OT: Making of „Heliosphere 2265“ – Von der Idee zum ersten Hörspiel

(ez) – Ein Gefecht mit den geheimnisvollen Parliden, ein 300 Meter langer Raumschiff-Gigant, der mit unvorstellbarer Geschwindigkeit durchs All rast, ein mysteriöses Artefakt, das Menschen in den Wahnsinn treibt und einen ganzen Trupp Marines auslöscht… „,Heliosphere 2265‚ ist eine klassische Space-Opera wie ,Perry Rhodan‘, ,Star Trek‘ oder ,Babylon 5′, und alles ist deutlich größer, als wir das bisher im Mark-Brandis-Universum hatten.“ Mit diesen Worten fasst Regisseur von Weymarn das Konzept der neuen Hörspiel-Serie zusammen, deren erste Folge „Das dunkle Fragment“ am Freitag, 28. November 2014, auf den Markt gekommen ist. „Heliosphere 2265“ stammt aus der Feder des deutschen Science-Fiction-Kenners Andreas Suchanek und erscheint seit 2012 als E-Book- und Buch-Serie. Suchanek selbst hat sich vor mehr als einem Jahr an das Produktionsteam von INTERPLANAR gewandt. Sein Plan: aus „Heliosphere 2265“ soll großes Kopfkino entstehen. So holte sich der erklärte Mark-Brandis-Fan die Interplanarier an Bord.

Großer Aufwand Das Ergebnis kann sich hören und auch sehen lassen. Hauptsprecher ist „Anakin Skywalker“ Wanja Gerick, und zum Sprecher-Cast gehören noch weitere Hollywood-Synchronstimmen wie Manja Doering (die Stimme von Natalie Portman), Anke Reizenstein („Seven of Nine“ Jeri Ryan), Tobias Kluckert (Gerald Butler) und Thomas Nero Wolff (Hugh Jackman). Ein besonderer Clou ist dem Produktions-Team von INTERPLANAR für den Einsprechtext zu Beginn der Titelmusik gelungen. Zu hören ist hier die markante Jack Nicholson/Dustin Hoffman-Stimme von Joachim Kerzel.

Der Interlink-Kreuzer "Hyperion" in einem Artwork von Arndt Drechsler. (Grafik: Arndt Drechsler)

Der Interlink-Kreuzer „Hyperion“ in einem Artwork von Arndt Drechsler. (Grafik: Arndt Drechsler)

Auch beim Booklet haben Andreas Suchaneks Verlag „Greenlight Press“ und INTERPLANAR keinen Aufwand gescheut. In dem 12-seitigen Heftchen (einschließlich Cover und Rückseite) finden sich Kurztexte über die Serie und ihren Inhalt, eine Beschreibung und eine Grafik des Raumschiffs „Hyperion“, Kurzinfos zur Crew, eine Biografie und ein Bild von Captain Jayden Cross, Skizzen der Hauptcharaktere und die Credits. Das Innere des Booklets hat Jürgen Straub designt. Seit Jahren kümmert er sich schon um die Innengestaltung der Mark-Brandis-Cover-Faltblätter, sodass den Brandis-Hörern die Booklet-Optik sehr vertraut sein dürfte. Als ganz besonderes Schmankerl finden die Hörer – wenn sie die CD in ein Computerlaufwerk schieben – auch drei Artworks (unter anderem von der „Hyperion“), das E-Book der Folge „Das dunkle Fragment“ in drei verschiedenen Formaten sowie noch einmal das komplette Hörspiel im mp3-Format auf der Disc. „Wir wollen von Anfang an die Qualität betonen“, erklärt Andreas Suchanek. „Wenn die Fans schon ihr teuer verdientes Geld ausgeben, sollen sie auf jeden Fall was dafür bekommen.“

 

Überraschende Mail
Der Weg zur neuen Hörspiel-Serie begann für INTERPLANAR mit einer überraschenden Mail von „Heliosphere“-Erfinder Andreas Suchanek. Von Weymarn erinnert sich: „Er erzählte uns von seiner Serie, dass er unsere Mark-Brandis-Geschichen gerne hört und dass er wolle, dass auch aus ,Heliosphere‘ Hörspiele entstehen.“ Darauf bot er Suchanek an, die Kosten für eine Hörspiel-Adaption zu kalkulieren. „Ich merkte danach, dass Andreas tatsächlich eine realistische Vorstellung davon hatte, was so ein Hörspiel kostet.“

Um die Kosten überschaubar zu halten, schlug von Weymarn vor, für die Adaption das Personal in den Geschichten zu verkleinern. Dies macht er auch regelmäßig bei der Mark-Brandis-Serie. Sehr stark eingegriffen hatte er beispielsweise bei der Adaption des Brandis-Romans „Pilgrim 2000“. Die Zahl der überlebenden Siedler an Bord des titelgebenden Weltraum-Habitats schrumpfte von einer sehr großen Gruppe im Buch auf zwei im Hörspiel. So stark konnte von Weymarn bei „Heliosphere“ aber nicht eingreifen. „Das hängt mit den Büchern zusammen“, so von Weymarn. Während er die Mark-Brandis-Buchserie gleich als Ganzes vorliegen hatte und demnach auch wusste, welche Charaktere in der Gesamtgeschichte wichtig sind, weiß er das bei der laufenden Serie „Heliosphere“ nicht. „So besteht leider die Gefahr, dass man fürs Hörspiel jemanden streicht, der später in der Gesamtgeschichte noch wichtig wird.“ Zudem ist bereits die Stammbesetzung von „Heliosphere“ mit acht Sprechern recht groß. In der Liste von „Das dunkle Fragment“ tauchen nun sage und schreibe 20 Sprecher auf.

 

Hörspiel-Manuskript sehr dicht am Roman
Wer die „Heliosphere 2265“-Bücher bereits kennt, wird sich auch bei der Hörspiel-Adaption heimisch fühlen. Im Gegensatz zu den 30 bis 40 Jahre alten Mark-Brandis-Geschichten, die INTERPLANAR für die Hörspiele ganz bewusst modernisiert und auch verändert hat, bewegt sich der Regisseur bei seiner Manuskript-Arbeit für „Heliosphere“ sehr dicht an der Vorlage. „Wenn du mit dem Auftraggeber zusammenarbeitest, der zugleich der Schöpfer der Serie ist, erscheint das logisch, denn der hatte die Geschichte ja schon so geschrieben, wie er sie haben will.“ Fast alle Dialoge hat von Weymarn direkt aus dem Buch übernommen, „und nur Details mit Erklärungen hinzugefügt, die gefehlt haben“. Da es – wie bei den Brandis-Hörspielen – keinen Erzähler gibt, müssen diese Details für die Hörer aus den Dialogen hervorgehen.

Wichtige Details
Wie Details, die im Buch beschrieben werden, dem Hörer durch Dialoge vermittelt werden können, wird an einem Beispiel besonders deutlich. Es ist die Szene, in der Jayden Cross an Bord der „Hyperion“ zum ersten Mal seiner Brückencrew begegnet. Im Buch gibt es einen kleinen zeitlichen Sprung, nachdem Cross und sein Erster Offizier Commander Noriko Ishida die Brücke betreten haben. Während des Starts schweift dann Cross‘ Blick kurz über die Mitglieder der Crew, die bereits ihre Arbeit aufgenommen haben, und der Text liefert die nötigen Informationen.

Captain Jayden Cross in einem Artwort von Nicole Böhm. (Grafik: Nicole Böhm)

Captain Jayden Cross in einem Artwort von Nicole Böhm. (Grafik: Nicole Böhm)

Für das Hörspiel hat von Weymarn die Szene anders aufgebaut: „Captain auf der Brücke!“ ruft Ishida in die Runde, als sie mit Cross den Raum betreten hat. Dann wendet sie sich an ihren Vorgesetzten und sagt leise: „Es ist üblich, dass der Captain jedes Crewmitglied auf der Brücke persönlich anspricht.“ Und dann befielt sie: „Antreten zur Begrüßung durch den Captain!“ In den folgenden Minuten stellt sich jeder anwesende Offizier namentlich und mit ein paar Sätzen zu seiner Person und zu seinen Aufgaben vor. Danach kann auch der Hörer die Stimmen den einzelnen Charakteren zuordnen. Ganz nebenbei liefert der Manuskript-Text auch noch eine wichtige Charaktereigenschaft von Jayden Cross. Auf Ishidas Befehl „Antreten zur Begrüßung durch denn Captain“, murmelt er gequält „Muss das so förmlich sein?“ So erfährt der Hörer, dass Cross auf die steife militärische Etikette wenig Wert legt… ohne dass es jemand erklären muss.

 

Eine komplexe Welt
Um dem Regisseur die Arbeit bei der Adaption der Bücher zu erleichtern, ließ ihm Andreas Suchanek die „Serienbibel“ zu „Heliosphere“ zukommen. Eine solche Serienbibel ist eine Art Handbuch, in der das Wichtigste festgehalten ist. Zum Beispiel sind hier Charaktere beschrieben, ihre Beziehungen zueinander und auch ihre Vergangenheit. Definiert ist auch die Welt, in der die Serie spielt. „So etwas zu haben, ist sehr hilfreich“, weiß von Weymarn, der zu den Mark-Brandis-Hörspielen selber eine Serienbibel verfasst hat.

Das „Heliosphere“-Universum ist eine komplexe Welt, die sich dem Hörer nach und nach erschließt. Das Booklet zu „Das dunkle Fragment“ gewährt einen kleinen Einblick. Im Jahr 2265, in dem die Serie beginnt, hat die Menschheit einen langen Krieg gegen die geheimnisvollen Parliden überstanden. Durch den Krieg ist die Solare Union, zu der neben der Erde viele Kolonien gehören, aber instabil geworden. „(W)eil sie von der Zentralregierung benachteiligt wurden, erklärte ein Teil der Randwelten sich für unabhängig.“ Dies bildete wiederum die Saat für den Aufstieg der Eriin-Piraten. In den Randwelten brach Anarchie aus. Die Geschichte von Jayden Cross ist unmittelbar mit den Konflikten in den Randwelten verbunden. Bei einer Schlacht gegen den Eriin-Bund trug er an einer Hand Brandwunden davon. Nach dem Tod seines Captains übernahm er das Kommando der „Defender II“ und besiegte die Angreifer; verlor dabei aber das Schiff und 260 Besatzungsmitglieder. Sein Handeln brachte ihm den Tapferkeitsorden der Solaren Union, die Beförderung zum Captain und das Kommando über den modernen Interlink-Kreuzers „Hyperion“ ein.

Schon sehr schnell bekommt der Hörer in der ersten Folge mit, dass es auch innerhalb der Admiralität der Space Navy Konflikte und Intrigen gibt, was sich unmittelbar auf die Crew der „Hyperion“ auswirkt. „Neben den Weltraum-Abenteuern geht es in der Serie viel um Politik. Da passiert schon innerhalb der ersten drei Folgen eine ganze Menge, und die Besatzung der ,Hyperion‘ droht, zwischen den Fronten zerrieben zu werden.“ Für den Hörer bedeutet das, dass er ständig aufmerksam sein muss, weil ihm sonst wichtige Informationen verloren gehen. „Um die Geschichte nebenbei zu hören, ist ,Heliosphere‘ definitiv nicht geeignet, aber ich finde es toll, das heutzutage das Publikum bei vielen Serien gefordert ist“, freut sich von Weymarn.

Die nächste Hörspielfolge von „Heliosphere 2265“, „Zwischen den Welten“, deutet sich bereits an. Ganz wie dem Kino-Publikum bei den meisten Marvel-Superhelden-Filmen empfiehlt es sich für die Hörer von „Das dunkle Fragment“, bis nach dem Abspann sitzen zu bleiben.

In unserem nächsten Making-of-Artikel zur neuen Serie „Heliosphere 2265“ geht es um die Sprecher und die Sprachaufnahmen im Berliner Studio „Sound of Snow“. Der Artikel erscheint am Samstag, 6. Dezember 2014, nachmittags auf unserem Blog. Die Folge „Das dunkle Fragment“ ist seit dem heutigen Freitag, 28. November 2014, im Handel erhältlich.

Kategorie(n): Alles, Hintergrund, Making Of, OT

3 Antworten auf OT: Making of „Heliosphere 2265“ – Von der Idee zum ersten Hörspiel

  1. Anakin Skywalker und Major Sam Carter- Wanja Gerick und Christin Marquitan sind zwei coole Sprecher

  2. Zu viele Stimmen aus Enders Game und vor allen Dingen MB Raumkadett. Das macht keinen Spaß mehr. Ich halte Wanja Gerick zudem für falsch besetzt. Er klingt viel zu Jung für einen Captain. Eher wie ein junger Lutennant.

    INTERPLANAR sagt:

    Danke für den Kommentar!

    1. Dass der Captain sehr jung ist, ist Vorlage des Buchs. Jayden Cross ist zu Beginn des Buches 33, genau wie Wanja heute. Weder Hörspiel noch Buch tut so, als wäre er älter … in welchem Fall die Kritik sehr berechtigt wäre. Das Durchschnittsalter des Soldaten in Vietnam war 19, das der Zugführer 24 (Beispiel).
    2. Um ein zweites fiktionales SF-Beispiel zu wählen: Captain Picard war bei seinem ersten Kommando sogar noch sechs Jahre jünger. Es ist ein typisches Zeichen einer Gesellschaft, die bereits lange im Frieden lebt, dass sie Personal- und militärische Verantwortung vergleichbar einer Chefposition im Frieden eher bei Menschen ab 40 angesiedelt sieht.
      Die Bundeswehr sieht z.B. eine Beförderung zum Hauptmann/Kapitänleutnant frühestens vier Jahre nach Verleihung des Leutnantranges vor. Das heisst, dass ein erfolgreicher Soldat mit 25 oder 27 z.B. zum Kommandanten eines U-Bootes aufsteigen kann und wird. Und seine Stimme ändert sich dann auch nicht.

    Aber eine Meinung ist eine Meinung ist eine Meinung.