Making of „Der Pandora-Zwischenfall“ – Das Manuskript

(ez) – Was ist Menschlichkeit, und kann man sie künstlichen Lebensformen beibringen? In dem Hörspiel „Der Pandora-Zwischenfall“, das die erste Mark-Brandis-Hörspielserie abschließt, steht die Menschheit davor, Boten in die Tiefen des Weltraums außerhalb des Sonnensystems zu senden. Diese Boten sind hochintelligente langlebige Kunstmenschen, die Astraliden. Mark Brandis kommt hinzu, als es zu Todesfällen auf der Station „Pandora“ kommt, in der die Astraliden auf ihre Expedition vorbereitet werden.

„Die Folge 32 soll über die Serie hinausweisen“, verrät Manuskript-Autor von Weymarn, „und ein Gefühl des Abschiednehmens vermitteln“. Um genau dieses Gefühl zu treffen, hat sich das Hörspiel-Team von INTERPLANAR entschieden, die letzte Folge allein, und nicht im Block mit den CDs 30 und 31 und produzieren. Und von Weymarn machte sich lange Gedanken darüber, wie er die Mark-Brandis-Serie wohl abschließen solle.

„Die Geschichte soll dem Abschluss der Serie gerecht werden“
„Für die letzte Folge wollte ich mich nicht hetzen lassen“, blickt von Weymarn zurück. Im Grunde hätte er nach dem Schreiben von „Planetaktion Z“ (veröffentlicht im Januar 2015) und „Geheimsache Wetterhahn“ (veröffentlicht im April 2015) sofort weitermachen können, „aber ich hatte noch nicht den inneren Zugriff auf die letzte Folge“.

„Es gibt viele Serien, die irgendwann einfach eingestellt werden, weil sich die Hörer nicht mehr für sie interessieren.“

Der Pandora-Zwischenfall

Der Pandora-Zwischenfall

Dass „Pandora-Zwischenfall“, Nikolai von Michalewskys 27. Mark-Brandis-Roman, und nicht „Geheimsache Wetterhahn“, das offene Ende der Romanserie, die Hörspiele abschließen sollte, stand schon vor einem Jahr fest. Der Grund liegt in den Themen des Buches. Einerseits weist das Vorhaben, das Sonnensystem zu verlassen, weit in die Zukunft, andererseits greift die Idee der Astraliden die großen Fragen der SF auf. Ab wann ist eine künstliche Lebensform eine Person, und kein Ding mehr? Kann man Menschlichkeit lehren, und sind künstliche Lebensformen tatsächlich geeignete Botschafter des Menschen?

Die Hörspielserie nach rund zehn Jahren Produktionsgeschichte bewusst abschließen zu können, nennt der Hörspielautor „ein Privileg“.
Dieses Privileg habe Nikolai von Michalewsky, der Erfinder von Mark Brandis, nicht gehabt. Die einzigen Bücher, die von Michalewsky damals wirklich als Serie aufbauen konnte, waren die ersten vier Bände gewesen, die den Bürgerkriegs-Zyklus bildeten. Alle darauf folgenden Romane seien Einzelaufträge an Michalewsky gewesen, und mit „Geheimsache Wetterhahn“ habe nach 17 Jahren (1987) und 31 Büchern der Verlag einfach keine neuen Bände mehr bestellt.
Von Weymarn und Mitproduzent Jochim C. Redeker konnten das Ende ihrer Serie jedoch planen und geben ihr damit den Abschluss, den sie sich vorgestellt haben. Das Schreiben des letzten Manuskripts war damit aber nicht unbedingt einfacher.

„Als ich an die Geschichte heranging, überlegte ich, welche Teile des Buches ich in das Hörspiel übernehmen würde, wen ich noch einmal auftreten lasse und welche Handlungsfäden ich zu einem Ende führe.“

SPOILERWARNUNG ▼

Eine unerwartete Begegnung
Mark Brandis wechselt in „Der Pandora-Zwischenfall“ von der Rolle des Helden und Problemlösers in eine Art Elternposition. Er wird zum Lehrer der Astraliden. Seit dem ersten Hörspiel „Bordbuch Delta VII“ (veröffentlicht 2007) sind für ihn fast 20 Jahre vergangen, „und ich wollte zeigen, wie er damit umgeht, dass er keine 30 mehr ist“, so von Weymarn.

BvW nachdenklich bei der Arbeit an "Der Pandora-Zwischenfall" (Foto: Eric Zerm)

BvW nachdenklich bei der Arbeit an „Der Pandora-Zwischenfall“ (Foto: Eric Zerm)

In der Station „Pandora“ auf dem Jupitermond Kallisto hat er dann eine ganz unerwartete Begegnung. Er lernt die Frau kennen, deren Stimme ihn bereits seit dem ersten Flug der „Delta VII“ durchs Leben begleitet. Ninni Persbrandt hatte ihre Stimme einst für ein Sprachsystem der VEGA (Venus-Erde-Gesellschaft für Astronautik) aufgenommen. Brandis kennt ihre Stimme als die des Bordsystems CORA, und es bringt ihn völlig aus dem Konzept, dieser Stimme in Form einer Frau aus Fleisch und Blut gegenüberzustehen, die natürlich völlig anders ist, als er sie sich vorgestellt hat.

Von Weymarn: „Mark Brandis Beziehung zu CORA ist ja fast eine platonische Liebe. Ihm ist diese weibliche Stimme sehr vertraut geworden. CORA hat ihm in zuweilen sogar vorgelesen, wodurch schon eine gewisse Art von Intimität entsteht. Und jetzt begegnet er dieser Frau, die sich an all das natürlich nicht erinnern kann, weil sie es nie erlebt hat.“

 

Ein Wiederhören
Ein Wiederhören gibt es in „Der Pandora-Zwischenfall“ mit Dr. Rebecca Levy. Sie war seit dem Zweiteiler „Die Zeitspule“ (veröffentlicht im Hochsommer 2014) nicht mehr dabei gewesen. Seit dem Zweiteiler „Pilgrim 2000“ (veröffentlicht im Frühjahr 2011) gehörte sie zur Stammbesetzung. Auch Brandis‘ treuer Navigator Iwan Stroganow ist nach einer langen Pause ein letztes Mal zu hören. Er gehört zu den Bürgerkriegs-Veteranen. Schon in der ersten Folge „Bordbuch Delta VII“ war er mit an Bord. Von Weymarn: „Damit waren in den letzten Folgen noch mal alle Haupthelden zu hören.“

Die letzte Szene – so nahm es sich von Weymarn vor – sollte allein dem Paar Mark Brandis und Ruth O’Hara gehören.

SPOILERWARNUNG ▼

Das Hörspiel „Der Pandora-Zwischenfall“ wird am Freitag, 24. Juli 2015, veröffentlicht. In unserem nächsten Making-of-Artikel berichten wir über die Sprecher und die Sprachaufnahmen.

Kategorie(n): Alles, Hintergrund, Making Of

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