OT: Kein Bargeld mehr?

Die Mark Brandis-Reihe setzte als gegeben voraus, dass ab der 2. Hälfte des 21. Jahrhundert das Geld abgeschafft sein würde.

Das Bargeld?
Nein: das Geld im Ganzen. Und das ist ein großer Unterschied.

Dabei war nicht ein kommunistischer Umbruch gemeint, sondern eine Umstrukturierung, die im Rahmen der EAAU Geld als solches überflüssig machen würde. Was der Autor der Bücher (und ich als Hörspielautor) ganz gewiss NICHT im Sinn hatte, auch nicht auf dem Weg dahin, ist das, was jetzt immer deutlicher diskutiert werden soll — die Begrenzung des Bargelds und die universelle Umstellung auf bargeldlosen Geldverkehr.

Die offizielle Argumentation stellt den Kampf gegen Geldwäsche und Schwarzarbeit in den Vordergrund, es wird geredet von Kampf gegen Terrorismus und von Erleichterungen für den Mittelstand: alles Augenwischerei. Der Grund, weswegen dieser Vorstoß so energisch von den Banken unterstützt wird, ist einfach — und man muss eigentlich kein SF-Leser sein, um sich ein solches Szenario vorzustellen:

  1. Die Nutzung von Bargeld wird in der Konsequenz immer teurer. Ist der erste Schritt (die Begrenzung auf €5.000.-/Transaktion) einmal vollzogen, folgen weitere Schritte, weil „der Erfolg sich doch irgendwie noch nicht eingestellt hat“. Der Einzelhandel, der für Wechselgeld ohnehin schon zahlen muss, wird zur Konformität gezwungen. Früher oder später gibt es auch im Einzelhandel und im Supermarkt nur noch das Zahlen mit Chip- oder EC- bzw. Kreditkarte.
  2. Geld ist also ein „virtuelles Gut“ geworden, das nur noch auf elektronisch geführten Konten ersichtlich ist. Ergo: missliebigen Personen alle Finanzmittel einzufrieren, zu entziehen oder zu löschen ist nur noch eine Frage des Tastendrucks auf die richtige Taste durch eine entsprechend „ermächtigte“ Person.
  3. Dass diese Person auch kriminellen Hintergrund haben könnte, will ich als logisch voraussetzen. Es glaubt ja auch hoffentlich keiner auch nur eine Sekunde, dass dieser rein virtuelle Geldverkehr dann „sicher“ wäre, oder?
  4. Sowie Privatpersonen keine Möglichkeit mehr haben, Geld physisch abzuheben (und damit woanders hinzugehen), werden die Banken als logischen nächsten Schritt den grundsätzlich negativen Zins einführen. Das heißt: Geld auf der Bank bedeutet dann, dass es automatisch jeden Monat weniger wird. Keine kostenlosen Konten mehr. Auch das Sparbuch im ursprünglichen Sinn gibt es dann nicht mehr. Geld kann dann quasi nach Gewicht abgerechnet werden, je mehr auf dem Konto, desto teurer pro Monat. Oder je weniger auf dem Konto, desto teurer. Warum auch nicht? Eine grundsätzliche Alternative (Geld unter dem Kopfzissen aufbewahren) fällt ja weg. Neben der Totalüberwachung durch Big Data und die Finanzbehörden wird der einzelne Bürger ab diesem Moment auch durch die Banken gemolken. Und jeder weiß: wenn jemand keine Alternative hat, muss er zahlen.

Wer aus der Geschichte nichts lernt, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen. Jeder, der aus den Büchern um Mark Brandis etwas entnommen hat, sollte das Begrenzen und Verschwinden des Bargelds nicht zulassen wollen.

PS: Erinnert sich noch wer an die Monopolzeit der Post im Bereich Telefon? Telefone wurden nicht verkauft, die wurden für DM 24.-/Monat vermietet. Produkte aus dem Ausland anzuschließen war verboten. Es gab die Wahl zwischen einem Tasten- und einem Wählscheibentelefon, und schon eine andere Farbe war teurer. Hat jemand weitere Beispiele?

Kategorie(n): Alles, Schreibtischgedanken

Eine Antwort auf OT: Kein Bargeld mehr?

  1. Ich werde mit allem was ich bin mich dem entgegen stellen, dass das Bargeld abgeschafft wird. Dann ist man der skrupellosen und für mich mittlerweile verbrecherischen Finanzwelt gänzlich ausgeliefert.
    Leider ist ein beträchtlicher Teil der Politik nur noch Ausführungsorgan der Finanzwelt.
    Die Demokratie muss wieder neu belebt werden von uns Bürgern.
    Ich wähle keine Partei mehr, die nur noch der Großindustrie und dem Großkapital andient.