Zitat der Woche #2

Diesmal ein Ausschnitt aus »Unternehmen Delphin«:

Der Patrouillenführer, ein junger Lieutenant, beugte sich aus dem Einstieg des ersten Fahrzeuges.
»Stimmt etwas nicht, Sir?«
»Major« Rossi ließ sich Zeit, diese Frage zu beantworten. Schweigend musterte er den Lieutenant von oben bis unten. Er wusste, wie der Anblick der schwarzen Uniform auf ihn wirken musste. Der Sicherheitsdienst der III. Abteilung, aufgeteilt in einen militärischen und einen zivilen Zweig, verfügte über nahezu uneingeschränkte Vollmachten. Gegen seine Anordnungen gab es keine Berufung.
Endlich, als habe er es satt, sich noch länger mit der Person des Lieutenants zu beschäftigen, fragte »Major« Rossi:
»Wer führt die Patrouille in Ihrer Abwesenheit?«
»Sergeant O’Neill, Sir.«
»Lassen Sie ihn kommen!«
»Jawohl, Sir.«
Sergeant O’Neill erschien, vierschrötig, untersetzt, mit einem kantigen Gesicht voller Narben.
»Sie haben nach mir verlangt, Sir?«
»Der Major will Sie sprechen.«
»Major« Rossi überstürzte nichts. Er hatte sich in die ihm auferlegte Rolle hineingelebt und ließ die Drohung wirken, die von seiner Uniform ausging. Stirnrunzelnd nahm er den Sergeanten in Augenschein, bevor er den Mund auftat.
»Sergeant«, sagte er, »wir wollen hier kein Aufsehen erregen. Eskortieren Sie Ihren Lieutenant auf dem schnellsten Weg zum Zentralbüro des Sicherheitsdienstes. Er steht unter Arrest.«
Der Lieutenant war blass geworden.
»Aber warum, Sir?«
»Das«, sagte »Major« Rossi – wie er es oft genug gehört hatte – »werden Sie früh genug erfahren, Lieutenant.« Er wandte sich wieder an den Sergeanten. »Verlieren Sie keine Zeit. Die Ausführung des Befehls eilt.«
Er ging auf den Phantom zu, als wäre für ihn die Sache damit erledigt, Zoll um Zoll ein Mann, der sich völlig seiner Machtstellung bewusst war und der es nicht gewohnt war, dass seine Befehle unbefolgt blieben.

Kategorie(n): Alles, Buchzitate

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