OT: Schon eigenartig …

Dass die Wahl zwischen Hillary Clinton und Donald Trump zum POTUS nur als eine Wahl zwischen Scylla und Charybdis beschrieben werden kann, sollte sich herumgesprochen haben. Trump arbeitet permanent und effizient daran, sich für Wähler jenseits seiner Kernzielgruppe unwählbar zu machen. Gegen ihn eine Wahl zu gewinnen, sollte eine der leichtesten Übungen sein — deutlich einfacher, als es für Helmut Schmidt gewesen sein muss, 1980 gegen Franz Josef Strauß anzutreten, der damals eine sehr polarisierende Wirkung in Deutschland hatte.

Warum liegt sie dann drei Wochen vor der Wahl in den Umfragen immer noch vergleichsweise knapp vorne? Weil Hillary Clinton selbst unter Demokraten heftig umstritten ist, und sich die Anzeichen mehren, dass sie während ihrer Amtszeit als Außenministerin Obamas nicht nur fahrlässig mit Emails umgegangen war, sondern auch massive Korruption betrieben hatte. Davon erfährt man interessanterweise fast nichts in den sog. Mainstream-Medien, die offensichtlich weder hier noch in den USA in den Geruch kommen wollen, ihrem Gegner Donald Trump den Steigbügel zu halten.

Dass Aufklärungsarbeit über mögliche illegale Machenschaften von Präsidentschaftskandidaten etwas ist, auf die eine aufgeklärte Wählerschaft ein Recht hat, scheint dabei unterzugehen. Anders ist nicht zu erklären, weswegen Clintons Ablenkungsmanöver, Russland habe ein Interesse an ihrer Niederlage und deswegen „Emails gestohlen“, funktioniert. Die Whistleblower-Plattform Wikileaks steht seitdem in der Öffentlichkeit unter Anklage, Trump helfen zu wollen; und dies hauptsächlich deswegen, weil die Trump-Unterstützer (die ansonsten sicher kein Interesse an steigendem Einfluss dieser Plattform zu haben im Verdacht stehen) die Enthüllungen für ihren Wahlkampf nutzen.

Eine Frage steigt auf vor diesem Hintergrund: besteht die Presselandschaft wirklich nur noch aus gekauften Verlagshäusern und wenig beachteten Verschwörungswebsites? Eine vierte Macht im Staat müsste — unabhängig von Partikularinteressen von Parteien — an Vorgängen dieser Größenordnung doch interessiert sein, sie untersuchen und für Aufsehen sorgen wollen. Warum titelt der SPIEGEL nicht in diesem Sinne? Wo bleiben die ZEIT, die New York Times, die Herald Tribune, die NZZ und all die anderen Organe, die behaupten, ausgewogen und unabhängig zu sein? Alles Clinton-Fans um jeden Preis?

Ist das nich wirklich eigenartig?

Kategorie(n): Alles, OT

3 Antworten auf OT: Schon eigenartig …

    Stefan Kraft sagt:

    Dieser Beitrag hat mich zum Nachdenken angeregt. Und es stimmt, die Medien sollten kritisch(er) über Clinton berichten – was sie in Deutschland teilweise auch tun, aber wohl zu wenig. Trotzdem bin ich vorsichtig, wenn es um den Vorwurf der gekauften Medien geht.

    Zu Wikileaks: Ich stimme zu, dass solches Whisteblowing wichtig ist. Allerdings muss sich Assange den Vorwurf gefallen lassen, mit den Veröffentlichungen auch persönlich Rache an Clinton nehmen zu wollen und (gewollt oder ungewollt) Putin zu unterstützen. Zudem sind solche Tweets mehr als unschön und schmälern das Ansehen der Plattform IMHO deutlich: https://twitter.com/wikileaks/status/789882885742419968

    Ich könnte noch etwas zum von mir bevorzugten Spitzenkandidat für das Weiße Haus sagen, aber das wäre off-topic.

    INTERPLANAR sagt:

    Den Vorwurf, Wikileaks unterstütze Trump, könnte man der Plattform nur dann machen, wenn ihr öffentlichkeitsrelevante Infos zu Trump vorlägen und Wikileaks diese (im Gegensatz zu den Stapeln an inkriminierenden Infos über Frau Clinton) zurückhalten würde. Es ist mMn unfassbar, dass es anscheinend gelingt, (um ein anschauliches Beispiel zu bringen) den Beleg einer Kinderschändung ad acta zu legen, weil der Fotograf, der das offenlegte, um das Foto zu schießen, in ein Privathaus fotografieren musste. Man redet über diese Privatsphärenverletzung und lässt den Delinquenten weiter für ein öffentliches Amt kandidieren.

  1. Ich kann mir vorstellen, dass die Zurückhaltung vieler amerikanischen Medien folgenden Grund hat: Man fürchtet, Trump in die Hand zu spielen, wenn man Clinton so kurz vor der Wahl die Hölle heiß macht. Trump hat so stark polarisiert, dass die Medien tatsächlich zur Zeit nicht wirklich unabhängig sind. Das hat aber nichts mir „gekauften“ Medien zu tun, sondern mit der Erkenntnis vieler Medien-Leute, dass Trump als amerikanischer Präsident schlicht unwählbar ist. Die Sorge darum, Trump mit den Berichten Wahlkampfhilfe zu leisten… und ihm am Ende im schlimmsten Fall sogar ins Amt zu verhelfen, ist größer, als jetzt der eigentlichen journalistischen Pflicht nachzukommen. -Ich habe folgende Theorie: Sobald Trump bei der Wahl geschlagen ist (und als Präsident verhindert wurde), brechen für Clinton in der Zeitungs-Landschaft stürmische Zeiten an. Ich würde mich nicht wundern, wenn sie – wie einst Nixon – sogar bald zurücktreten müsste.