Making of „Der Pandora-Zwischenfall“ – Die Sprecher und die Sprachaufnahmen

MILDE SPOILER voraus!

  • (ez) – Zum Abschluss der Mark-Brandis-Originalserie hat das Team von INTERPLANAR den Fans ein Geschenk gemacht. Sie konnten sich einen oder zwei Sätze aussuchen, sie einsprechen und die Tondokumente an die Hörspielmacher schicken. Zwölf von ihnen sind jetzt im Hörspiel „Der Pandora-Zwischenfall“ zu hören.
  • Eine ganz besondere Szene entstand mit Mira Christine Mühlenhof, die ihre Stimme bisher dem Bordsystem CORA geliehen hat.
  • Eine gemeinsame Szene mit Brandis-Sprecher Michael Lott und Daniel Claus dürfte besonders den Kennern der Prequel-Serie „Mark Brandis, Raumkadett“ gefallen. Claus ist der Sprecher des jungen Brandis. Neu im Team sind zwei Sprecherinnen und drei Sprecher.
  • Ein Wiederhören gibt es nach mehreren Jahren (12 Jahre sind für Mark Brandis, fünf für das Publikum vergangen) mit dem Raumflotten-Offizier Frederic Young. Jener ist erstmals im Zweiteiler „Raumsonde Epsilon“ aufgetreten und wird erneut von Erich Räuker gesprochen.

Wiederbegegnung mit Frederic Young
In der Gestalt von Frederic Young wird einer der Unterschiede zwischen den Büchern und den Hörspielen deutlich. In Nikolai von Michalewskys Roman „Raumsonde Epsilon“ (1974) ist Major Young ein engstirniger Offizier, der alles tut, damit das Militär das geheimnisvolle Flugobjekt aus den Tiefen des Alls in die Hände bekommt. Auf der Heimreise zur Erde wird er dann von dem schon schwer strahlenkranken Captain van Kerk getötet.

Manuskriptautor von Weymarn legte Young im Hörspiel nicht ganz so extrem an. Young überlebte das Abenteuer und bekam so in „Der Pandora-Zwischenfall“ die Chance auf einen zweiten Auftritt. Inzwischen ist Young Colonel und hat sich seit dem ersten Aufeinandertreffen mit Brandis etwas zum Guten verändert. Er arbeitet mit Brandis an der Rettung eines im Grunde friedlichen Projekts Hand-in-Hand zusammen. Seinen Sinneswandel begründet er aber trotzdem mit militärischem Denken: „Die Raumflotte erfüllt den Auftrag und den Befehl des Souveräns.“ Sprecher Erich Räuker arbeitet mit von Weymarn schon seit mehreren Jahren regelmäßig zusammen. Vor ein paar Jahren sprach er in der SF-Großproduktion „Ender’s Game“ die Kriegerlegende Mazer Rackham. In der „Raumkadett“-Folge „Der Aladin-Schachzug“ ist er als der zwielichtige Trent Arris zu hören und in der „Heliosphere 2265“-Folge „Zwischen den Welten“ als der Außerirdische Al-Re-Al.

 

Mira Christine Mühlenhof als Ninni Persbrandt
Mit der Begegnung von Mark Brandis und der „Pandora“-Stationsleiterin Ninni Persbrandt schließt sich für den Helden ein Kreis. Er steht der Frau, die seinem Bordsystem CORA die Stimme gegeben hat, leibhaftig gegenüber. Als er aus dem Nebenraum ihre Stimme hört, spricht er sie spontan mit CORA an.

Die wahre CORA Mira Christine Mühlenhof (links).

Im folgenden Dialog ist Brandis völlig verunsichert und bringt kaum einen geraden Satz heraus. CORAs sachliche, aber warme Stimme hat ihn seit fast 20 Jahren durch alle Höhen und Tiefen des Lebens begleitet, Persbrandt hingegen ist eher spröde und reagiert auf Brandis sehr kühl. Immerhin soll er sie auf der Station „Pandora“ ablösen. Noch peinlicher wird für Brandis das Gespräch, als ihn Persbrandt fragt, wie er denn seinen Kaffee wolle, worauf er – ohne zu überlegen – mit „Wie immer“ antwortet. CORA kennt seinen „doppelten Espresso in Milchschaum mit einem Schuss Muskat“ schon seit vielen Jahren. Perstbrandt hat natürlich keine Ahnung und reagiert erneut sehr befremdet. Regisseur von Weymarn: „Mira spielt diese Szene großartig, und auch Michael Lott habe ich gesagt, dass Brandis hier seine Selbstbeherrschung verliert.“ Das Ergebnis ist ein sehr menschlicher Moment des Titelhelden, der plötzlich mit jemandem konfrontiert wird, den er schon lange zu kennen glaubt und dessen Erwartungen dabei völlig zerstört werden.

 

Die Menschlichkeit der Astraliden
In „Der Pandora-Zwischenfall“ begegnen die Helden den Astraliden, einer völlig neuen Art von Kunstmensch. Anders als die unheimlichen Homo Factus-Krieger aus dem Bürgerkrieg sollen diese aber menschlich wirken. Dass sie für den Hörer trotzdem etwas Fremdartiges ausstrahlen, ist ein Verdienst der drei Sprecher Daniel Claus (M3), Melanie Fouché (M6) und Philipp Zieschang (M11). Die Astraliden artikulieren jedes ihrer Worte übertrieben deutlich. Dadurch bekommt ihre Sprechweise – obwohl der Klang menschlich ist – etwas Mechanisches.

Daniel Claus bei Sprachaufnahmen als junger Mark Brandis. (Foto: B. v. Weymarn)

Daniel Claus bei Sprachaufnahmen als junger Mark Brandis. (Foto: B. v. Weymarn)

Den Kontakt zu Melanie Fouché verdankt von Weymarn seiner Bekanntschaft mit der Agentur „Brilliant Voice“ aus Berlin. Fouché, Jahrgang 1977, arbeitet seit 2006 als Sprecherin und seit 2002 als Schauspielerin. Zu ihren Arbeiten als Schauspielerin gehören der „Tatort“ „Adams Alptraum“ von Hannu Salonen aus dem Jahr 2013. 2012 spielte sie in Edgar Reitz Kinofilm „Die andere Heimat“ mit. In „Pandora“ spielt sie die Astraliden-Frau M6, die jegliche Empathie vermissen lässt, im Gegensatz zu M3.

Auch Philipp Zieschang (M11) wird von der Agentur „Brilliant Voice“ vertreten. Zieschang ist gerade mal 21 Jahre alt, bringt aber laut „Brilliant Voice“ schon Erfahrung in Computerspiel-Synchronisation, Werbung, Fernsehen sowie Hörspiel mit. 2011 war er als bester Nachwuchssprecher für den Hörspielpreis „Ohrkanus“ nominiert.

Mit der Besetzung von „Mark Brandis Junior“ Daniel Claus für die Rolle des M3 spannt INTERPLANAR einen Bogen zwischen der letzten Folge der Originalserie zur ersten Folge der Prequel-Serie „Mark Brandis, Raumkadett“. Der junge Mann erinnert den inzwischen in die Jahre gekommenen Raumfahrer an ihn selbst und an sein erstes missglücktes Abenteuer; den Einbruch auf ein Gelände der europäischen Raumfahrtgesellschaft ESA. Mit diesem Einbruch beginnt die erste „Raumkadett“-Folge „Aufbruch zu den Sternen“.

 

Hans-Eckart Eckhardt als Professor Arved Jago
Hans-Eckart Eckhardt gehört zu den wenigen Sprecher von „Der Pandora-Zwischenfall“, die von Weymarn schon relativ zeitig, vor der Fertigstellung des endgültigen Manuskripts, aufnehmen konnte. „Ich suchte eigentlich jemanden für die Serie ,Heliosphere 2265′.“ Tommi Schneefuß, in dessen Studio „Sound of Snow“ große Teile der Aufnahmen entstanden, brachte dann Eckhardt ins Gespräch. In der epischen Space-Opera „Heliosphere 2265“ ist der Sprecher in der zweiten Folge „Zwischen den Welten“ als Commander Janis Tauser zu hören. Für „Der Pandora-Zwischenfall“ sprach er nach seinen „Heliosphere“-Aufnahmen dann gleich die Rolle des Professor Arved Jago ein. Von Weymarn: „Ich war mit den Dialogen für die Folge immerhin schon so weit, dass ich ihm den Jago-Text vorlegen konnte.“

Hans-Eckart Eckhardt wurde 1953 in Pforzheim geboren und ist Schauspieler, Sprecher, Moderator, Regisseur und Synchronsprecher. Als Schauspieler wirkte er zum Beispiel in Ron Howards Rennfahrer-Drama „Rush“ (UK/D 2013) mit. Mit einem inzwischen sehr berühmten Satz kennt ihn das deutschsprachige Publikum aus dem Science-Fiction-Spektakel „Guardians of the Galaxy“ (James Gunn, USA 2014). „Ich bin Groot“. Zu seinen jüngsten Arbeiten gehören die Kommentaraufnahmen für die sechsteilige „National Geographic“-Dokumentation „Taiwan: Die Insel der Fische“.

 

Arne Stephan als Dr. Julius Benzinger
Eine sehr markante und auch wichtige Rolle in „Der Pandora-Zwischenfall“ ist die des Dr. Julius Benzinger. Benzinger wird von dem Schauspieler Arne Stephan gespielt. Von Weymarn: „Ich lernte Stephan zufällig im Studio ,Sound of Snow‘ kennen. Er nahm dort für ein Game auf.“ Benzinger ist eine Figur Anfang 30, die dem Sprecher einiges abverlangt. Stephan nahm diese Herausforderung mit Freude an, „und hat Benzinger wirklich großartig gespielt“.

Der Pandora-Zwischenfall

Der Pandora-Zwischenfall

Arne Stephan, Jahrgang 1982, kennt ein größeres Publikum durch seine Mitwirkung in der RTL-Serie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“. Von 2006 bis 2008 verkörperte er die Doppelrolle des Marc und Viktor Hansen. Auf seiner Internetseite www.arnestephan.com werden auch Auftritte in den Serien „Soko Wismar“, „Soko 5113“ und „Küstenwache“ genannt sowie in „Danni Lowinski“. Zu seinen Hörspielarbeiten gehört „Die Päpstin“. Unter seinem Namen gibt es in der „Deutschen Synchronkartei“ 177 Treffer, und er hat auch eine eigene Facebook-Seite.

 

Anja Welzel als Gerlinde Tuborg
Wie Melanie Fouché und Philipp Zieschang lernte von Weymarn auch Anja Welzel über die Agentur „Brilliant Voice“ kennen. Welzel spricht die engstirnige Gerlinde Tuborg, eine Vertreterin der „Weltwacht“. Das TV-Publikum kennt Welzels Stimme unter anderem durch die Serien „Son’s of Anarchy“, „The Mentalist“, „Mad Man“ und „Andromeda“.

Welzel arbeitet seit 1996 als Sprecherin, Reporterin und Coach für Film, Funk und Fernsehen (www.welzeline.de) In dem SF-Film „Pacific Rim“ (Guillermo del Toro, USA 2013) ist sie als Computerstimme zu hören.

 

Die Fan-Sprecher
In einer rund dreiminütigen Sequenz relativ am Anfang des Hörspiels sind viele verschiedene Menschen zu hören, die nach ihrer Meinung zu Mark Brandis gefragt wurden. Die Sequenz ist im Stil einer zusammengeschnittenen Radio-Umfrage aufgebaut. Die Antworten reichen von „Brandis? War der nicht irgendwann in Afrika umgekommen?“, über „Mark Brandis? Lebt der noch? Der muss doch steinalt sein inzwischen!“ bis „Kenn ich nicht!“ Zu hören sind hier unter anderem die Hörspiel- und Mark-Brandis-Fans Oliver Pschorn, Godula Thiemann, Bjoern Korf, Christina Grobler, Andreas Berberich, Harald Schnürer, Julius Biebricher, Stan Lueder, Dennis Recht, Frank Schirlitz, Stephanie Preik und Christoph Ziegltrum.

Von Weymarn: „Alle, die sich meldeten, bekamen von mir ein kleines PDF mit Texten. Von denen konnten sie sich einen oder zwei Sätze aussuchen, die zu ihrer Stimme passen, und uns die Clips schicken. Zwölf haben wir ausgesucht. Das war ganz schön aufwändig.“ Die Clips gingen dann weiter an die Ton-Zauberer Jochim C. Redeker und Tommi Schneefuß. Sie gaben jeder Stimme einen eigenen Hintergrund.

 

Unsere Berichterstattung über „Der Pandora-Zwischenfall“ und über das Finale der Serie geht weiter. Unter anderem spricht Regisseur von Weymarn darüber, wie sich die Figur Mark Brandis innerhalb von 32 Folgen gewandelt hat. Das Hörspiel ist am Freitag, 24. Juli 2015, veröffentlicht worden.

Kategorie(n): Alles, Hintergrund, Making Of

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