Nachgedruckt: das Interview in GEEK!

Mit ihrer Umsetzung von Mark Brandis als Hörspielserie heimsten sie renommierte Preise ein und eroberten die Hörerherzen im Sturm. GEEK! sprach mit dem Produzenten, der auch für die Manuskripte verantwortlich zeichnet.

GEEK!: Mark Brandis nähert sich langsam aber sicher seinem Ende. Als Raumkadett schickt ihr ihn nun in eine Prequel-Nachfolgeserie, bei dem wir Brandis in jungen Jahren während seiner Ausbildung erleben. Wollt ihr damit ein jüngeres Publikum ansprechen als in der „erwachsenen“ Hauptserie und habt ihr keine Angst, euer älteres Publikum damit zu vergraulen?

BvW: Der Herder-Verlag hatte seinerzeit die Geschichten um Mark Brandis als Bücher für Jugendliche veröffentlicht. Als 2007 die ersten Rektionen auf die Hörspiele reinkamen, waren wir erstaunt, dass wir auch ein erwachsenes Publikum hatten. Das hat uns Mut gemacht, die erwachseneren Themen der Serie nicht auszusparen. Und ähnlich ist es hier: wenn wir unseren Helden ernst nehmen, ihn also mit allen Fehlern behaftet zeigen, dann ist er als Figur nicht nur für jugendliche Hörer interessant. Das ist jedenfalls unsere Hoffnung.

GEEK!: Ihr arbeitet außerdem gerade an einer Umsetzung der Roman-Serie Heliosphere 2265 von Andreas Suchanek. Damit nehmt ihr eine weitere Science Fiction-Serie ins Programm. Wie unterscheidet sich die Arbeit an dieser Serie von denen mit Mark Brandis? Werdet ihr ein ähnliches Sounddesign nutzen oder bekommt Heliosphere 2265 einen ganz eigenen, charakteristischen Klang?

BvW: HS2265 ist technisch und inhaltlich in einer ganz anderen Zukunft angesiedelt. Im Ton gibt es natürlich Genrekonventionen wie die Presslufttüren an Bord eines Raumschiffs, oder dass Laserwaffen einen Klang verursachen. So etwas erwarten die Hörer, die gerne Vorbilder wie ST:TNG nutzen, um sich ihr inneres Hörbild zu malen. Die Abenteuer der Hyperion sollen aber ihre eigene Soundwelt haben und an ihr erkennbar sein. Daran arbeitet Jochim zur Zeit neben seinem Konzept für die Musik der Serie.

GEEK!: Beim Erstellen von Hörspiel-Manuskripten geht es sehr oft darum, bestehendes Material zu straffen und zu kürzen, Verbindungen zu anderen Folgen herzustellen oder verschiedene Vorlagen zu vermischen. All das hast du u.a. bei Mark Brandis schon getan. Wie gehst du dabei vor? Gibt es eine bestimmte Abfolge an Schritten, wie du einen Text von der Prosa- in eine Dialogform bekommst?

BvW: Wenn es um eine Literaturadaption geht, in der ich frei bin, ist das Erste die Reduktion — das Herunterbrechen auf die Essenz, auf nicht mehr als eine halbe Seite. Von dort baue ich das Hörspiel textlich neu auf, indem ich mich frage: „und wie bekomme ich das jetzt szenisch erzählt?“ So fühlt es sich wie ein Aufbauprozess an, also etwas Positives, und nicht einfach wie ein Wegkürzen. Roger Ebert hat mal geschrieben, das Geheimnis der guten Umsetzung eines Buches in ein audiovisuelles Medium sei die Bereitschaft, sich um des Buches willen auch mal davon zu entfernen. Daran glaube ich fest.

Die Querverbindungen zu den anderen Geschichten der Serie und insbesondere die Insidergags entstehen beim Schreiben eher spontan.

GEEK!: Vielen Dank für das Interview!

Kategorie(n): Alles, Archiv, Interviews, Presse

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