Zitat der Woche #3

In der dritten Woche ein weiteres Zitat aus dem dritten Band des Bürgerkriegszyklusses:

Das Schiff zog ruhig dahin; die Automatik hatte die Steuerung übernommen. Nach ein paar Stunden Schlaf stellte ich meine Koje Lieutenant Horstmann von der Apollo zur Verfügung, trank eine Tasse Kaffee, steckte mir eine Tafel Schokolade ein und kehrte in das Cockpit zurück.
Commander Brandis war noch auf seinem Platz. Als ich mich neben ihn setzte, nickte er mir zu.
»Wie geht’s, Captain?«
»Besser«, sagte ich.
Er legte mir eine Hand auf den Arm. »Wissen Sie, worüber ich gerade nachgedacht habe?«
»Nein, Sir.«
»Ich habe gedacht, dass die Welt der Sterne, die der Mensch sich aufgeschlossen hat, ihn eigentlich hätte bescheiden machen müssen. Stattdessen erweckte sie in ihm lediglich das Verlangen, sie zu beherrschen. Was hat sich in all den Jahrtausenden eigentlich geändert? Alexander der Große, Dschingis Khan, Napoleon, Hitler und wie sie alle hießen – und jetzt der General! Eine einzige Kette der Herrschsucht, die sich durch die Geschichte zieht.«
Commander Brandis offenbarte mir eine Seite seines Wesens, mit der ich noch nicht vertraut war. In den letzten Tagen war er mir stets als ein harter, rücksichtsloser Mann erschienen, der sich selbst so wenig schonte wie alle anderen, wenn es eine Aufgabe zu erfüllen galt.
»Es gibt auch Gegenbeispiele«, sagte ich. »Präsident Hirschmann gehörte dazu.«
»Ja«, sagte er, »da haben Sie Recht. Und das ist unsere Hoffnung, die einzige, die uns bleibt. Menschen wie Hirschmann oder Tschou Fang-Wu.«

Kategorie(n): Alles, Buchzitate

3 Antworten auf Zitat der Woche #3

    Marcus Lelle sagt:

    Oh ja, die Menschheit müsste doch eigentlich dazulernen. Das denke ich mir gerade in den letzten 2 Jahren auch immer wieder.
    Und auch: Bei allen Erklärungen für Putins Handeln, für Trumps oder auch Erdogan, denke ich immer wieder: Aber das ist ganz objektiv menschlich nicht ok.
    Und bloß weil vor 10, 50 oder 100 Jahren die „Gegenseite“ es genauso gemacht hat, wird es trotzdem nicht „richtiger“.

    Aber es gibt eben auch immer wieder kleine Lichtblicke:
    Obama (bei allem, was absolut kritikwürdig ist), ein Präsident Mandela, Gorbatschow…

    INTERPLANAR sagt:

    Es ist für uns gruselig, zu sehen, dass nach vielen Jahren, in denen bestimmte Aspekte geradezu absurd erschienen, seit etwa 10 Jahren die Brandis-Serie immer erschreckender aktuell wird.
    –> Fukushima –> Flüchtlingskrise in Nordafrika (Flucht vor einer Katastrophe) –> Smith = Trump?

    Marcus Lelle sagt:

    Ja, NvM war da schon teilweise prophetisch. Wobei man sich auch fragen muss, ob bestimmte Dinge nicht schon immer so waren und so sein werden, so dass solche Vorhersagen nicht fast immer richtig liegen (müsssen).
    Leider sagen ja auch sehr viele Utopien einen 3. Weltkrieg voraus. Die Brandis-Buchreihe, Star Trek, um nur zu zwei zu nennen, die ich sehr gut kenne.

    Beide Serien gehen auch davon aus, dass das nicht das Ende der Menschheit sein wird. Wollen wir hoffen, dass sie auch darin nicht irren.

    Ich bin ja immer jemand, der das Gute (selbst im Schlechten) sieht und sehen möchte. Insofern möchte ich Trump (noch) nicht mit Smith gleichsetzen. Er ist ein Idiot und ein Machtmensch. Er ist für mich auch ein schlechter Mensch, weil er scheinbar keine oder kaum Moral hat. Aber ein blutrünstiger Diktator ist er nicht. Und ich hoffe und glaube aber auch, dass das US-Militär im nicht willfähig folgen wird.
    Was das ganze wirklich Positives hat ist, dass ich (und auch viele andere) Leute sich wieder mehr für die aktuellen Nachrichten interessieren und das stimmt mich optimistisch.