Klang des Herzens“ (2007).

 

Mit Horst Stark im Studio
Ein besonderer Coup ist dem Hörspiel-Team von INTERPLANAR mit der Verpflichtung des Sprechers Horst Stark gelungen, der in „Aufbruch zu den Sternen“ die Rolle des „Barbarossa“-Captains Gregory Nelson spricht. Viele inzwischen längst erwachsene Hörspiel- und Science-Fiction-Fans kennen ihn vor allem durch seine Rolle als Commander Randy Perkins in dem neunteiligen Europa-Hörspiel-Klassiker „Commander Perkins“(1976 bis 1980).

Wie Stark in einem Interview aus dem Jahr 2001 auf hoernews.de verrät, sei er über seine Arbeit als Synchronsprecher zur Hörspiel-Arbeit gestoßen. Heikedine Körting, damals Chefin des Europa-Verlags, war „über das Theater (Thalia) und die Synchronisation des Adam“ in der Western-Serie „Bonanza“ „auf mich aufmerksam geworden“. Fortan wirkte er in vielen Europa-Produktionen mit, neben „Commander Perkins“ zum Beispiel als Telepath John Marshall in „Perry Rhodan“ und auch in vielen Karl-May-Hörspielen. In einem Interview, das der Autor Peter Wayand am 1. März 2014 auf seiner Seite peter-wayand.de veröffentlicht hat, erinnert sich Stark besonders gern an seine Karl-May-Zeit: „Es war herrlich – die eigenen Jugenderinnerungen wurden plötzlich real.“ Die Bücher von Karl May empfinde er als „großartige Jugendliteratur“. Zu seinen Lieblings-Arbeiten zählt Stark seine Synchron-Arbeit für Adam in „Bonanza“, für die Figur Schlehmihl in der „Sesamstraße“ und für den Chef in „Polizeirevier Hill Street“. „Im Hörspiel-Bereich war das natürlich der ,Commander Perkins’“, verrät Stark Peter Wayand.

In der Deutschen Synchronkartei tauchen zudem einige berühmte Filmstars auf, denen Horst Stark im Laufe der Jahre in Deutschland seine Stimme geliehen hat; darunter Burt Reynolds (in „Hai“ von 1969 und in „Ein ausgekochtes Schlitzohr 3“ von 1983), Martin Landau (in „Columbo: Doppelter Schlag), Ricardo Montelban (in „Columbo: Blutroter Staub“), Jack Nicholson (in „Die wilden Schläger von San Francisco“), Robert Vaughn (in „24 Stunden bis zur Hölle“) und Dennis Weaver in der Original-Synchronisation von Steven Spielbergs Debüt-Film „Duell“.

Eine Sprecherlegende: Der inzwischen 79-jährige Horst Stark. (Foto: B. v. Weymarn)

Eine Sprecherlegende: Der inzwischen 79-jährige Horst Stark. (Foto: B. v. Weymarn)

Von Weymarn: „Im Mark Brandis-Forum gibt es einen energischen Verfechter der Idee, dass Horst Stak doch mal bei Brandis mitsprechen solle. Eigentlich ist Horst Stark inzwischen im Ruhestand und hat das Staffelholz an seinen Sohn Christian Stark übergeben. Zudem verbringt er die Hälfte des Jahres auf Elba.“ So rechnete er eigentlich nicht damit, doch mal mit Stark arbeiten zu können. Über eine Empfehlung von Thomas Weichler, dem Leiter dem Hamburger Mark-Brandis-Stammstudios „TonSynchron“, kam von Weymarn dann mit dem Sprecher-Veteran aber in Kontakt… und hatte Glück. Im Winter, so Horst Stark, sei das Wetter auf Elba scheußlich, da genieße er lieber seine warme Wohnung in Hamburg. Und dann sagte Horst Stark tatsächlich zu, für „Mark Brandis, Raumkadett“ die Rolle des alten Skippers Gregory Nelson zu sprechen.

Im Studio sei Horst Stark dann zunächst „etwas brummig“ gewesen, erinnert sich von Weymarn an seine erste Begegnung mit dem inzwischen 79-Jährigen. „Bald wurde er aber etwas lockerer.“ In seiner Art, wie er sich auf die Rolle des Captain Nelson vorbereitet hatte, „erinnerte er mich daran, wie auch Gerhart Hinze an so eine Sache herangeht“ (Hinze spricht in vielen Brandis-Hörspielen VEGA-Direktor John Harris).

Als Mensch habe Horst Stark „gar keinen Draht zu seiner Berühmtheit in der Hörspielszene“, erinnert sich von Weymarn. „So machte ich um unsere Zusammenarbeit am besten auch kein großes Aufhebens.“

 

…und noch mehr „Commander Perkins“-Sprecher
„Nachdem uns Horst Stark tatsächlich zugesagt hatte, kam uns die Idee, auch Gernot Endemann in unserem Hörspiel unterzubringen“, verrät von Weymarn. In der Hörspiel-Serie „Commander Perkins“ sprach Endemann Perkins‘ Freund und ständigen Begleiter Major Peter Hoffmann. Den Hörspiel-Machern kam entgegen, dass Gernot Endemann bereits als Konstantinos Simopoulos eine wiederkehrende Rolle in der „Mark Brandis“-Serie gesprochen hat. Sound-Designer und Komponist Jochim C. Redeker, der wie Endemann in Hannover lebt, ist seitdem mit dem Sprecher und Schauspieler befreundet. Im Hörspiel ist Endemann nun tatsächlich in einer gemeinsamen Szene mit Horst Stark zu hören, und sie spielen zwei Weltraum-Veteranen, die sich schon seit vielen Jahren kennen. Von Weymarn: „Als ich Horst Stark erzählte, dass wir auch noch mit Gernot Endemann arbeiten, lachte er und meinte: ,Grüßen Sie ihn ganz lieb von mir!’“

Für die Mark-Brandis-Serie hat Gernot Endemann wieder vor dem Mikrofon gestanden.

Wieder dabei:  „Major Hoffmann“ Gernot Endemann, hier bei Sprachaufnahmen in Hannover im Studio von Jochim C. Redeker. (Foto: Jochim C. Redeker)

„Thomas Weichler schlug dann für eine weibliche Rolle noch Gabi Libbach vor“, erzählt von Weymarn. In der „Commander Perkins“-Serie spricht sie die junge Wissenschaftlerin Cindy Common, die ihrem Vater Professor Arthur Common (Franz-Josef Steffens) bei dessen Arbeit am Dimensionsbrecher hilft, einer Art Super-Transporter, mit dem sich Menschen in Sekunden auf andere Planeten versetzen lassen. „Thomas Weichler hat einen sehr guten Kontakt zu ihr. Er ruft sie quasi an, und sie ist eine halbe Stunde später im Studio.“

Die Hörspiel-Rolle der Cindy Common übernahm Gabi Libbach 1976 mit gerade mal 19 Jahren. In diesem Alter sprach sie laut Wikipedia auch in mehreren Folgen von „Hanni und Nanni“ mit und übernahm später Nebenrollen in den Serien „TKKG“ und „Die drei ??? “. „Sie hat in mehreren Filmen Ornella Muti synchronisiert und ist außerdem die deutsche Synchronstimme von Lara Croft in den ersten beiden „Tomb Raider“-Computerspielen. Das erste mal synchronisierte sie eine Hauptrolle in der Serie ,Die-Sieben-Millionen-Dollar-Frau‚. Die Rolle der Jamie Sommers, gespielt von Lindsey Wagner, übernahm sie noch vor dem Tode Carolin van Bergens. Seit 2000 ist sie die deutsche Stimme von Melina Kanakaredes, zuerst als Doktor Sydney Hanson in der Fernsehserie ,Providence‚ und später als Detective Stella Bonasera in ,CSI: New York‚.“ (wikipedia – Gabriele Libbach). Balthasar von Weymarn: „Sie spricht auch viele Dokumentationen, Voice-Overs und Radio-Features.“ Die Hamburger kennen ihre Stimme als Stimme der Hamburger Verkehrsbetriebe. „Sie ist die Stimme, die die Haltestellen ansagt.“

 

Über weitere Sprecher beim Hörspiel „Aufbruch zu den Sternen“ berichten wir am Mittwoch, 11. Juni 2014. Der Artikel erscheint am frühen Abend in unserem Blog.

Kategorie(n): Alles, Hintergrund, Making Of, Raumkadett

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