Hörspatz (21. Juli 2011)
[...] Eine Story mit viel Humor wird hier geboten, in der die Talente des Mark Brandis wieder stark gefragt sind. Neben lustigen Anleihen an andere Science-Fiction-Größen (das Problem anderer Leute!) und witzigen Szenen bekommt die Geschichte dennoch auch ihre ernste Note, als Ai als "illegale Existenz" entlarvt wird, und Brandis mit Hilfe von Walter Hildebrand tief in die Trickkiste greifen muss, um die politisch brisante Lage zu entschärfen. Besonderes Fingerspitzengefühl ist gefragt, denn die Braut soll in ihrer Heimat exekutiert werden! Brandis begibt sich auf dünnes Eis, und es scheint so, als ob die Dinge aus dem Ruder laufen, als er - ungewollt - den Aufenthalt von Grischa und Ai verrät...

Mit "Aktenzeichen: Illegal" bietet das Interplanar-Team rund um B. v. Weymarn die erste Einzelfolge seit langem. Und das ist nicht das einzig Auffällige an dieser Nummer 15. Die mit Rückblenden arbeitende Folge spielt zum Großteil auf der Erde, und es menschelt diesmal stark...

Neben Michael Lott und David Nathan stehen mit Christian Senger und Tanja Fornaro einige neue Stimmen im Rampenlicht, und es gibt ebenfalls ein Wiederhören mit Oliver Rohrbeck. Zu den für die Serie üblichen starken Sprecherleistungen präsentiert sich "Aktenzeichen: Illegal" auch soundtechnisch wieder auf gewohnt hohem Niveau. Cover und Booklet warten wieder mit Hintergrundinformationen zur Story auf, und die obligatorischen Produktionsdaten sind auch mit an Bord.

Obwohl die Folge ziemlich aus dem gewohnten Serienmuster fällt, es wenige Flugszenen gibt und wenig Action, geht doch das typische "Mark-Brandis-Flair" nicht verloren - politische Verwicklungen und die gute Einbettung ins Brandis-Universum sorgen für eine vergnügliche Stunde, die wie im Flug vergeht und allen Fans der Serie ohne Einschränkung empfohlen werden kann.

Fazit: Fernab der eigentlichen Serienthematik eine richtig gute Folge mit viel Humor.

Stephanie Pelzer-Bartosch

FFM-Rock (21. Juni 2011):
[...] „Aktenzeichen Illegal“ stellt die erste Einzelfolge seit langer Zeit (veröffentlichte man sonst ja immer storytechnisch Doppelfolgen) dar. Dies ist aber auch gut so, denn inhaltlich gibt diese sehr politisch geprägte und gar nicht so futuristische Ein-Geburten Story nicht wirklich viel her. Gerade anfänglich wird der Hörer durch den Storyaufbau vielen Banalitäten ausgesetzt, die sich durch Smalltalk oder muntere Tischgespräche äußern. Aber auch dies gehört eben zu dem sehr zwischenmenschlich gestalteten Setting der Mark Brandis Reihe, die man entweder mag und akzeptiert, oder besser die Finger von dieser sehr real gestalteten Reihe lässt. Auf der einen Seite wird man hier erneut sehr solide, mit perfekt ausgearbeiteten Charakteren unterhalten, auf der anderen Seite aber fern von jedweder Spannung oder gar Rasanz durch die Geschichte geleitet. Vieles plätschert handlungstechnisch dahin oder wird von politischen Winkelzügen beherrscht. Military SF, die weiterhin eine sehr ruhige, fast besinnliche Schiene fährt und definitiv von den Hauptakteuren und dem grandiosen, ultrarealen Sounddesign lebt. Die gesamte Geräuschkulisse erscheint wieder völlig plastisch und wunderbar satt im Klang. Musikalisch bleibt man sich weiterhin treu. Spärlich eingesetzt, doch wirkungsvoll und atmosphärisch, geht man seiner fast schon eigenwilligen, stimmungsvollen Wege. Kommen wir als letztes zu den Sprechern, die alle symphatisch und glaubwürdig daher kommen. Lediglich die Hauptrolle der Ko Ai alias Tanja Fornaro klingt ein wenig hölzern und überzeugt mich nicht gänzlich.

Fazit: verdammt nah an der Realität, mit Storys, die inhaltlich schon lange keine Utopie mehr sind. Perfekt produziert und gespielt. Lediglich an der teilweise trödeligen Handlung könnten sich die Geister scheiden.

Martin Bothmann

Hörspielhölle (5. Juli 2011):
Nach langer Zeit werden innerhalb der Serie wieder Einzelfolgen präsentiert, doch der Grund zur Freude hielt bei mir leider nicht lange vor. Die Story an sich kam mir jedenfalls viel zu soapig vor, auch wenn sie natürlich im typischen Brandis-Kontext über die Bühne ging, aber mitgerissen hat sie mich nicht, spannend war sie auch nur unbedingt und für meinen Geschmack war hier auch ein viel zu hoher Comedyanteil mit im Spiel, der meiner Meinung nach in der Serie rein gar nichts zu suchen hat, auch wenn diese Momente durchaus lustig waren. Die Handlung ist somit einfach zu unpassend und vielleicht hätte man sich diese Vorlage einfach schenken sollen, einen Gefallen haben sich die Macher damit jedenfalls nicht getan. Auch wenn die Spielzeit nur 63 Minuten beträgt, so empfand ich sie dennoch als zu lang und unpackend. Schade, aber von dieser Seite aus ist dies die schwächste Folge bisher.
Daran ändern die teilweise grandiosen Sprecherleistungen auch nichts, auch wenn die das "Leid" natürlich einigermaßen lindern. Besonders stark trumpft hier einmal mehr Michael Lott als Mark Brandis auf, vor allem in den Szenen, in denen er "bearbeitet" wird, mehr möchte ich eigentlich nicht verraten. Sicherlich fördert das die Komik, die hier eigentlich nicht hingehört, andererseits stellt Lott dadurch sein Können eindrucksvoll unter Beweis, großer Sport. Bekannte und namhafte Gastsprecher gibt es diesmal auch wieder, so dass diese Folge in dieser Hinsicht richtig stark ist. Bei Namen wie Vera Teltz, Tanja Fornaro, Claudia Urbschat-Mingues, Martin Kessler, David Nathan, Oliver Rohrbeck, Rainer Fritzsche und Co. sollte das übrigens auch kein Wunder sein. Sehr gut gefallen hat mir auch Christian Sengers Auftritt, der Mann mausert sich immer mehr und auf ihn sollte man in Zukunft verstärkt achten.
Der Sound ist wieder mal sehr ordentlich, aber diese Abteilung ist schlicht und ergreifend halt auch ein Markenzeichen dieser Serie und das wird sich glücklicherweise so schnell wohl auch nicht ändern. Knackige Sounds und Effekte, stimmungsvolle und atmosphärische Klänge, damit kann man sehr gut leben.
Das Problem ist hier ganz klar der Inhalt, die Story hat mir nicht wirklich gefallen und sie wirkt einfach deplatziert und die Comedy- und Soapelemente haben in dieser Serie für meinen Geschmack nichts verloren. Der harte Kern der Fans von Mark Brandis werden sich vermutlich dennoch gut unterhalten fühlen, für mich war dies aber eine der schwächsten, wenn nicht sogar die schwächste Folge bisher.

Patrick Holtheuer

Tofu Nerdpunk (23. Juni 2011):
[...] Mark Brandis kann mal wieder überzeugen. Eigentlich müsste ich jetzt nichts mehr schreiben, da ich nur aufzählen kann was ich gut fand denn zu meckern habe ich nichts gefunden. Die Sprecher sind gewohnt gut und Michael Lott ist einfach jemand dem ich wirklich richtig gerne zuhöre. Die Geräuschkulissen sind wieder sehr authentisch und lassen einem die Umgebung sofort vor Augen erscheinen ohne das man nur ein Wort darüber gehört hat. So soll ein Hörspiel sein!
Die Geschichte ist auch wirklich gut, besonders das hier mal wieder sehr viel Sozialkritik verpackt wurde ist genau mein Ding.
Super Folge, wer auf Science-Fiction und Hörspiele steht kommt an Mark Brandis nicht vorbei.

Fazit: 9 von 10 brabbelnde Raumfahrer

El Tofu

X-Zine (Juli 2011):
[...] Die Story wird zum Teil im Rückblick erzählt, denn Mark Brandis wird von der eigenen Behörde künstlich in eine Art Traumzustand versetzt, in dem er willenlos die Geheimnisse über den Aufenthaltsort der flüchtigen Ko Ai und Grischa Romen verrät.
Diese Sequenz ist eine gelungene Variante zu den bisherigen Straight-Forward-Drehbüchern. Was aber weniger gut funktioniert, ist die Geschichte an sich. Höchstgradig mit politischer Problematik aufgeladen, entbehrt sie aber ansonsten zumeist dem für Mark-Brandis-Hörspiele typischen Action-Anteil, der hier auf ein Minimum heruntergefahren wurde. Auf diese Weise klingt „AKTENZEICHEN ILLEGAL“ über weite Teile wie ein Traktat über politische Zustände als ein SF-Hörspiel. Es ist durchaus legitim, derartige politische Problemstellungen in ein SF-Hörspiel einzubauen, aber der Anteil an Lehrhaftigkeit sollte nicht vordergründig stehen, sonst wirkt das Hörspiel schnell wie mit dem erhobenen pädagogischen Zeigefinger ausgeführt. Bei „AKTENZEICHEN ILLEGAL“ ist dies leider der Fall und schnell ermüdet die Konzentration des Zuhörers ob der Dialoglastigkeit und Meta-Ebenen-Konstruktion.
Die Stimmen sind durchwegs auf hohem Qualitätsniveau und ein besonderes Merkmal der Serie – das Sounddesign – kann diesmal aufgrund der Dialoglastigkeit und geringen Action-Anteile weniger punkten.
Ansonsten ist die Produktion von „Interplanar“ durchwegs handwerklich sauber erstellt.

Fazit: „AKTENZEICHEN ILLEGAL“ ist ein eher mittelprächtiger Teil der Hörspiel-Reihe. Die gewohnt hohe Qualität hinsichtlich Sprecher und Produktion konnte zwar gehalten werden, aber die Story ist nur mäßig spannend und das Thema wurde somit nur halbwegs gelungen umgesetzt.
Als Mark-Brandis-Fan wünscht man sich hier wieder mehr Spannung durch Action-Anteile, wobei der intellektuelle Anspruch nicht verloren gehen darf. Tiefgang, aber mit Höranreiz – das ist es, was man sich nun für die nächsten Teile wieder wünscht.
Somit ist „AKTENZEICHEN ILLEGAL“ bislang die schwächste Folge, was dennoch gemessen an den hohen Leistungen der anderen Folgen immer noch recht ordentlich ist.

Cronn

Hoernews, Juli 2011:
[...] Wie von guter Science-Fiction gewohnt findet hier ein guter Mix aus Realität und Fiction statt. Politische Entscheidungen vs. Humanitäres denken. Ein echter Klassiker in der SF-Literatur. Wer nach Raumschlachten sucht, wird sie diesmal nicht finden. Wer anspruchsvolle Unterhaltung sucht, mit einem Hauch Futurismus, ist goldrichtig!

In der Regie werden unterschiedliche Leistungen zugelassen.
Das Endergebnis ist, das vereinzelte kleine Rollen manchmal etwas künstlich klingen. David Nathan, der sonst immer überzeugt, klingt neben Michael Lott sehr blass und farblos. Mehr Spielfreude wäre wünschenswert. Der Titelheld selbst ist in seinem Element, weshalb die steifen Sprecher nicht ganz so stark ins Gewicht fallen, aber eben doch negativ auffallen. Mehr Strenge bei der Regie wäre Klasse! Musik und Effekte sind einfach nur großartig. [...]

Fazit: Eine dichte Handlung mit guten und weniger gut klingenden Sprechern. Die Themen der Folge sind auch heute noch eine Diskussion wert. Spannend und sehr atmosphärisch dargeboten und auch nach mehrmaligem Hören ein Spaß!

Detlef Kurtz

Splitted.de (Juli 2011):
[...] Wir sind von der Serie MARK BRANDIS Qualität im Sprecherkader gewöhnt, wir sind Qualität in den Soundeffekten gewöhnt, die Captain-Future-mäßigen Soundtracks sind auch absolut stimmungsvoll und passend , und die Geschichten, nun, die sind eigentlich immer eine Klasse für sich, bewegen sie sich doch weit abseits des typischen Hörspiel-Actionspektakels, das wir sonst so oft zu hören bekommen, sondern hat immer eine Botschaft parat, ist in erster Linie mit viel Verstand gemacht. Gerade in letzterem Bereich kann ‚Aktenzeichen: Illegal’ enorm auftrumpfen. Gerade die leider allzu gut vorstellbaren Verfügungen in Bezug auf Geburtenrate etc. lassen einem einen kalten Schauer über den Rücken laufen, wenn man bedenkt, dass dies alles ggf. in naher Zukunft genau so kommen könnte (die VR China ist mit Repressionen bei mehr als zwei Kindern und behördlichen Genehmigungen zur Schwangerschaft ja schon nicht mehr allzu weit davon entfernt). Einziges Manko der Folge: normalerweise sind wir von MARK BRANDIS seit dem Labelwechsel mit Doppelfolgen verwöhnt worden, nun erscheint erstmals unter Folgenreich eine Einzelfolge. Die Geschichte kommt dadurch allerdings zugegebener Weise nicht zu kurz, sondern hätte aller Wahrscheinlichkeit nach als Doppelfolge viel eher gestreckt gewirkt.

Matthias Dziony

TV-Kult, 11. August 2011:
[...] Bereits im Vorfeld konnte mich "Mark Brandis" nicht immer voll und ganz überzeugen und auch bei dieser Folge ist das gehörte Abenteuer nur ein Mittelmaß. Gerade die spätere Entwicklung mit dem seltsamen Wahrheitsserum empfinde ich als nicht wirklich neu oder innovativ und gerade aus diesem Gefühl der Eintönigkeit, stellte sich bei mir schnell ein Zustand der Langeweile ein. Gerade die Idee mit dem Wahrheitsserum hätte man durchaus anders gestalten können, stattdessen hört man nur immer wieder, wie die Ärzte auf den Hauptprotagonisten verbal einprügeln und versuchen das dunkle Geheimnis rund um Ko Ai aus ihm raus zu kriegen.

Technisch gibt es keinerlei Beanstandungen, wobei es für mich immer noch ein Graus ist, dass teilweise englische Namen in Deutsch ausgesprochen werden und somit mir immer ein großes Stück der Fantasie genommen wird, die von dem Hörspiel eigentlich aufgebaut werden sollte. Nachwievor empfinde ich es als Schade, dass bei "Mark Brandis" konstant auf einen Erzähler verzichtet wird, da ich glaube das dieser an manchen Stellen durchaus zur Spannung beitragen könnte.

Fazit: 5 von 10 -- "Mark Brandis: Aktenzeichen illegal" ist für mich nur durchschnittliche Science-Fiction-Kost und ich weiß es wirklich nicht, ob sich dieser Eindruck jemals für mich ändern wird.

Sven Reichenberg

Vampster (13. Juli 2011):
[...] "Aktenzeichen: Illegal" sticht aus der Reihe MARK BRANDIS in mehreren Hinsichten deutlich heraus. Erstens ist dieses Hörspiel kein Zwei- oder sogar Mehrteiler, sondern steht für sich alleine, ein Novum in dieser Hörspielserie. Außerdem muss MARK BRANDIS nicht im Dienste der VEGA ran, sondern als Privatperson. Und hier zeigt er sich noch verlässlicher als im beruflichem Leben. Auch die Erzählstruktur ist hier bewusst anders gewählt - "Aktenzeichen: Illegal" beginnt in media res, lebt von seinen vielen Rückblenden, wird aus der Sicht des Commanders erzählt, der von der Ärztin Dr. Lund und dem AIF-Beauftragten Karsten Kromme hypnotisiert und zum Reden gezwungen wird. Nicht nur als pflichtbewusster VEGA-Mitarbeiter, sondern auch als beherzter Freund und als hypnotisierter, an der Grenze zum Albernen angesiedeltes Opfer, brilliert Michael Lott in seiner Rolle als MARK BRANDIS. Die Hauptfigur weißt zudem durchaus Schwächen auf, so kriselt es in seiner Ehe. Und weil Brandis alles Andere im Kopf hat, als seine Ehe zu retten - getreu dem Motto: "Das mache ich später, jetzt ist erstmal helfen wichtiger." -, wirkt er so menschlich und verletzlich. Entsprechend steht Dorothea Anna Hagena als Marks Frau Ruth O´Hara auch etwas mehr im Rampenlicht als zuvor und präsentiert sich als starke Frau, die sich nach mehr Liebe sehnt und auch ihrerseits versucht, die Beziehung zu retten.

Neben Michael Lott sticht auch Christian Senger als Karsten Kromme, der wunderbar das kaltherzige Arschloch von der Behörde gibt, heraus. Die Besatzung der Hermes muss, mit Ausnahme vom wie immer routiniert sprechenden David Nathan als Grischa Romen, etwas zurück stecken - leider, denn Martin Wehrmann, Martin Keßler und Claudia Urbschat-Mingues liefern einen wie immer hervorragenden Job ab. Auch Oliver Rohrbeck, der bereits einen Cameo bei "Die Vollstrecker" hatte, ist wieder mit dabei, diesmal mit einem etwas größerem Auftritt. Obwohl "Aktenzeichen: Illegal" mit etwas über einer Stunde ein sehr kurzes MARK BRANDIS-Abenteuer darstellt, wirkt nichts gehetzt, im Gegenteil: Die Macher sind gut damit beraten, diese Geschichte innerhalb einer Folge abzuhandeln, das wirkt im Rahmen der Serie einerseits erfrischend und vermeidet speziell bei dieser Story unnötige Längen. Der tolle Soundtrack, die schön klassischen Sci-Fi-Effekte und die gewohnt ruhige Hand der Regie tun ihr Übriges, diese thematisch brisante Folge ordentlich zu inszenieren.

"Aktenzeichen: Illegal" ist thematisch brisant, da hier - wie unschwer zu erraten ist - die Überbevölkerung der Erde angesprochen wird. Die Republiken wenden die Geburtenkontrolle an und erzielen Erfolge, während die Union ziellos weiter wächst. Wie weit diese Kontrolle geht, zeigt dieses Zukunftsszenario, eine sehr heikle Geschichte. Denn nicht nur hochrangige Politiker der ganzen Welt in unseren Tagen haben dieses Thema auf der Agenda, sogar ein Religionsführer wie der Dalai Lama spricht sich dafür aus. Doch was passiert, wenn es einen Fehler im System gibt, wie der Geburt von Zwillingen? Wird durch derartige Kontrollen das Problem der Überbevölkerung auch wirklich gelöst? Wer darf in das Grundrecht des Menschen eingreifen und das Zeugen von Kindern verbieten? Schwere Kost, die nicht gelöst wird, aber neue Denkansätze präsentiert. Auch die Medien stehen in einem Nebenfokus von "Aktenzeichen: Illegal", das Ende dieses Hörspiels erhält leichte Anflüge einer Mediensatire. Das überrascht etwas, vor allem, da die Journalisten dieses Mal auf der richtigen Seite stehen. Auch hier fällt erneut auf, wie visionär der Schriftsteller Nikolai von Michalewski bereits im Jahr 1975 an diese Themen heran ging. Sicherlich ist das Hörspiel etwas modernisiert, aber gute Science Fiction zeichnet eben aus, dass sie auch nach sechsunddreißig Jahren noch hochaktuell bleibt. So oder so, dieses der Konkurrenz wie üblich meilenweit voraus liegende Hörspiel gibt genügend Möglichkeit zum Nachdenken. Zumindest bis man Folge 16 gehört hat, die ebenfalls in den Startlöchern steht. Und die, das möchte ich schon einmal verraten, hat es wirklich in sich.

Captain Chaos

Hoerspiel3.de (19. Juli 2011):
[...] Das vorliegende Hörspiel ist gleich in mehrerer Hinsicht ungewöhnlich und an vielen Punkten ganz anders als das, was man bisher gewohnt ist. Während der Beginn sich nicht allzu lange mit Unwichtigkeiten aufhält und einen direkt in eine spannende Situation wirft, ist der weitere Verlauf von ungewohnt ruhigen Momenten geprägt. Grund dafür ist der von hinten her aufgezäumte Erzählrahmen. Mark Brandis macht Urlaub und gibt die Leitung des Schiffes an Grischa Roman ab, welcher aber nicht mit sonderlich großer Konzentration bei der Sache ist. Denn Grischa ist frisch verliebt. In eine Asiatin mit russischen Wurzeln. Während der Verlobungsfeier kommt es zu einem Zwischenfall, der das Glück der beiden für immer zu beenden droht.

Diesmal muss man sich recht viele Szenen aus dem Privatleben der Crew anhören. Gerade in der Anfangsphase fällt die Handlung deswegen ziemlich ereignisarm aus. Mit dem Wissen um die zukünftige Entwicklung aber bekommt das ganze jedoch einen ganz anderen Geschmack. Der Grund für das Einbinden solcher Szenen ist hier nicht einfach nur der, dass den Produzenten der Stoff ausgegangen ist und man diesen mit Belanglosigkeiten zu füllen versucht, sondern liegt vielmehr in der logischen Konstruktion der Storyline verankert.
Thematischer Schwerpunkt dieser Folge bildet die Funktion und Manipulation des menschlichen Gehirns. Ein zweiter, nicht ganz so offensichtlicher liegt auf der Darstellung von Schicksalen. Und gerade letzteres ist mit ausschlaggebend dafür, dass die Abenteuer rund um Mark Brandis stets so bewegend und faszinierend bleiben. Obgleich ich bei diesem Brandis-Hörspiel zum ersten Mal das Gefühl hatte, es würde sich ein klein wenig in die Länge ziehen.

Die akustische Inszenierung ist über jeden Zweifel erhaben. Egal, ob es um die Untermalung in einer Strandbar geht oder um die Darstellung von Erinnerungsszenen. JCR und BvW beweisen einmal mehr, dass sie ihr Handwerk verstehen und mit Leidenschaft bei der Arbeit sind.

Große Überraschungen bringt der Sprechercast nicht mit sich. Zum einen ist da natürlich die bekannte Crew um Mark Brandis, wobei deren Sprecher allesamt an die Qualität der vorherigen Hörspiele anknüpfen können. Hervorheben möchte ich hier vor allem Christian Senger, der einen absolut würdigen Gegenspieler innerhalb „der eigenen Reihen“ abgibt.

Fazit: Das 15. Abenteuer dieser Serie ist in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich. Beginnend beim Erzählrahmen bis hin zum hohen Anteil an Szenen aus dem Privatleben der Protagonisten. Auch wenn die Geschichte nicht ganz mit dem Drive anderer Brandis-Hörspiele mithalten kann, so sind die Idee und Umsetzung doch weit davon entfernt, schlecht zu sein. Und immer nur auf das gleiche Muster zu setzen wäre gewiss langweilig. Insofern sehe ich das vorliegende Hörspiel als interessantes Experiment innerhalb des noch recht jungen Brandis-Hörspiel-Kosmos..

Daniel Merk