Making of „Mondschatten“ – Im Gespräch mit dem Autor und Regisseur

(ez) – Im neuen „Raumkadett“-Hörspiel „Mondschatten“ liegt von der ersten Sekunde an eine große Anspannung in der Luft. Die Folge beginnt mit Kampftraining in der Schwerelosigkeit, und sowohl bei Ausbildern als auch bei den Raumkadetten spürt man, dass sie unter großem Druck stehen. Als es zu einer Übung auf den Mond geht, rechnen die jungen Helden damit, dass sie gegen besonders gedrillte Kadetten der Raumflotte antreten müssen, doch dann kommt alles ganz anders.
SPOILERWARNUNG ▼

Der Autor und Regisseur spricht im Interview mit Blog-Schreiber Eric Zerm über das neue Hörspiel „Mondschatten“ über die Hörspielarbeit und über eine nagelneue Serie. SPOILER VORAUS!

E.Z.: „Mondschatten“, die achte „Raumkadett“-Folge, erscheint am Freitag, 15. April. Schon in rund einem Monat gibt es mit „Die Bürde des Captains“ die sechste Folge der großen Space-Opera „Heliosphere 2265“, und „Raumkadett 9“ ist mit „Endstation Pallas“ auch schon angekündigt. Bei eurer Hörspiel-Produktionsfirma INTERPLANAR herrscht offenbar Hochbetrieb.

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BvW: Jochim und ich hatten uns ausgerechnet, dass das Ende der Hauptserie auf ein reduziertes Arbeitspensum hinauslaufen würde. Da haben wir uns wohl geirrt. Wir befinden uns derzeit in der Vorbereitung für eine weitere Serie, die noch dieses Jahr Premiere haben soll: „Die Chroniken der Seelenwächter“. Damit sind es wieder drei Serien in Produktion.

E.Z.: Der Grundton der Serie ist seit „Laurin“ deutlich rauer als in der ersten Staffel, und die Helden sind erwachsener. Wie haben die Hörer darauf reagiert?

BvW: Die Kritiker haben das positiv aufgenommen; ich nehme allerdings auch an, dass sie in der Mehrzahl Erwachsene sind, die sich an den eher erwachsenen Tonfall der Hauptserie gewöhnt hatten und von „Mark Brandis“, egal ob erwachsen oder jung, eine gewisse Komplexität in Handlung und Charakterfragen erwarten. Die junge Zielgruppe (unter 20) hat sich uns gegenüber noch nicht dazu geäußert.

E.Z.: In den bisherigen „Raumkadett“-Folgen klingen sehr unterschiedliche Genres an: Abenteuer, Krimi, Kalter-Kriegs-Thriller, Verschwörungsgeschichte, und zuletzt tobte in „Laurin“ eine große Schlacht mit High-Tech-Waffen. Welches Genre erwartet die Hörer in „Mondschatten“?

BvW: „Mondschatten“ setzt die etwas düstere Linie fort. Die Welt befindet sich im Kalten Krieg; entsprechend angespannt ist alles hinter den Kulissen. Das verbinden wir mit der für die Serie typischen „Fußsoldaten wissen nichts“-Perspektive. Mark Brandis ist nicht Kommandant, er ist Kadett. Und selbstverständlich erfährt er erst spät, was gespielt wird. Er muss reagieren. Er kann noch keine Akzente setzen.

E.Z.: Der Mond ist in der Zeit, in der „Mondschatten“ spielt, in zwei Herrschaftsbereiche unterteilt. Hast du da an das früher geteilte Berlin gedacht?

BvW: … und an Nord- und Südkorea, Nord- und Südvietnam, Nord- und Südirland.

E.Z.: Das unterirdische Camp Luna I erinnert mich an einen Schauplatz aus der Originalserie, das Camp Luna V in „Verrat auf der Venus“. Was schreibt denn Nikolai von Michalewsky in seinen Mark-Brandis-Romanen über diese Camps?

BvW: Sehr wenig. Er ließ diese Camps auch nur im Bürgerkriegzyklus auftauchen – und wie sie wohl aussahen, überließ er weitgehend der Fantasie des Lesers. Ich habe diesen Namen dann mit der Idee der Lavatunnels verknüpft.

E.Z.: Greg Badger (Nico Nothnagel), der Verwalter des Mond-Camps, deutet an, dass es die Vereinigten Staaten von Amerika nicht mehr gibt („War mal eine gute Grundidee“). Gibt es dazu etwas in den Romanen von Michalewsky?

Arbeit am Buch "Alarm für die Erde"

Arbeit am Buch „Alarm für die Erde“ (Foto: Eric Zerm)

BvW: Sehr wenig. Ein Zitat aus „Alarm für die Erde“ lautet: „Diese Fehleinschätzung erklärt bis zu einem gewissen Grad den im Jahre 1987 geschlossenen Deponievertrag zwischen der Atomenergiebehörde der damals noch existierenden Vereinigten Staaten von Amerika und der Regierung der Ostafrikanischen Union“. Irgendwann zwischen 1987 und 2080 [die Romane sind zeitlich etwa 50 Jahre früher als die Hörspiele der Hauptserie angesiedelt. Anm. der Red.] muss sich also dieser Staatenverbund aufgelöst haben – ob das einfach die Übernahme in die EAAU bedeutete oder durch einen Krieg geschah, blieb bei Nikolai v. M. offen.

E.Z.: Ein Teil der Geschichte spielt im Mare Vaporum auf dem Mond. Wo ist das, und was ist das für ein Mond-Gebiet?

BvW: Ich suchte hier nach einem Gebiet, das in Äquatornähe liegt und der Erde zugewandt ist. Das „Meer der Dämpfe“ liegt im Dreieck zwischen dem „Meer der Ruhe“, dem „Meer der Heiterkeit“ und dem großen „Regenmeer“. Alle drei sind natürlich keine Meere, sondern dunkler erscheinende riesige Lavadecken, die auf die Einschläge von Asteroiden zurückzuführen sind. Die Vermutung liegt nahe, dass sich unter ihnen auch Lavatunnel befinden können.

E.Z.: Mit welcher Art Waffe werden die Raumkadetten im „Mondschatten“-Finale denn konfrontiert?

BvW: Spoileralert! Diese Frage will ich niemandem versalzen.
E.Z.: Wie hat sich eure Hörspielarbeit seit den Anfängen der „Mark Brandis“-Originalserie (2006 – 2015) verändert?

Manuskript-Autor von Weymarn macht sich auf dem Tablet-Computer Notizen. (Foto: Eric Zerm)

Manuskript-Autor von Weymarn macht sich auf dem Tablet-Computer Notizen. (Foto: Eric Zerm)

BvW: Natürlich in erster Linie erst einmal mehr Routine und Erfahrung; etwas mehr Wissen, was „geht“ und was „schwierig ist“. Außerdem läuft jetzt viel mehr unserer Arbeit ab, ohne dass Jochim und ich uns vor Ort zum Arbeiten getroffen haben. In den ersten Jahren haben wir uns noch pro Folge zwei Mal je für ein ganzes Wochenende zum Schnitt und zur Mischung in Hannover zusammen gesetzt. Das gab es schon lange nicht mehr – auch, weil wir nicht mehr ein halbes Jahr für eine CD Zeit haben. Jochim macht die Produktion erst einmal so, wie er denkt, und dann bekomme ich was zum Hören und Feedbackgeben.

E.Z.: Bei der Originalserie hast du die Romanvorlagen von Nikolai von Michalewsky für die Hörspiel-Umsetzung adaptiert, „Raumkadett“ basiert auf eigenen Geschichten. Wie arbeitest du lieber?

BvW: Schwer zu sagen. Adaptionen von Büchern sind auf der einen Seite leichter, weil es Anfang, Mitte und Schluss, Thema und Stimmung schon gibt, und ich „nur“ umschreiben muss. Auf der anderen Seite sind die „Raumkadett“-Geschichten leichter, weil ich sie von vornherein als Hörspiele schreiben und anlegen kann. Jedes hat seine Vor- und Nachteile.

E.Z.: Bei der Serie „Raumkadett“ ist im Wesentlichen nur der Rahmen abgesteckt – von der Geschichte „Aufbruch zu den Sternen“ bis vor Beginn des Bürgerkriegs in „Bordbuch Delta VII“. Wie groß sind eure Freiheiten innerhalb dieses Rahmens – beim Label „Folgenreich“ und bei Reinhild von Michalewsky?

BvW: Ziemlich groß. Das Label gibt uns viel Raum zum Gestalten. Und Frau von Michalewsky hat ein sehr genaues Auge bzw. Ohr für Sprache und innere Stimmigkeit, sie sieht aber in erster Linie darauf, wie meine Geschichte vielleicht noch deutlicher und besser erzählt werden kann. Nur selten bekomme ich ihr Veto oder grundsätzliche Bedenken zu hören.

E.Z.: In „Mondschatten“ gibt es mehrere Zweikämpfe. Wie kann man sich die Sprachaufnahmen für solche Szenen vorstellen?

BvW: Relativ einfach: die Sprecher sind ja Profis und können kampfbegleitende Laute auf Kommando machen. Die Kunst liegt dann im Wortschnitt von Henrik, der diese Kämpfe dann „choreographiert“ bzw. bei Jochim, der die Toneffekte und Foleys dazufügt.

E.Z.: Wenn man die Schluss-Szene von „Mondschatten“ hört, weiß man, dass auf die Helden einiges zukommt. Wie weit bist du denn mit den Manuskripten?

BvW: Ich bin gerade im Korrekturlauf für die zehnte Folge, bevor weiter aufgenommen werden kann. Es wird auf jeden Fall zum Ende der 2. Staffel wieder sehr dramatisch!

E.Z.: Verrätst Du vielleicht schon ein paar Schlagworte?
BvW: Freundschaften kommen und zerbrechen. Krieg und Frieden, Hoffnung von unerwarteter Seite. Verantwortungsvoll zu entscheiden macht im Hörspiel nur dann „Spaß“, wenn es den Charakteren weh tut.

E.Z.: Das hört sich spannend an. Ich freue mich schon.

Die Folge „Mondschatten“, das neue Hörspiel der Serie „Mark Brandis, Raumkadett“, wird am Freitag, 15. April 2016, veröffentlicht.

Kategorie(n): Alles, Hintergrund, Interviews, Making Of

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